Uwe Bogen
Blockparty des Hotel Central
Steinstraße außer Rand und Band: Dieser Abschied ist schon jetzt legendär
2. Mai 2026
Fast scheint es, als feiere die ganze Stadt mit – auf der Steinstraße, auf allen Etagen des Parkhauses, zwischen Beats und flimmernden Fassaden. Die Blockparty des Hotel Central e.V. wird zum Ausnahmezustand: ein letzter Tanz für den 1. Stock, der trotz Massenandrangs und kurzfristiger Unterbrechung laut Polizei „unproblematisch“ bleibt.
Diese Party schreibt schon jetzt Stadtgeschichte. Ein Tag, an dem Stuttgart ausrastet, dafür aber selbst von der Polizei gelobt wird. „Es waren sehr viele Menschen da“, erklärt ein Sprecher auf Anfrage von EchtStuttgart, „aber trotz des Massenandrangs blieb es unproblematisch.“ Zwischendurch musste die Veranstaltung allerdings unterbrochen werden, damit die Beamten zu der zuvor schon gesperrten Steinstraße weitere Vorsichtsmaßnahmen ergreifen konnten.
Der 1. Mai 2026 gehört direkt ins Archiv des StadtPalais. Mitten in der City, zwischen Rathaus und Tagblatt-Turm, herrscht Ausnahmezustand: Die Steinstraße wird zur Bühne, das Parkhaus gegenüber zum Logenplatz. Die Blockparty zum Abschied des 1. Stock, organisiert vom Hotel Central e.V., wird zum Knaller des Jahres. Dass so viele Menschen gekommen sind, hat auch die Polizei überrascht. Damit habe man nicht gerechnet.
Was sich dort abspielt, lässt sich schwer in klassische Event-Kategorien pressen. Open-Air-Club? Straßenfest? Kunstinstallation? Irgendwo dazwischen – und genau deshalb so besonders.
Eine Straße wird zur Tanzfläche
Schon am Nachmittag wird klar: Das hier wird groß. Unterstützt von Nachbarn wie Biarritz, Vegi und Monaco Grill sowie Sponsoren wie Kessler, Dinkelacker und der Stadt Stuttgart verwandelt sich die gesperrte Steinstraße in einen vibrierenden Mikrokosmos.
Drinks fließen, Merch wechselt die Besitzer, die DJs legen aus dem Fenster des ersten Stocks auf, und über den Fassaden flimmern bei Einbruch der Dunkelheit Projection-Mapping, das die urbane Kulisse in ein digitales Kunstwerk verwandelt. Gleichzeitig zieht sich ein Line-up durch den Mai-Feiertag, das keine Grenzen zu kennen scheint: Genres, Generationen, Szenen – alles ineinander verwoben.
Der Vibe? Ungezwungen, kollektiv, elektrisierend.
Stuttgart von oben – und mittendrin
Ein besonders surrealer Anblick bietet sich gegenüber: Auf dem Parkhausdach sitzen Hunderte Menschen, blicken auf die Menge hinab und grooven synchron mit den Beats. Unten tanzt die Straße, oben pulsiert die Skyline – ein zweigeteiltes Publikum, verbunden durch denselben Rhythmus.
Man hat das Gefühl: Ganz Stuttgart ist da.
Ein solcher Abend fällt nicht vom Himmel. Der Dank aus der Community geht raus an die Crews von Betty Ford Boys und Junge Arbeiter, die maßgeblich an der Umsetzung beteiligt waren. Sie haben nicht nur ein Event organisiert, sondern einen kulturellen Schlusspunkt gesetzt, der ein dickes Ausrufezeichen ist.
Die Geschichte des 1. Stock
Der Abschied trifft einen Ort, der über Jahre gewachsen ist. Nachdem die Bar 1. Stock in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr weitergeführt werden konnte, weil eine frühere Wohnung sich nicht für die Gastro eignet, übernahm der Verein Hotel Central e.V. die Räume in der Steinstraße 13.
Was folgte, war keine einfache Zwischennutzung, sondern eine Transformation: Der 1. Stock wurde zu einem Labor für Ideen, Nächte und Begegnungen. Ein Ort, an dem sich Musik, Kunst, Gespräche und Experimente kreuzten. Parallel entstanden in den oberen Etagen Studios für Foto und Musik – Keimzellen einer Szene, die heute weit über die Straße hinausstrahlt.
Mit der „Letzter Stock Tour“ wurde dieser Raum nun bewusst verabschiedet – nicht leise, sondern in Etappen: von NOWRUZ über Listening Sessions, Talks, Lesungen bis hin zum finalen „Last Dance“.
Ein Abschied, der nach vorne zeigt
Die Blockparty war kein Ende im klassischen Sinne. Eher ein Übergang. Denn auch wenn der 1. Stock seine Türen schließt, bleibt die Idee dahinter bestehen: Räume schaffen, in denen Kreativität wachsen kann. Oder, um es so zu sagen, wie es sich an diesem Abend angefühlt hat: Der Ort geht – die Energie bleibt. Sowas können wir halt im Kessel.
AKTUELLES
Viel Streit um die Dienstvilla: Lasst Cem Özdemir doch auf die Solitude ziehen!
Stuttgart diskutiert über Özdemirs Dienstvilla so heftig, als wolle er den Thron im Neuen Schloss besteigen. Dabei spricht die Sicherheit für den Umzug. Nur die Miete muss auf den Tisch. Bei so viel Platz ist eine Studierenden-WG im abgetrennten Flügel noch drin. Mit Extra-Eingang – ohne Personenschutz beim Bierholen, findet Uwe Bogen.
Lilo Wanders in Stuttgart: 40 Jahre gegen Aids, Angst und Ausgrenzung
Warum steht das L bei LGBTQ+ vorne? Weil Lesben in der Aids-Krise halfen, als andere wegschauten. Daran erinnert der Chor Musica Lesbiana. Beim 40-Jahr-Jubiläum der Aids-Beratung der eva mit Lilo Wanders geht es um Menschen, die Mut bewiesen, und darum, auch heute Hass, Ausgrenzung und Stigma die Stirn zu bieten.
Der Stuttgarter Schocker: Das Grauen geht um im Kessel
Zombies auf dem Schlossplatz, Monster im Feinstaubnebel und eine Horrorfahrt in der S-Bahn: „Der Stuttgarter Schocker“ verwandelt bekannte Orte der Landeshauptstadt in Kulissen des Grauens. Pünktlich zu Halloween erscheint mit „Mord am Feuersee“ die bislang ambitionierteste Geschichte der Comicreihe – und das gleich in zwei Heften. Zeit, Stuttgart einmal von seiner schaurigsten Seite kennenzulernen.
Wie viel Mut braucht das Glück? Große Lebensfragen an der Theke im Brother Louis
Was, wenn ein Schicksalsschlag zum Neuanfang zwingt und Erfolg plötzlich etwas anderes bedeutet? Beim Art Charity Salon von Claudia Prskalo in der preisgekrönten Bar Brother Louis geht es um Mut zur Veränderung – und darum, anderen zu helfen (diesmal dem Kinderhospiz). Ein Abend zum Innehalten und Mutmachen.
