Uwe Bogen
Hollywood-Star in Stuttgart
Roland Emmerich in der alten Heimat: Zärtliche Worte für seinen Mann, harte für Trump
8. Mai 2026
Weltberühmt ist Roland Emmerich für opulente Blockbuster, doch ein „Master of Disaster“ will er nicht sein: Im Schauspielhaus berührt der Hollywood-Star als feinsinniger Mensch, der offen über seine Liebe zu seinem Mann Omar, seine lange verschwiegene Homosexualität und seine Zukunftspläne mit KI spricht. Klar attackiert er den US-Präsidenten: „Der muss weg.“
Im Schauspielhaus funkeln die Lichter von der Decke wie ein Sternenhimmel über einer fernen Galaxie. Eine passende Kulisse für einen Abend mit Roland Emmerich – jenem Mann, der Hollywood immer wieder spektakulär untergehen ließ. „Der Meister der Apokalypse“, wie er in der Einladung genannt wird, ist zum SWR-Gespräch mit Michael Steinbrecher zu Gast, in Kooperation mit SWR Kultur. Doch wer an diesem Abend den lauten „Master of Disaster“ erwartet, wie man ihn genannt hat, was ihm aber gar nicht gefällt, erlebt einen ganz anderen Emmerich: feinsinnig, nachdenklich, belesen – und erstaunlich leise.
Da sitzt kein egomanischer Hollywood-Titan
In seinen Filmen hat Emmerich immer alles groß gesehen: explodierende Städte, einstürzende Welten, das drohende Ende der Menschheit auf gigantischer Leinwand. Im Gespräch dagegen wirkt er fast bescheiden, beinahe so, als wolle er sich kleiner machen, als er tatsächlich ist. Da sitzt kein egomanischer Hollywood-Titan auf der Bühne, sondern ein Mann mit Käppi, der seine Sätze sorgsam setzt, oft kurz antwortet und den Eindruck vermittelt, dass ihm jede Form von Selbstinszenierung eher unangenehm ist.
Dieser Mann spricht lieber über Inhalte als über Etiketten., darüber, wie schön das Leben vor allem mit seinem jungen Mann ist. Seine Antworten kommen oft knapp, manchmal fast spröde, und doch steckt in vielen Sätzen mehr, als andere in langen Monologen sagen.
Klare Worte findet Emmerich für die politische Lage in den USA. Den amerikanischen Präsidenten nennt er dabei nicht beim Namen. „Ich liebe Amerika, warte nur, dass er weg ist, denn er verdirbt die Stimmung“, sagt er. Gemeint ist natürlich Donald Trump. Besonders die Kunst leide darunter. Politische Filme zu machen, sei schwierig geworden, sagt der Regisseur. Die Studios hätten Angst vor Sanktionen und davor, sich politisch angreifbar zu machen.
Der Arzt, dem er sein Leben verdankt, sitzt im Gefängnis
Rente mit 70? Aber nein! Der Mann, der so alt ist wie der Bundeskanzler, rät zum Wohle des Jungbleibens, „solange zu arbeiten wie man kann“. Dass er heute überhaupt noch hier sitzt, grenzt an ein Wunder, wird an diesem Abend klar. Roland Emmerich hat einen Hirntumor, Nierenkrebs und Leukämie überlebt. Möglich gewesen sei das nur durch einen besonderen Arzt. Ob er diesen heute noch treffe, fragt Steinbrecher. Die Antwort sorgt im Saal für einen Moment gespannter Stille: „Er ist im Gefängnis wegen Mordes.“ Ihm aber verdanke er sein Leben.
Weil es ihm nun wieder gut geht, glaubt Emmerich, noch zehn bis fünfzehn Jahre Filme machen zu können. Gerade arbeite er an drei oder vier Projekten, die Scripts lägen vor. Auch künstliche Intelligenz spiele dabei eine Rolle. KI könne Produktionen günstiger und schneller machen, sagt er. Dennoch sei für ihn klar: Ohne menschliche Schauspieler gehe es nicht. Gute Schauspieler seien das Wichtigste überhaupt und niemals ersetzbar. KI könne Kostüme entwerfen oder Szenen verschönern – aber keine echte menschliche Präsenz erzeugen.
