Thomas Diehl
Genuss-Kolumne
Heimweh rückwärts: Was man über Stuttgart erst von außen lernt
5. April 2026
Zwischen der Pho in Vietnam und Reben bei Rotenberg erkennt Thomas Diehl sein Privileg: das Familienweingut weiterzuführen. Für uns schreibt einer der eifrigsten Netzwerker der Stadt, was man über Stuttgart erst versteht, wenn man weg war.
Bin das wirklich ich?
Viele haben zwei, drei Jobs parallel
Oft saß ich da, mit meiner Pho (vietnamesische Nudelsuppe), schaute auf das Treiben und dachte an zu Hause. Für wen mache ich das gerade? Für mich? Für meinen Arbeitgeber? Für meine Karriere?
Dann traf mich ein Gedanke mit voller Wucht. Ich habe ein Privileg, das nicht jeder hat: Ein Familienunternehmen, das über Generationen aufgebaut wurde und eine Geschichte, die darauf wartet, weitergeschrieben zu werden. Mein Großvater und mein Vater, beide Winzer mit großer Liebe zum Handwerk. Ich dagegen in Vietnam, mit Krawatte am Schreibtisch.
In diesem Moment wusste ich: Ich komme nach Hause, nicht weil ich muss, sondern weil ich bereit bin, die Geschichte in die nächste Generation zu tragen. Also kündigte ich meinen sicheren Beraterjob, stieg ins Flugzeug und kam nach Hause. Nach Stuttgart. In meine Heimat.
Vieles versteht man erst, wenn man lange weg war
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