Uwe Bogen
Foto des Tübinger OB und die Folgen
Stuttgart-Post von Boris Palmer zur „Kotspur“ heizt Nilgans-Streit weiter an
30. April 2026
Nach dem Abschied von Winfried Kretschmann fotografiert Boris Palmer eine Kotspur am Eckensee. Sein Social-Media-Post aus Stuttgart löst eine hitzige Debatte aus. Wir haben den Tübinger OB gefragt: Ist es nicht besser, die Vermehrung von Nilgänsen zu verhindern statt sie zu töten? Was Peta dazu sagt.
Ein Besuch in Stuttgart, ein bewegender Abschied – und dann Ärger über Gänsekot. Boris Palmer war zur Verabschiedung von Winfried Kretschmann nach Stuttgart gereist. Im Neuen Schloss berührten ihn die Worte des scheidenden Ministerpräsidenten zum Ende seiner Amtszeit nach 15 Jahren sehr. Eine „Liebeserklärung an unsere Heimat und unsere freiheitliche Demokratie“ sei die Rede gewesen, lobt Palmer.
Doch der Blick richtet sich schnell auf ein ganz anderes Bild.
Nur wenige Schritte weiter, am Eckensee, dokumentiert der Tübinger OB eine „Kotspur“ von Nilgänsen. Das Foto habe er selbst mit dem Handy aufgenommen, bestätigt er auf unsere Anfrage.
Die von auswärts eingereisten Nilgänse sind nicht sehr beliebt in der Stadt: Die invasive Art breitet sich stark aus und sorgt für Konflikte in der Mensch- und Tierwelt.
Einig mit dem Stuttgarter OB Nopper
In der Bewertung des Problems sieht sich Palmer von seinem Stuttgarter Kollegen Frank Nopper bestätigt. Der CDU-Politiker hatte sich für den Abschuss der Tiere ausgesprochen.
Palmer unterstützt diesen Kurs deutlich: „Diese Viecher sind nicht nur für Stockenten eine Plage, sondern auch für Menschen und Parks.“ Auch gegenüber unserer Redaktion bekräftigt er: „Die Jagd auf diese Art ist gesetzlich frei und notwendig.“
Auf unsere Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, die Vermehrung der Tiere zu verhindern statt sie zu töten, antwortet Boris Palmer: Man jage schließlich auch Rehe, statt deren Fortpflanzung zu steuern – warum also nicht bei Nilgänsen.
Reaktionen aus dem Netz
Palmers Post sorgt auch diesmal für reichlich Diskussionen in sozialen Netzwerken. Unter seinen Facebook-Beiträgen reichen die Reaktionen von Zustimmung bis deutlicher Kritik.
Ein Nutzer schreibt zustimmend: „Endlich spricht es mal jemand klar aus – der Eckensee ist kein Gänseklo.“ Andere sehen die Forderung nach Abschüssen kritisch und kommentieren: „Vielleicht sollte man erst humane Lösungen versuchen, bevor man schießt.“ Ironischer Appell im Netz: „Boris, mach den Jagdschein!“
Kritik von Tierschützern
Die Tierrechtsorganisation Peta Deutschland widerspricht der Forderung nach Abschüssen mit Nachdruck. Fachreferent Peter Höffken erklärt gegenüber Echt Stuttgart, man habe Palmer bereits angeschrieben und bereite ein weiteres Schreiben an die Stadt Stuttgart vor.
Seine Argumente: Gänsekot allein sei kein ausreichender Grund für Tötungen im Sinne des Tierschutzgesetzes. Zunächst müssten milde Maßnahmen genutzt werden. Sonst drohe eine dauerhafte „Tötungsspirale“
Als Alternativen nennt Peta:
- Gestaltung von Flächen, die für Gänse unattraktiv sind
- Gelegebehandlung zur Verhinderung von Nachwuchs
- technische Reinigungslösungen, wie sie etwa in Heidelberg eingesetzt werden
Auch das Gesundheitsrisiko durch Gänsekot werde von Behörden eher als gering eingeschätzt. Nach Meinung der Tierschützer sei die Kontrolle der Fortpflanzung ein zentrale Ansatz, um eine Lösung des Problems zu finden. Eier sollten entnommen und unfruchtbar gemacht werden, beispielsweise durch Anstechen oder Ölbehandlung.
Man könne auch an an Brutplattformen oder Ersatznester denken, um Gelege kontrolliert zu konzentrieren. Das Ziel sei also nicht die sofortige Bestandsvernichtung, sondern eine schrittweise Reduktion des Nachwuchses.
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