Uwe Bogen
Wir sind Stuttgart
Junge Arbeiter und die Liebe zu Stuttgart: Ein Video mit dem OB, das viral gehen könnte
22. Juni 2026
Von der Blockparty ins Rathaus: Die Jungen Arbeiter zählen zu den spannendsten Musikprojekten der Region. Mit „Wir sind Stuttgart“ feiern sie ihre Heimat – und haben mit OB Frank Nopper ein Video gedreht, das viral gehen könnte. EchtStuttgart hat das Trio in seinem neuen Büro an der Tübinger Straße besucht.
Wer am 1. Mai rund um die Steinstraße unterwegs war, spricht noch heute davon. Die Blockparty der Rap-Gruppe Junge Arbeiter legte die Gegend zeitweise lahm. Eine kaum zählbare Menschenmenge wollte dabei sein, die Straße war brechend voll, ein Durchkommen kaum noch möglich. Die Stimmung: friedlich, ausgelassen und voller Energie. Für viele war es einer jener Momente, in denen man spürt, was für eine besondere Dynamik in Stuttgart steckt. Es war ein Tag, der in die Stadtgeschichte eingehen wird.
Spätestens seit diesem Tag ist klar: Mo, Marcel und Theo gehören zu den spannendsten Newcomern, die Stuttgart derzeit hervorbringt.
„Die Tübinger Straße ist der neue Hot Spot“
EchtStuttgart hat die drei in ihrem neuen Büro an der Tübinger Straße besucht. Denn Stuttgart-Fans müssen zusammenhalten. Die Rapper finden ein Projekt mit dem Namen EchtStuttgart stark. Gerade erst haben sie die Räume unweit der Boa angemietet und eingerichtet. Dass sie ausgerechnet hier gelandet sind, überrascht nicht.
„Die Tübinger Straße ist der neue Hotspot“, sagt Mo, der Marketing studiert hat. Die Theo-Heuss dagegen sei ein bisschen out. Die Tübinger Straße fühle sich nach Zukunft an.
Die Zukunft gehöre ganz klar Stuttgart, finden die Jungen Arbeiter. Sie sind alle Mitte 20. Nicht zufällig heißt ihr neuer Song „Wir sind Stuttgart“. Für das Lied durften sie sogar im Rathaus ein Video mit Oberbürgermeister Frank Nopper drehen. Der mit Ironie inszenierte und perfekt geschnittene Film hat durchaus das Zeug zum viralen Hit.
- HIER KLICKEN ZUM VIIDEO „DIE JUNGEN ARBEITER BEI OB FRANK NOPPER“:
Für Fotos gehen wir runter auf die Straße. Dort werden die Rapper immer wieder erkannt. Junge Leute bleiben stehen, grüßen „Hi Bruder“ oder rufen ihnen zu: „Wir sind Stuttgart!“
Der Satz ist längst mehr als nur ein Songtitel geworden.
Für „Wir sind Stuttgart“ haben die Jungen Arbeiter Ausschnitte aus einer Rede von OB Nopper eingebaut.
Genauer gesagt aus seinem Grußwort beim CDU-Bundesparteitag in Stuttgart.
„Stuttgart ist das deutsche San Francisco“
Auf der Landesmesse hatte Nopper mit lauter, energischer, stolzer Stimme gesagt:
„Stuttgart ist die Geburtsstadt der Besten. Der Innovativsten. Stuttgart ist das deutsche San Francisco.“
Ein Satz, der bundesweit für Spott in sozialen Netzwerken sorgte.
Die Jungen Arbeiter hörten etwas anderes heraus: Stolz auf die eigene Stadt. Also landeten die Zitate im Song.
„Er hat nicht übertrieben, sondern untertrieben“
Dass Noppers Stuttgart-Lob im Internet vielfach belächelt wurde, können die drei nicht nachvollziehen.
Ob der Oberbürgermeister vielleicht übertrieben habe?
Mo schütttelt den Kopf.
„Nein. Er hat untertrieben.“
Richtigerweise müsste es heißen, San Francisco ist das amerikanische Stuttgart, sagt er und muss selber lachen.