Der Spott übers schwäbische „Spielbergle“ tat ihm weh
„Bin schon mein eigener Typ“, sagt Emmerich über sich selbst. Für ihn gebe es eine Zeit vor und nach Independence Day. Der Blockbuster machte ihn 1996 weltberühmt. Doch die frühen Jahre waren hart. Gerade in Deutschland hätten ihn schlechte Kritiken tief getroffen. Dass man ihn spöttisch als „schwäbisches Spielbergle“ bezeichnet habe, habe wehgetan.
34 Jahre lebte Emmerich in Deutschland, inzwischen lebt er seit 36 Jahren in Amerika. Die deutsche Sprache kommt ihm nicht mehr ganz leicht über die Lippen. Immer wieder wechselt er ins Englische, weil ihm dort die Worte schneller einfallen. Manche Antworten bleiben kurz: Ja. Nein. Mitunter wirkt das Gespräch wie eine Therapiesitzung. Steinbrecher, der Therapeut, versucht, biografische Linien zu ziehen, prägende Erlebnisse aus der Jugend freizulegen und Schlüsse daraus zu ziehen. Doch Emmerich verweigert sich dieser Deutung manchmal bewusst. Die Zuschauer können’s verstehen.
Als Michael Steinbrecher wissen will, ob die eigenen Wurzeln mit zunehmendem Alter wichtiger würden, antwortet sein Gegenüber schlicht: Nein. Zuhause fühlt er sich heute eher zwischen Los Angeles und London, seinen beiden Lebensmittelpunkten. Deutschland sei ihm in vielem fremd geworden, weil er zu lange weg gewesen sei.
Was das Wichtigste in seinem Leben ist? Sein Mann!
Und doch öffnet sich der Regisseur immer wieder überraschend persönlich. Etwa dann, wenn es um seinen Mann Omar geht. Seit 16 Jahren sind beide ein Paar, seit 2017 verheiratet. Omar ist 35 Jahre jünger als Emmerich. Auf die Frage, was das Wichtigste in seinem Leben sei, antwortet der Regisseur ohne Zögern: „Mein Mann.“ Doch Omar sei noch nicht überzeugt, dass dies auch stimme. Der Ältere ist dabei, alles zu tun, dass der Jüngere daran glaubt.
Omar habe inzwischen selbst seinen ersten Film gedreht – eine Gay-Geschichte. Emmerich erzählt offen, dass er seine Homosexualität früher lieber verborgen hielt oder zumindest nicht öffentlich thematisierte. In Deutschland habe er nicht „zu einem Rosa von Praunheim“ werden wollen. Schwulsein habe für viele nicht zu den großen Action- und Katastrophenfilmen gepasst, die er drehte. Erst in Amerika habe er gelernt, entspannter damit umzugehen. Heute ist er froh über diese Offenheit.
Mal ist er verschlossen, mal überraschend offen
Fast beiläufig erwähnt Emmerich an diesem Abend noch einige Details aus seinem glücklichen, offenbar erstaunlich zurückgezogenen Leben: ein fast hundert Jahre altes Schiff, mit dem er über das Mittelmeer fährt. Und dann wäre da noch seine Villa in Los Angeles auf einem Hügel – allerdings so zugewachsen, dass man gar nicht über die Stadt blicken könne..
Das Publikum im Schauspielhaus – darunter Emmerichs Schwester und alte Freunde von früher, aber auch SWR-Intendant Kai Gniffke, Comedian Dodokay und Cranko-Regisseur Joachim Lang – ist begeistert, reagiert mit stürmischen Beifall, am Ende gibt es Standing Ovations. Roland Emmerich fasziniert an diesem Abend gerade deshalb, weil er kein Mann der großen Gesten ist. Er sprudelt selten vor Anekdoten, sucht nicht den schnellen Effekt. Er bleibt ruhig, manchmal verschlossen, dann wieder überraschend offen – und antwortet oft mit wenigen Worten, die lange nachhallen. Die Sterne am Theaterhimmel jedenfalls haben allen Grund, noch etwas heller zu leuchten.
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