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NewsletterDas Wichtigste aus Stuttgart, kostenlosErneut Abschied eines Traditionshauses
Schon wieder verschwindet ein traditionsreiches Fachgeschäft aus der Stuttgarter Innenstadt: Das Schuhhaus Wurster an der Kirchstraße schließt nach 70 Jahren. Am Donnerstag beginnt der Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe. Bis Ende des Jahres soll "alles raus".
Rote Plakate kündigen das Ende an: „Alles muss raus“ mit drei Ausrufezeichen steht am Schuhhaus Wurster in der Kirchstraße 8, nur wenige Schritte vom Stuttgarter Marktplatz und der Stiftskirche entfernt. Nach sieben Jahrzehnten ist für das traditionsreiche Schuhfachgeschäft Schluss. Der Räumungsverkauf beginnt am Donnerstag und soll bis Ende des Jahres laufen.
Der Grund für die Schließung ist nicht etwa ein schlecht laufendes Geschäft. Auf Nachfrage von EchtStuttgart erklärte das Schuhhaus, dass die Geschäftsaufgabe altersbedingt erfolge. Wirtschaftliche Schwierigkeiten seien nicht der Auslöser. Vielmehr habe man leider keine Nachfolge für das Geschäft finden können.
Damit endet erneut eine lange Einzelhandelsgeschichte in Stuttgart. Erneut hört ein inhabergeführtes Geschäft – und macht Platz für eine Kette?
Auch in der Schuhbranche sorgt die Geschäftsaufgabe für Überraschung. Ein Insider, der den Schuhhandel gut kennt, bewertet die Lage des Geschäfts ausgesprochen positiv. „Die Adresse stufe ich als super ein“, sagt er gegenüber EchtStuttgart.
Er vermutet, dass die Immobilie angesichts ihrer attraktiven Innenstadtlage künftig zu deutlich höheren Mietkonditionen angeboten werden könnte. „Ich würde behaupten, dass die Vermieter in der Lage jetzt einen ganz anderen Preis aufrufen“, so seine Einschätzung.
„Tschüss Stuttgart!“: Mephisto schließt nach über 30 Jahren
Bemerkenswert findet der Branchenkenner vor allem, wie sich Wurster über die Jahre behauptet hat. Das Geschäft habe sich durch ein individuelles Sortiment von anderen Schuhhändlern unterschieden und eben nicht einfach dieselben Modelle wie die Konkurrenz verkauft. „Die haben sich wacker geschlagen“, sagt er. Als er die Ankündigung des Räumungsverkaufs beim Vorbeilaufen entdeckte, sei er deshalb sehr überrascht gewesen.
Die Geschichte des Schuhhauses Wurster reicht nach eigenen Angaben rund 70 Jahre zurück, also bis in die Mitte der 1950er-Jahre. Es war die Zeit des Wirtschaftswunders, in der sich auch die Innenstadt nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs neu entwickelte.
Über Jahrzehnte gehörte Wurster zum inhabergeführten Fachhandel in der City. Das Geschäft setzte auf persönliche Beratung, eine individuelle Auswahl an Schuhen und Dienstleistungen, die im klassischen Schuhfachhandel selbstverständlich waren: etwa das Weiten oder Anpassen von Schuhen sowie Hilfe bei Reparaturen.
Hinter dem Unternehmen steht die Schuhhaus Wurster GmbH, deren Gesellschaftsvertrag aus dem Jahr 2002 stammt. Als Geschäftsführer sind Christine Bek-Wurster und Ralf-Michael Bek eingetragen. Die Geschichte des Schuhhauses reicht allerdings deutlich weiter zurück als die der heutigen Gesellschaft.
Mit Wurster verschwindet ein weiteres alteingesessenes Schuhgeschäft aus Stuttgart. Erst kürzlich haben wir berichtet, dass auch das Mephisto-Fachgeschäft am Töpferplatz nach mehr als 30 Jahren schließt.
Zuvor hatten bereits andere bekannte Namen wie Strohm, Horsch, Häsler oder Ludwig Reiter ihre Geschäfte in Stuttgart aufgegeben. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Doch die Entwicklung ist auffällig: Immer mehr Fachgeschäfte, die über Jahrzehnte das Einkaufsangebot in der Innenstadt geprägt haben, verschwinden.
Dabei zeigt gerade das Beispiel Wurster, dass nicht hinter jeder Schließung wirtschaftliche Schwierigkeiten stecken müssen. Manchmal fehlt schlicht jemand, der ein erfolgreich geführtes Geschäft weiterführen möchte.
Für die Kundinnen und Kunden beginnt am Donnerstag der Abschied auf Raten. Bis Ende des Jahres läuft der Räumungsverkauf. 30 Prozent Rabatt soll es geben.
Was bleibt, ist die Erinnerung an ein Schuhgeschäft, das rund 70 Jahre lang zum Stuttgarter Einzelhandel gehörte. Und eine weitere Lücke in der Innenstadt, die sich nicht allein an einer leer stehenden Ladenfläche bemessen lässt.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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