Christina Semrau
Bauchspeicheldrüsenkrebs
„Das Leben wird leiser, bewusster – und kostbarer als je zuvor“
5. April 2026
Ihr Schicksal hat die Stadt berührt. Vor einem Jahr erhielt Christina Semrau die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Bald beginnt ihre Wiedereingliederung als Fundraiserin des Hospizes. Unsere Autorin schreibt über ihren Neuanfang nach zwölf Zyklen Chemotherapie, über Dankbarkeit und Zusammenhalt.
Ihr Glück im Unglück: Der Tumor war operabel – eine seltene Chance bei der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Mit dieser schlimmen Krankheit traf es eine Frau, die über Jahre hinweg für andere da war. Als frühere Kulturmanagerin und leidenschaftliche Netzwerkerin hat sie im Fundraising des Kinder- und Erwachsenenhospizes unzählige Projekte auf den Weg gebracht, Spenden mobilisiert.
Ihr vergangenes Jahr war von zwölf Zyklen Chemotherapie geprägt, ein körperlicher und emotionaler Marathon. In der schwerstsen Zeit ihres Lebens entschied sich die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen gegen das Schweigen. Offen teilte sie ihre Reise und machte Mut, den man auch in ausweglos erscheinenden Momenten niemals verlieren sollte. Nach Ostern beginnt ihre Wiedereingliederung bei ihrem Arbeitgeber, dem Hospiz, mit zunächst drei Stunden am Tag. .
Unsere Redaktion freut sich sehr, dass Christina Semrau als Autorin bei Stuttgarts neuem Online-Magazin mitmacht. Für uns beschreibt sie, wie sich die Rückkehr in das „normale Leben“ nach einer solchen Erkrankung anfühlt – und warum sie überzeugt ist, dass Solidarität und Mitgefühl ein ganz besonderer Teil unserer Stadt ist.
Echt Stuttgart ist die spürbar große Solidarität unserer Stadtgesellschaft gegenüber Menschen, die unter anderem . schwere Krisen durchmachen, sich durch ihr Alter nicht mehr dazugehörig fühlen oder lebensverkürzt erkrankt sind!
Man schließt sich zusammen, trifft sich zu Hilfsaktionen und supportet unkonventionell soziale Einrichtungen oder einzelne Projekte!
Ich bin immer wieder berührt wie sehr in unserer Stadt noch das ”Aufeinander Achtgeben“ und die „Fürsorge für den Mitmenschen“ gelebt werden!
Auch bei mir war es so, dass sich nach langer Zeit meiner schweren Bauchspeicheldrüsenkrebs-Erkrankung das Leben anders anfühlte.
Leiser vielleicht, bewusster – und gleichzeitig kostbarer als je zuvor.
Die Monate der Chemotherapie waren geprägt von Unsicherheit, von körperlicher Schwäche und von Momenten, in denen Hoffnung und Angst dicht beieinander lagen. Doch genauso gab es diese leisen, starken Augenblicke: Ein aufmunterndes Wort, ein Lächeln, liebe Nachrichten und immer wieder die Gewissheit ich wurde nicht vergessen!
Jetzt, da ich Schritt für Schritt zurück ins Leben finde, spüre ich manchmal eine vorsichtige Zurückhaltung. Die Welt draußen drehte sich weiter, während ich stehen geblieben war. Doch Stuttgart empfängt mich nicht fremd – sondern offen, warm und herzlich. Menschen, Begegnungen, Gespräche: Es fühlt sich an, als wäre ich nie weg gewesen.
Die Freude darüber kam nicht plötzlich, sondern wuchs langsam. Sie lag in den kleinen Dingen – im ersten Kaffee in der Sonne, in einem Spaziergang durch die Stuttgarter Weinberge, im Wiedersehen mit Menschen, die mich nicht vergessen haben.
Diese Rückkehr in unsere Stuttgarter Gesellschaft ist mehr als nur ein „Zurück zum Alltag“. Sie ist für mich ein Neubeginn. Ich habe gelernt, Begegnungen tiefer zu schätzen…. ehrlicher zu sein…. mit mir selbst und mit anderen. Und ich erlebe jeden Tag von neuem, wie viel Mitgefühl und Offenheit mir entgegengebracht werden, wenn ich über meine Geschichte spreche.
Heute empfinde ich eine unbeschreibliche Dankbarkeit. Ich bin dankbar für das Leben… für meine zweite Chance, die ich bekommen habe… und für eine Stadt und ihre Menschen, die mich nicht nur wiederaufgenommen, sondern auch in meinen schwersten Zeiten getragen haben.
Das ist ECHT STUTTGART…. DANKE!
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