Uwe Bogen

Moby auf dem Schlossplatz

„Danke Stuttgart“: Ein Finale, das es bei den Jazz Open so noch nie gab

12. Juli 2026

Als alle schon mit dem Festivalende rechnen, überraschen die Jazz Open ihr Publikum noch einmal: Nach der gefeierten Show von US-Star Moby folgt eine bewegende Botschaft für Frieden. „Danke Stuttgart“ leuchtet auf der LED-Wand. Die Auslastung lag bei 98 Prozent.

Moby beendet am Sonntagabend die Jazz Open 2026. Foto: Reiner Pfisterer

Die 32. Jazz Open sind am Sonntagabend auf dem Stuttgarter Schlossplatz mit einem Finale zu Ende gegangen, das es in dieser Form noch nie gegeben hat. Nach der euphorisch gefeierten Show des US-amerikanischen Elektro-Pop-Stars und Ex-Punkers Moby wartete auf die Besucher noch eine  Überraschung.

Völlig unangekündigt traten die Impulso Tenors auf die Bühne. Während auf der LED-Wand ein virtuelles Feuerwerk mit der Botschaft „Jazz Open – Danke Stuttgart“ zu sehen war, stimmten die drei Sänger  Beethovens „Ode an die Freude“ an: „Freude schöner- Götterfunken“ – in der „Reborn“-Version. Ein bewegender Abschluss eines Festivals, das in den vergangenen zwölf Tagen tausende Menschen begeistert hat.

Ein ganz besonderer Dank an das Stuttgarter Publikum

Die Wahl dieses Liedes war kein Zufall. Die „Ode an die Freude“ steht  für Freiheit, Frieden und Völkerverständigung – Werte, die angesichts der weltpolitischen Lage wichtiger erscheinen denn je. Gleichzeitig unterstrich der emotionale Moment die verbindende Kraft der Musik, die Menschen unabhängig von Herkunft, Sprache oder Alter zusammenbringt und gerade in schwierigen Zeiten Hoffnung und Zusammenhalt vermittelt.

Mit dem Dank an Stuttgart wollten die Veranstalter ihre  Begeisterung  für das Publikum ausdrücken. Fast alle Konzerte waren ausverkauft, das Wetter spielte mit, die Atmosphäre war hervorragend und das Programm bot eine außergewöhnliche Vielfalt – von internationalen Pop- und Rockstars bis hin zu hochkarätigem Jazz.

"Danke Stuttgart", steht auf der LED-Leinwand, während nach Moby die Impulso Tenors "Freude schöner Götterfunken" in der "Reborn"-Version singenl. Foto: Uwe Bogen

Zuvor hatte Moby den Schlossplatz noch einmal zum Beben gebracht. Der 60-jährige US-Amerikaner gilt als einer der faszinierendsten Live-Performer der elektronischen Musik. Seine Konzerte verbinden elektronische Rave-Sounds, melancholische Ambient-Momente und energiegeladene Punk-Ausbrüche zu einer beeindruckenden Show.

Während des Konzerts erzählte Moby, dass er bereits in den 1990er-Jahren nach Deutschland gekommen sei, damals tief beeindruckt von der Love Parade und dem deutschen Technosound. Für großen Applaus sorgte auch seine politische Botschaft. Mit Blick auf die USA bezeichnete er Donald Trump als den „worstest president in the history of the USA“.

VIP-Gast verschenkt beim Moby-Konzert zwei Freikarten an einen Rollstuhlfahrer mit Begleiter

Auf der VIP-Tribüne verfolgten unter anderem And.Ypsilon von den Fantastischen Vier, Timo Hildebrand sowie Boss-Model Anni Hoyer das Konzert. Für einen besonders schönen Moment sorgte ein VIP-Gast, dessen zwei Begleiter kurzfristig abgesagt hatten. Statt die Plätze verfallen zu lassen, schaute er sich vor der Absperrung um. Seine Wahl fiel auf einen Rollstuhlfahrer und dessen Begleiter. Beide konnten mit dem Aufzug auf die Tribüne fahren und den Festivalabschluss aus bester Perspektive erleben.

Dass  Moby seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Tierschützern der Musikszene zählt, spiegelte sich auch bei seinem Auftritt in Stuttgart wider. Auf der großen LED-Wand waren immer wieder Kühe, Hunde, Schweine und andere Tiere zu sehen – Bilder, mit denen der überzeugte Veganer auf den respektvollen Umgang mit allen Lebewesen aufmerksam machte. Ein Teil seiner Einnahmen fließt seit Jahren an Tierschutzorganisationen. Passend dazu wurde im Backstage-Bereich sowie im Restaurant Plenum des Jazz-Open-Caterers Milos Vujicic  ausschließlich veganes Essen serviert.

Boss-Model Anni Hoyer bei Moby auf der VIP-Tribüne.

In den vergangenen zwölf Tagen prägten internationale Stars wie Nick Cave, Teddy Swims, Katy Perry, Lenny Kravitz und Jamie Cullum das Programm auf dem Schlossplatz (EchtStuttgart hat jeden Tag darüber berichtet). Gleichzeitig boten die Jazz Open ihrem Namen entsprechend zahlreiche hochkarätige Jazz-Konzerte – unter anderem mit Joshua Redman, Marius Neset, Eliane Elias, Mammal Hands und der Miles Electric Band.

Auslastung lag bei 98 Prozent

Die Konzerte auf den beiden Hauptbühnen am Schlossplatz und im Alten Schloss waren nahezu komplett ausverkauft. Insgesamt sorgten mehr als 75.000 Besucherinnen und Besucher für eine Auslastung von rund 98 Prozent. Die Festivalstimmung reichte dabei weit über das eigentliche Gelände hinaus. Immer mehr Zaungäste verfolgten die Konzerte außerhalb der Absperrungen – besonders beim Auftritt von US-Superstar Katy Perry verwandelte sich der gesamte Schlossplatz in eine große Open-Air-Party.

„Wir sind mit der 32. Auflage der Jazz Open sehr zufrieden“, sagte Festivalmacher Jürgen Schlensog. „Und jetzt beginnen die Jazz Open in Italien. Darauf sind wir sehr gespannt.“

And:Ypsilon (links) von den Fanastischen Vier beim Moby-Konzert mit Dany Schwarz.

Bereits am Montagabend feiern die Jazz Open Modena ihre Premiere mit einer Doppelshow von Gregory Porter und Diana Krall. Bis zum 18. Juli stehen auf der Piazza Roma unter anderem Moby, Jean-Michel Jarre, Luca Carboni, Parov Stelar, Meute, Jamie Cullum und Joss Stone auf der Bühne.

Parallel laufen bereits die Vorbereitungen für die nächsten Jazz Open in Stuttgart, die vom 30. Juni bis 11. Juli 2027 stattfinden. Mit der Bekanntgabe der ersten Headliner wird traditionell Ende Oktober gerechnet.

Nach zwölf Tagen voller Musik, Emotionen und internationaler Stars bleibt vor allem das Schlussbild in Erinnerung: Auf der großen Leinwand erstrahlte ein virtuelles Feuerwerk mit den Worten „Jazz Open – Danke Stuttgart“, während die Impulso Tenors die „Ode an die Freude“ sangen – ein musikalisches Bekenntnis zu Frieden, Freiheit und Zusammenhalt. Einen passenderen Schlusspunkt hätte es für die Jazz Open 2026 kaum geben können.

Bei Moby sind immer wieder Kühe auf der Leinwand zu sehen. Foto: Uwe Bogen

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Illustration von Stuttgart
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