Phil Hagebölling

Wasenparty mit Bonita Grupp

Wenn das Frühlingsfest bebt: Nächte zwischen Bass, Bier und Begegnungen

26. April 2026

Der Kessel brodelt, und das nicht nur wegen der Temperaturen. Zwischen DFB-Pokal-Euphorie, Bundesliga-Fieber und dem Dröhnen der Festzelte hat das Stuttgarter Frühlingsfest seine erste Belastungsprobe bestanden. Ein Wochenende, an dem sich High Society und Kurven-Kult auf Augenhöhe begegnen – während über allem ein Affe im Luftschiff wacht.

Trigema Cheffin Bonita Grupp, Model & Moderatorin Anni Hoyer und MdB Christina Stumpp mit weiteren Gästen im Wasenwirt

Es ist diese spezifische Cannstatter Mischung, die man nirgendwo sonst findet: Draußen auf dem Platz buhlen die Schausteller bei Kaiserwetter um Familien und Spontane, während drinnen in den Zelten die Dezibel-Zahlen in Regionen klettern, bei denen mancher Ohrenschützer dem Dirndl vorziehen würde. Wer den Wasen als beschauliches Riesenrad-Idyll abspeichert, hat die Metamorphose zur Party-Kathedrale schlicht verschlafen.

Das Frühlingsfest als Epizentrum der Ekstase

Auch beim Wasenwirt zeigt sich: Die Intensität der Frühlingsnächte steht dem herbstlichen Volksfest-Pendant in nichts mehr nach. Hier wird nicht einfach nur geschunkelt, hier wird zelebriert. Die begehrteste Währung der Nacht? Ein Platz auf den Emporen und VIP Bereichen der Festzelte. Wer dort steht, blickt nicht nur auf ein wogendes Meer aus weiß-roten Trikots – die Nachwehen der zeitgleichen VfB-Heimspiele im Pokal und der Liga –, sondern befindet sich im Maschinenraum des lokalen Netzwerkens.

Dass die Party oft schon vor dem Zelt beginnt, verraten die gläsernen Relikte des „Vorglühens“ an den Eingängen. Doch oben, auf der Bel Etage des Bierzeltes, wird der Wein aus Gläsern getrunken, die nicht selten in der Hand prominenter Gäste kreisen.

Luftschiff-Charly kreist über den Kessel. Foto: Trigema

Trigema-Glamour über den Bierbänken

Am Freitagabend kündigte er sich bereits am Stuttgarter Abendhimmel an: „Charly“, das legendäre Trigema-Luftschiff, zog seine Bahnen. Ein silbernes Vorzeichen für den Samstags-Besuch der neuen starken Frau aus Burladingen. Bonita Grupp, Geschäftsführerin des Textil-Giganten, nutzte den Abend für eine seltene Auszeit. Erst im Februar Mutter geworden, genoss sie den Abend sichtlich gelöst: „Das Baby ist bestens versorgt“, versicherte sie in der Runde.

 

Wasen-Selfies, v.l.n.r.: MdB Christina Stumpp, Model & Moderatorin Anni Hoyer & Trigema Cheffin Bonita Grupp

Es ist ein illustres Treffen, das da auf der Empore zusammenkommt und den Beweis antritt, dass das Frühlingsfest weit mehr ist als eine stumpfe Bass-Beschallung. Zwischen Model Anni Hoyer, die sonst für Boss vor der Kamera steht, und der CDU-Vize-Generalsekretärin Christina Stumpp verschmelzen Business-Talk und Lebensfreude. Dass kurz zuvor noch die „Stuttgarter Bären“ der queeren Community bei der „Empore Amore“ das Zelt zum Kochen brachten, unterstreicht die neue Offenheit des Wasens: Hier trifft Tradition auf Zeitgeist, und das vollkommen reibungsfrei.

Zwischen Fachkräftemangel, Personalveränderungen und Feierabend

Besonders deutlich wurde das beim Besuch von Bonita Grupp. Die Trigema-Chefin steuert mit ihrem Bruder das Unternehmen durch unruhige Fahrwasser – und sie macht daraus keinen Hehl. Jüngst veröffentlichte Grupp Zahlen, die in der Region aufhorchen ließen: Knapp 30 % der treuesten Belegschaft wandern demnächst in den Ruhestand ab. Ein personeller Aderlass, der beispielhaft für den Mittelstand im Ländle steht. Zeitgleich bauen viele Firmen stellen ab, krächzen jedoch unter Fachkräftemangel.

Zusammengenommen mit den explodierenden Kosten, politischer Unklarheit in Berlin und der allgemeinen wirtschaftlichen Flaute, lastet ein enormer Druck auf den Schultern der Entscheider. Steuerfreie Prämien seitens der Arbeitgeber werden aktuell nur skeptisch hingenommen. In diesem Kontext wird der Wasen-Besuch zum Ventil. Zeitlgleich kämpfen Arbeitnehmer mit steigenden Preisen in allen Bereichen und überlegen zweimal, ob eine mögliche Prämie auf dem Wasen investiert wird.

Generationen-Gipfel im Wasenrausch: Wo die Lodge-Jugend auf die Wasen-Routine trifft

Während oben auf der Empore die wirtschaftlichen Weichen diskutiert werden, beweist ein Blick über das Geländer: Der Wasen kennt keine Generationenfrage. Ein absoluter Geheimtipp hat sich dabei die Almhütte Royal gesichert. Als kleinstes „Zelt“ auf dem Platz ist sie eigentlich die „schönste Hütte“: Komplett aus Holz gefertigt und mit einer erfahrenen Liebe zum Detail gestaltet, die sich von klassischen „Festzelten“ unterscheidet. Hier wird mit der Royal 1850 Lodge quasi ein exklusiver Club im Zelt betrieben, der als Magnet für das junge Stuttgart fungiert. Während die Mittelschiffe der Festzeltbetreiber unter der schieren Wucht der Massen beben, erreicht die Stimmung beim Wasenwirt fast schon surreale Züge. Wenn DJ Robin die Regler nach oben schiebt, gibt es kein Halten mehr. Ein Party-Exzess, dem man auch „Beim Benz“ in nichts nachsteht: Erst kürzlich hat der neue Betreiber das schwere Erbe von Grandl übernommen und arbeitet sich nun mit sichtbarer Leidenschaft und vollem Haus Richtung Kultstatus vor. Es ist genau diese Melange aus frischem Mut, unternehmerischem Risiko und erfahrener Festzelt-Routine, die den Wasen 2026 zum unschlagbaren Epizentrum der Region macht.

Die Ruhe vor dem nächsten Schub

Trotz der Euphorie bleibt man unter den Festzeltwirten und Schaustellen schwäbisch-nüchtern (zumindest was die Prognosen angeht). Man ist zufrieden, sieht aber noch Luft nach oben. Der Blick geht auf den Kalender: Wenn in der kommenden Woche die Gehälter auf den Konten landen, wird der nächste Ansturm erwartet. Der Wasen 2026 ist kein reiner Rummel mehr. Er ist ein Seismograph für die Stimmung der Region. Wenn der VfB gewinnt, Bonita Grupp auf dem Wasen netzwerkt und das Wetter hält, dann ist Stuttgart genau dort, wo es sich am wohlsten fühlt: Oben auf der Empore, mit dem Blick auf das große Ganze und einem frisch gezapften Kaltgetränk in der Hand.

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