Uwe Bogen
Gastronomie
Land räumt erneute Verzögerung bei der Planie ein: Neustart weiter offen
12. Mai 2026
Bei der nach Stuttgart 21 wohl längsten Baustelle der Stadt geraten die Zeitpläne erneut außer Kontrolle. Laut Land sorgen Lieferschwierigkeiten für weitere Verzögerungen bei der Planie. Ein Starttermin wird momentan nicht genannt. Die Pächter bleiben gelassen. Es dauere länger, werde dafür aber richtig gut.
Die Geduld der Planie-Fans wird erneut auf die Probe gestellt: Die Wiedereröffnung des traditionsreichen Kaffehauses am Karlsplatz verzögert sich weiter. Eigentlich wollte das Land Baden-Württemberg als Eigentümer die Räume im Frühjahr an die neuen Pächter übergeben. Daraus wird nichts. Einen konkreten Termin für Übergabe oder Eröffnung gibt es weiterhin nicht, erklärt ein Sprecher des Finanzministeriums auf unsere Anfrage.
Das Projekt schien auf der Zielgeraden
Damit ist das Licht am Ende des Tunnels dieser unendlichen Geschichte noch immer nicht zu sehen. Bereits seit Herbst 2020 steht das einstige Traditionslokal im Alten Waisenhaus leer. Nach dem Aus des damaligen Betreibers begann eine aufwendige Sanierung des Gebäudes im Alten Waisenhaus – begleitet von immer neuen Verzögerungen und verschobenen Zeitplänen.
Dabei schien das Projekt zuletzt auf der Zielgeraden. Nach Jahren des Leerstands und umfangreicher Bauarbeiten hatten die künftigen Betreiber Robert Ruthenberg und Marius Tim Schlatter, bekannt von der Garbe in Plieningen im vergangenen November bereits voller Vorfreude ihre Pläne für die neue „Planie“ vorgestellt. Das frühere Grand Café Planie soll zu einem brummenden Treff für Genießer werden – mit Kaffeehauskultur, regionaler Küche, Weinfokus und langen Öffnungszeiten von morgens bis in die Nacht.
Doch wie schon mehrfach zuvor geraten die Zeitpläne erneut ins Rutschen. Das Finanzministerium nennt dafür auf unsere Anfrage mehrere Gründe für die Verzögerung. „Die Fertigstellung der landeseitigen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen im ehemaligen Grand Café Planie ist bis Ende des zweiten Quartals 2026 vorgesehen“, teilt ein Sprecher mit. Erst danach könne der pächterseitige Innenausbau beginnen.
Zuletzt war intern noch eine Fertigstellung im ersten Quartal 2026 angepeilt worden. Dieser Termin sei jedoch „aufgrund von Lieferschwierigkeiten bei den Heizungs-, Sanitär- und Lüftungsinstallationsarbeiten“ nicht zu halten gewesen. Immerhin: Durch „Optimierungen und Beschleunigungen bei den Folgegewerken“ habe Vermögen und Bau einen Teil der Verzögerungen auffangen können.
Noch immer ist der Pachtvertrag nicht unterschrieben
Komplex gestaltet sich offenbar auch der Abschluss des Pachtvertrags. „Die im Pachtvertrag zu regelnden Inhalte erweisen sich als überaus komplex“, heißt es aus dem Ministerium. In vielen Punkten seien bereits gemeinsame Lösungen mit den Pächtern gefunden worden. Ein Vertragsabschluss werde „in den nächsten Wochen“ erwartet. „Wir sind uns jetzt im Grundsatz einig“, erklärt Ruthenberg zu den Vertragsverhandlungen, „es war wirklich sehr komplex, denn es hat ja nichts mit einem Standard-Mietvertrag zu tun.“
Wann die Planie tatsächlich eröffnet, bleibt damit weiter offen. Das Ministerium verweist darauf, dass dies auch von der Dauer des Innenausbaus durch die Pächter abhänge. Da den Betreibern die Räume erst im Sommer übergeben werden, könnte es nach dem Einbau also Herbst werden, bis es losgeht. Ein goldener Herbst musste dann her, damit man nach sechsjähriger Pause dann endlich wieder die wunderschönen Außenplätze am Karlsplatz nutzen könnte.
Die Betreiber sind vom neuen Natursteinboden begeistert
Bei den künftigen Betreibern sorgt die erneute Verzögerung dennoch nicht für schlechte Stimmung. „Bisher dauert zwar alles etwas länger als gedacht, aber dafür wird es richtig gut“, sagt Robert Ruthenberg. Besonders begeistert zeigt er sich vom neuen Natursteinboden. Dieser sei „ein absoluter Traum“ und passe perfekt zum historischen Gebäude sowie zum geplanten Gastronomiekonzept.
Schon im vergangenen Jahr hatten Ruthenberg und Schlatter betont, dass sich das lange Warten am Ende auszahlen werde. Die beiden Gastronomen, die bereits die Garbe in Plieningen sowie das Stadthotel Waldhorn mit dem Restaurant Holz & Feuer in Kirchheim unter Teck betreiben, wollen die Planie bewusst nicht als klassisches Großstadtlokal führen. Stattdessen setzen sie auf Qualität, Nachhaltigkeit und Regionalität.
Das Konzept sieht eine Mischung aus Kaffeehaus, Weinbar und Restaurant vor. Statt einer überladenen Speisekarte soll es lieber wenige Gerichte auf hohem Niveau geben. Geplant sind schwäbische Klassiker ebenso wie vegetarische und vegane Angebote, dazu Kuchen, Torten und Eisspezialitäten. Besonderes Augenmerk liegt auf regionalen Weinen. Unterstützt werden die Pächter dabei unter anderem vom bekannten Sommelier und Koch Gerhard Retter.
Die Erwartungen an die neue Planie sind hoch. Kaum ein Gastronomieprojekt in Stuttgart wurde in den vergangenen Jahren so aufmerksam verfolgt wie die Wiederbelebung des traditionsreichen Hauses am Karlsplatz. Auch wenn dem Land durch die Verzögerungen nun erneut Mieteinnahmen entgehen, scheint dort die Devise zu sein: Lieber richtig gut, als schnell und mittelmäßig.
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