Uwe Bogen
Kolumne Stadtleben
Zwischen Wasen und Weltkino: Stuttgart feiert schon jetzt den Pokal – und Roland Emmerich
7. Mai 2026
Pink-Melonen und ein Dauergrinsen: Die Partyspielagenten feiern die schrägste Wasenparty – voll im Finalfieber. Gut, ihr DFB-Pokal ist nicht ganz echt. Aber ein echter Hollywoodstar is in town: Roland Emmerich. Wie das Stadtleben brummt.
In der letzten Woche des Stuttgarter Frühlingsfestes spielt nicht nur das Wetter verrückt. Auch zwei Herren mit Melone auf der Birne sind Experten darin. Wasengaudi, so nennt sich ihr irres Event auf der Empore der Almhütte Royal von Nina Renoldi. Während Regen und Wolken nach überragenden Sonnentagen den Andrang bei der „kleinen Schwester des Volksfestes“ nun etwas zügeln, ist das doppelte, immer synchron und edel gekleidete Party- Lottchen umso zügelloser.
Im „Auftrag der ewigen Jugend und Glückseligkeit“. so steht es auf der Homepage der Partyspielagenten, kurz PSA, sind die Sonnenbrillenträger unterwegs und veranstalten nicht immer jugendfreie Kindergeburtstagsspiele. Die beiden sind so cool, dass sie – ist schon irgendwie klar – bestimmt auch beim Sex die Sonnenbrille nicht absetzen. Der PSA-Wert ist am Donnerstagabend sportlich hoch.
Ist der 23. Mai schon vorbei? Der Pokal macht die Runde
Denn bei der Wasengaudi geht es diesmal vor allem um Fußball, was bei VfB-Fans natürlich noch viel wichtiger ist als Sex mit Sonnenbrille. Das Pokalfieber steigt! Wer sich bei der Party in der Almhütte Royal umhört, stößt auf einen klaren Verdacht: Berlin, Berlin, wir fahr’n nach Berlin und ziehen den Bayern die Lederhosen aus.
Als wären die Stuttgarter selbst in Wahrheit wackere Bayern, tragen an diesem Abend alle Männer Lederhosen. Und gefeiert wird so enthusiastisch und laut , als sei der 23. Mai 2026 schon vorbei. Und tatsächlich – der Pokal kreist! Jeder will ihn anfassen, hochheben und sich mit ihm fotografieren lassen.
Ein Freund des Degerlocher Bauunternehmens Florian Gauder (so heißt einer der beiden Melonen-Männer, die später auf der Bühne ihren Ballermann-Song „Supermann“ performen), ist Spielberater. Dank seiner Beziehungen gelangt das goldfarbene Ding auf den Wasen. Die Siegestrophäe ist ganz schön schwer, als sei sie die Echte. Und plötzlich stehen alle Schlange. Stuttgarts Party-People und Szene-Nasen sind reichlich vertreten – vom Model und Moderator Mustafa Göktas bis zu Anita Rösslein, der Präsidentin des Festkomitees Stuttgarter Karneval, von Oli Hornung, dem „Selfie-König“ (man sieht ihn nur mit hoch gestrecktem Handy) bis zu Estelle Krell, der Chefin der Lotus Media GmbH, die für die Vermietung der digitalen Werbung auf der Riesen-LED-Wand des Hochbunkers am Pragsattel verantwortlich ist.
Weiß einer noch, dass man sich früher außerhalb von Stuttgart erzählt hat, die Stadt sei Provinz und stinkelangweilig? Heute sind Teile von Stuttgart ziemlich abgedreht. Graue Mäuse mag es im Kessel vielleicht irgendwo noch geben, aber inzwischen mindestens so viele bunte Vögel.
Natürlich ist auch EchtStuttgart dabei, stets auf der Suche nach dem Echten in der Stadt. Für unsere Stadtleben-Kolumne treffen wir am Donnerstag gleich auf zwei Realitäten: auf einen falschen Pokal, der sich echter anfühlt als gedacht. Und auf einen echten Weltstar, der ganz selbstverständlich durch die Stadt spaziert.
Womit wir bei Roland Emmerich sind. Der Blockbuster-Regisseur is in town. Wer hat ihn schon gesehen? Viele sind’s! Das Service-Personal der Alten Kanzlei hat ihn am Donnerstag erkannt, als der gebürtige Stuttgarter zum Mittagessen kam. Ehrensache, ein Gruppenbild war drin! Die Mitarbeiter haben sofort ihren Chef Dennis Shipley informiert – der Dehoga-Kreisvorsitzende weilt allerdings gerade im Italien-Urlaub, konnte also nicht auf die Schnelle vorbeikommen.
Der „Meister der Apokalypse“, gerade 70 geworden, war im Metropol-Kino dabei, als sein Blockbuster „Independence Day“ im Original lief – im Rahmen der 30. Ausgabe der FMX – Film & Media Exchange. Auf der Bühne spricht er mit seinem langjährigen Weggefährten und Oscar-Preisträger Volker Engel über zerstörte Skylines und alte Filmtricks.
Emmerich am Freitag im Schauspiel Stuttgart
Am Freitagabend spricht Emmerich im Schauspiel Stuttgart mit Nachtcafé-Moderator Michael Steinbrecher über sein Leben zwischen Schwabenland und Hollywood – bei einem Talk, zu dem auch der SWR einlädt. Und irgendwo zwischen KI-Plänen, Katastrophenfilmen und Erinnerungen wird klar:
Auch das ist Stuttgart — ein Ort, an dem Weltstars ganz normal durch die Innenstadt laufen und an dem die Pokal schon vor dem Finale kreist.
AKTUELLES
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Warum steht das L bei LGBTQ+ vorne? Weil Lesben in der Aids-Krise halfen, als andere wegschauten. Daran erinnert der Chor Musica Lesbiana. Beim 40-Jahr-Jubiläum der Aids-Beratung der eva mit Lilo Wanders geht es um Menschen, die Mut bewiesen, und darum, auch heute Hass, Ausgrenzung und Stigma die Stirn zu bieten.
Der Stuttgarter Schocker: Das Grauen geht um im Kessel
Zombies auf dem Schlossplatz, Monster im Feinstaubnebel und eine Horrorfahrt in der S-Bahn: „Der Stuttgarter Schocker“ verwandelt bekannte Orte der Landeshauptstadt in Kulissen des Grauens. Pünktlich zu Halloween erscheint mit „Mord am Feuersee“ die bislang ambitionierteste Geschichte der Comicreihe – und das gleich in zwei Heften. Zeit, Stuttgart einmal von seiner schaurigsten Seite kennenzulernen.
Wie viel Mut braucht das Glück? Große Lebensfragen an der Theke im Brother Louis
Was, wenn ein Schicksalsschlag zum Neuanfang zwingt und Erfolg plötzlich etwas anderes bedeutet? Beim Art Charity Salon von Claudia Prskalo in der preisgekrönten Bar Brother Louis geht es um Mut zur Veränderung – und darum, anderen zu helfen (diesmal dem Kinderhospiz). Ein Abend zum Innehalten und Mutmachen.
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Zwei Stadien, ein Weihnachtsgefühl – doch der Andrang ist unterschiedlich: Bei den Kickers waren alle 8000 Tickets fürs Weihnachtssingen binnen Stunden vergriffen. Beim VfB sind bisher 5000 Karten verkauft. Der Verein rechnet mit deutlich mehr – offenbar wissen viele Fans noch gar nichts von der Neuauflage nach der Pause.
