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NewsletterDas Wichtigste aus Stuttgart, kostenlosInterview mit Akram Selo
Das Plakat zur Gen-Z-Demo in Stuttgart zeigt eine vermummte Person. Akram Selo, bundesweit Verantwortlicher von „Gen Z regelt“, distanziert sich im Interview mit EchtStuttgart davon: Niemand solle vermummt protestieren. Gewalt erteilt er eine klare Absage – und erklärt, was die junge Generation auf die Straße treibt.
Akram Selo ist 18 Jahre alt, Abiturient und lebt in Bayern. Auf der Website von „Gen Z regelt“ wird er als Verantwortlicher der Bewegung genannt. Mit EchtStuttgart sprach er am Telefon über die geplante Demonstration in Stuttgart, den Umgang mit Gewalt und die Forderungen der jungen Generation.
EchtStuttgart: Auf dem Plakat, mit dem zur Demonstration am 31. Oktober in Stuttgart aufgerufen wird, ist eine vermummte Person zu sehen. Was sagst du zur Vermummung bei den Protesten von „Gen Z regelt“?
Akram Selo: Das Plakat kommt von Stuttgart, nicht von unserem Team. Wir werden nicht vermummt protestieren, und ich raten jedem, das ebenfalls zu unterlassen. In Deutschland gibt es Gesetze, die eine Vermummung bei Demonstrationen verbieten. Uns ist wichtig, friedlich zu demonstrieren und uns nach besten Kräften dafür einzusetzen, dass sich alle Teilnehmer an die geltenden Gesetze halten. Genau das werden wir selbst auch tun.
EchtStuttgart: Die Demo findet an Halloween statt. Werden viele im Halloween-Kostüm kommen?
Akram Selo: Es gibt in den sozialen Medien Aufrufe gibt, im Halloween-Kostüm aufzutauchen. Uns ist es wichtig, dass alle das Vermummungsverbot beachten. Das Gesicht darf nicht so be- oder verdeckt sein, dass eine Identifizierung unmöglich oder erheblich erschwert wird. Die wesentlichen Gesichtsmerkmale müssen erkennbar sein. Dazu zählen die Augenpartie, die Nase, der Mund und die Kinnlinie sowie die Gesamtform des Gesichts.
EchtStuttgart: In Stuttgart befürchtet vor allem die CDU, dass die Krawalle aus Frankreich auf Deutschland übergreifen könnten und fordert Verbote. Was sagst du dazu?
Akram Selo: Wir distanzieren uns klipp und klar von jeglicher Gewalt und jedem Extremismus. Bei uns gilt null Toleranz für Krawall. Das schließt ausdrücklich auch Gewalt gegen Sachen und das Plündern von Geschäften ein. Wer randaliert oder Gewalt sucht, gehört nicht zu uns. Unser Protest ist friedlich, ohne Ausnahme. Gewalt gegen Menschen oder Sachen widerspricht allem, wofür wir stehen. Nur friedlich können wir gemeinsam etwas erreichen.
„Gen Z regelt“: Für Stuttgart gibt es bundesweit die meisten Anmeldungen im Netz
EchtStuttgart: Ihr seid also nicht von Islamisten oder Linksextremen unterwandert, wie es immer wieder behauptet wird?
Akram Selo: Nein, solche Gruppen gibt es in unseren Reihen nicht. Natürlich können wir nicht ausschließen, dass Menschen aus solchen Gruppierungen versuchen, sich unseren Protesten anzuschließen. Es wird dann auch Aufgabe der Polizei sein, gewaltbereite Personen von unseren Demonstrationen fernzuhalten. Für uns ist entscheidend, dass die Proteste friedlich bleiben und nicht von Extremisten für deren Zwecke missbraucht werden.
EchtStuttgart: Laut eurer Website haben sich bisher in Stuttgart die meisten Menschen für eine Demonstration angemeldet. Allerdings wird die Stuttgarter Proteste nicht direkt von eurem Kernteam organisiert. Wie passt das zusammen?
Akram Selo: Ja, in Stuttgart gehen die Anmeldungen auf 10.000 zu. Das ist enorm und zeigt, wie groß das Interesse an unseren Forderungen ist. Es stimmt, dass die Demonstration in Stuttgart von einer eigenständigen Initiative organisiert wird und nicht direkt von unserem Kernteam. Deshalb haben wir auch keinen Einfluss auf das Plakat. Aber wir stehen miteinander in Kontakt und kooperieren. Auch die Stuttgarter Initiative unterstützt unsere Forderungen und die Ziele der Bewegung.
EchtStuttgart: Wie ist die Bewegung „Gen Z regelt“ entstanden?
Akram Selo: Wir haben uns über das Internet kennengelernt. Dabei haben wir festgestellt, dass uns viele der gleichen Sorgen und politischen Vorstellungen verbinden. Wir sind junge Menschen, die nicht länger zusehen wollen, wie über unsere Zukunft entschieden wird, ohne dass wir gehört werden. Daraus ist die Idee entstanden, gemeinsam aktiv zu werden und unsere Forderungen öffentlich auf die Straße zu tragen.
EchtStuttgart: Was sind eure wichtigsten Forderungen?
Akram Selo: Wir fordern eine Politik, die in Bildung, soziale Sicherheit, Gesundheit, Klimaschutz und bezahlbares Leben investiert, statt bei der jungen Generation zu sparen.
Wir wollen mitbestimmen, wenn über unsere Zukunft entschieden wird. Es geht darum, dass junge Menschen ernst genommen werden und ihre Interessen in der Politik stärker berücksichtigt werden.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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