Der Rapper mit türkischen Wurzeln ist viel in Deutschland unterwegs. Gemeinsam mit Theo und Marcel spielt er Konzerte – etwa für Nike – und knüpft Kontakte in anderen Städten.
„Wir erzählen überall, wie toll Stuttgart ist“, sagt Theo.
Worauf sie besonders stolz in Stuttgart sind? Auf Deniz Undav!
„Außerhalb wird Stuttgart oft unterschätzt“, sagt Marcel. „Viele kennen unsere Stadt gar nicht richtig. Vielleicht liegt das auch daran, dass Stuttgarter auswärts zu selten erzählen, was Stuttgart eigentlich ausmacht.“ Dabei habe die Stadt viel zu bieten: Kreativität, Vielfalt, Erfindertum. wirtschaftliche Kraft und eine besondere Mentalität. „Wir machen überall Werbung für Stuttgart“, sagt Marcel. „Weil wir wirklich stolz auf unsere Stadt sind.“
Worauf sie besonders stolz sind?
Die Antwort kommt ohne Zögern:
Der VfB-Stürmer sei für viele Menschen außerhalb der Region inzwischen ein positives Gesicht Stuttgarts. Aber natürlich können sie noch viel mehr aufzählen, warum Stuttgart für die Hip-Hop-Kultur so wichtig sei. Die Stadt habe eine besondere Energie, Multi-Kulti mit einer Vielfalt, die bereichert, viel Kreativität und einen starken Zusammenhalt.
Mo hat türkische Wurzeln, Theo griechische, Marcel kurdisch-kasachische. Ihre Großeltern kamen einst als Gastarbeiter nach Süddeutschland. Sie sind die dritte Generation. Auf ihren Shirts steht: „HMDL“. HMDL ist die Chat-Abkürzung für Hamdulilah, der arabische Ausdruck bedeutet „Gott sei Dank“.
Die drei verstehen sich als ein Projekt des Miteinanders. In ihrer Musik geht es um die Lebensrealität der dritten Generation von Gastarbeiterfamilien, die immer viel gearbeitet haben zum Wohle der Wirtschaft – und um die Chancen, die Stuttgart ihnen eröffnet hat. Ihr Großeltern und Eltern waren eifrige Arbeiter. Sie sind jetzt die Jungen Arbeiter.
Wie ernst ihnen das Thema Zusammenhalt ist, zeigte sich auch bei ihrer Blockparty am 1. Mai. Eintritt wurde nicht verlangt. Ein Burgerladen verteilte kostenlose Burger. Alkohol? „Nicht von uns“, sagt Marcel.
Stuttgart als Heimatgefühl
Die Idee war einfach: einen Ort schaffen, an dem jeder willkommen ist.
„Wir kennen das selber von früher“, erzählen sie. „Man wollte irgendwo rein und wurde manchmal ausgeschlossen.“
Genau das soll bei ihren Veranstaltungen anders sein. Jeder soll dazugehören. Jeder soll mitfeiern können.
Vielleicht erklärt genau das den Erfolg der Jungen Arbeiter. Sie verbinden modernen Rap mit einer Botschaft, die viele Menschen verstehen: Herkunft spielt eine Rolle, aber wichtiger ist, was man gemeinsam daraus macht – und dass man zusammenhält.
Stuttgart hat große Namen des deutschen Hip-Hop hervorgebracht und erst kürzlich den 30. Geburtstag von 0711 gefeiert. Nun schreiben Mo, Marcel und Theo das nächste Kapitel.
Im Video, das am Dienstag online geht, sieht man, wie einer der Rapper Liegestütze im Dienstzimmer des Oberbürgermeisters macht. Dann betritt Frank Nopper den Raum und fragt leicht irritiert sein Vorzimmer:„Was ist das denn für ein Termin?“
Die Antwort kommt trocken:„Das sind die Jungen Arbeiter. Ich glaube, Sie haben einen Song mit denen gemacht.“
Ganz freiwillig hat er’s vielleicht nicht gemacht. Aber dann doch die Win-Win-Situation erkannt: Stuttgart-Fans müssen zusammenhalten! Und jetzt stürmen sie womöglich noch die Charts.
Wir sind Stuttgart. Und wir sind stolz.
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