Patrick Mikolaj
Stuttgarts schönste Orte
Auf zur Hocketse! Der Schimmelhüttenweg – wo die Großstadt Pause macht
23. Juni 2026
Mitten in Stuttgart führt ein historischer Weg durch Weinberge, Trockenmauern und eine Landschaft, die eher an bekannte Weinregionen als an eine Großstadt erinnert. Der Schimmelhüttenweg zeigt eine überraschend andere Seite der Stadt – und wird am Sonntag zur Bühne der traditionellen Hocketse.
Zwischen den Höhen von Degerloch und dem Marienhospital im Tal verläuft ein fast verborgenes Stück Stuttgart. Der Schimmelhüttenweg führt durch historische Weinberge, vorbei an Trockenmauern, Treppen und kleinen Gärten – eine Kulturlandschaft, die auswärtige Gäste in einer Großstadt kaum erwarten.
Der steile, meist gepflasterte Weg schlängelt sich durch Weinberge, alte Trockenmauern und kleine Gärten den Hang hinab. Auf der einen Seite der bewaldete Abhang, auf der anderen elegante Stadtvillen – dazwischen ein schmaler Streifen Geschichte, Natur und Stille. Genau hier zeigt sich ein Stuttgart, das viele im Alltag kaum wahrnehmen.
Weinberge, Mauern und ein Hauch von Geschichte
Der Schimmelhüttenweg ist nicht nur eine schöne Spazierroute, sondern auch ein historischer Ort. Urkundlich ist Weinbau hier seit 1356 belegt, und vermutlich diente der Weg früher als wichtiger Handelsweg – ähnlich der nahen Weinsteige. Der Name geht wahrscheinlich auf einen „Schimmel“, also ein weißes Pferd, zurück. Andere Erzählungen berichten von einer einst hier stehenden „Schimmelhütte“ und der Legende eines Gespensterschimmels.
Besonders prägend sind die historischen Trockenmauern, die den Weg begleiten. Sie geben dem Hang nicht nur Struktur, sondern erzählen von Jahrhunderten mühsamer Weinbergsarbeit. Das Gebiet steht heute unter Landschaftsschutz, die Weinberge mit ihren Mauern, Treppen und Wegen sind als kulturhistorisches Ensemble geschützt.
Die Weinberge am Degerlocher Scharrenberg gehören mit rund 3,5 Hektar zudem zu den kleinsten eingetragenen Reblagen Württembergs. Gerade diese Kleinräumigkeit verleiht dem Gebiet seinen besonderen Charme.
Die Hocketse beginnt am Sonntag um 11 Uhr
Wer hier unterwegs ist, erlebt den Hang in seiner ganzen Vielfalt: Reben, kleine Wege, Treppen und immer wieder Ausblicke in den Stuttgarter Talkessel. Kein Wunder, dass sich am Wegesrand oft Menschen niederlassen – auf Steinmauern oder Treppenstufen, um zu verweilen, zu vespern oder einfach den Moment zu genießen.
Ein besonderer Höhepunkt ist die jährliche Hocketse an der Schimmelhütte. Seit 1985 lädt die Vereinigung der Weingärtner und Freunde des Schimmelhüttenwegs Degerloch e. V. am letzten Sonntag im Juni zum geselligen Beisammensein ein.
Die Hocketse findet in diesem Jahr am 28. Juni ab 11 Uhr statt. Bereits um 10.30 Uhr beginnt ein Gottesdienst im Grünen. Dazu gibt es Weine vom Degerlocher Scharrenberg, schwäbische Spezialitäten und den besonderen Blick über die Terrassen der Steillagen.
Die Veranstaltung ist weit mehr als ein Fest. Die Wengerter leisten mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Stuttgarter Steillagen und der einzigartigen Kulturlandschaft am Schimmelhüttenweg. Durch die Bewirtschaftung der Weinberge bleiben nicht nur Reben und Trockenmauern erhalten, sondern auch wertvolle Lebensräume für Pflanzen und Tiere.
Dazu gehört auch ein aktuelles Projekt der Wengerter: die Revitalisierung des historischen Weinwanderwegs. Er soll als verbindendes Element zwischen der Stuttgarter Innenstadt, dem Marienplatz, dem Schimmelhüttenweg, dem Degerlocher Scharrenberg und Degerloch wieder stärker ins Bewusstsein rücken. Besonders bemerkenswert: Es handelt sich um den einzigen Weinwanderweg in Stuttgart, der direkt aus der Stadt heraus in und durch die Weinberge führt. Damit wird ein Stück Stuttgarter Weinbaugeschichte erlebbar, das vielerorts längst verloren gegangen ist.
Die Hocketse selbst steht genau für diesen Gedanken: Tradition bewahren, Gemeinschaft pflegen und die besondere Verbindung von Stadt, Weinbau und Natur erlebbar machen. Wer Stuttgart von einer seiner schönsten Seiten kennenlernen möchte, findet hier den perfekten Anlass.
Ein Stück echtes Stuttgart
Der Schimmelhüttenweg steht für das stille, grüne und geschichtsträchtige Stuttgart, das sich zwischen den Hängen des Kessels versteckt.
Wer ihn einmal gegangen ist, versteht schnell: Hier sieht Stuttgart nicht nach Großstadt aus. Hier fühlt es sich an wie ein kleines Stück Landschaft mitten in der Stadt. Mit historischen Trockenmauern, jahrhundertealtem Weinbau, engagierten Wengertern und einem Blick über den Kessel, der selbst viele Einheimische immer wieder überrascht.
AKTUELLES

Die Lifestylerinnen – wo starke Frauen starke Verbindungen schaffen
Wo Frauen sich vernetzen, entstehen neue Chancen: Die Lifestylerinnen zählen zu den dynamischsten Frauennetzwerken in Stuttgart und Umgebung. Ein gesellschaftliches Highlight setzt das Pink & White Dinner am 30. Juni im Amici Stuttgart.

Platz 1 bei Patenten: Die Erfolgsgeschichte, über die Stuttgart zu selten spricht
Unterschätzt und oft übersehen: Stuttgart ist Deutschlands Patent-Hauptstadt und ein führender Forschungsstandort. Das Wissenschaftsfestival zeigt von diesem Freitag bis zum 5. Juli, wie viel Innovation in der Region steckt.

Was bei Hitze hilft: Stuttgarts Badegeschichten von früher
Bei der Rekordhitze sehnen sich viele nach dem Sprung ins kalte Nass. Das Stuttgart-Album erinnert an Abkühlungsorte von früher – vom Naturfreibad im Schmellbachtal bis zu den Mineralbädern in Cannstatt. Dazu gibt es Geschichten von Freibadpommes, Mutproben und legendären Sommern.

Auf zur Hocketse! Der Schimmelhüttenweg – wo die Großstadt Pause macht
Mitten in Stuttgart führt ein historischer Weg durch Weinberge, Trockenmauern und eine Landschaft, die eher an bekannte Weinregionen als an eine Großstadt erinnert. Der Schimmelhüttenweg zeigt eine überraschend andere Seite der Stadt – und wird am Sonntag zur Bühne der traditionellen Hocketse.