Uwe Bogen

Demo gegen Queerfeindlichkeit

„Es kommt auf uns alle an“ – CSD-Vorstandsteam kontert „Turbolinke“-Vorwurf

7. Mai 2026

Vor der IDAHOBITA-Demo am 17. Mai  in Stuttgart gegen Queerfeindlichkeit zeigen sich Differenzen. Ein bekannter Community-Akteur kritisiert: „Da treffen sich  nur die Turbolinken“. Das CSD-Team widerspricht und ruft zur Geschlossenheit gegen Hass und Gewalt auf.

Vereint unter dem Regenbogen ist nicht immer leicht. Foto: Gabriel Grip

Treffen wir uns an 17. Mai um 15.30 Uhr zur Demo auf dem Schlossplatz? Diese Frage kursiert gerade in der queeren Community in Stuttgart. Die Antworten fallen unterschiedlich aus. An diesem Tag wird weltweit gegen Hass und Gewalt protestiert. Anlass ist der der IDAHOBITA*  (der internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit), der immer am 17. Mai stattfindet. Denn am 17. Mai 1990 war’s, als die Weltgesundheitsorganisation WHO die Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel für Krankheiten strich. 

Anders als beim CSD im Sommer, wenn die Massen strömen, gibt es in der queeren Community Vorbehalte für den 17. Mai. „Da treffen sich doch nur die Turbolinken“,  sagt eine Stuttgarter Szene-Größe, „da wird die Vielfalt nicht repräsentiert.“ Seine Kritik, mit der er nicht allein steht, wird kontrovers diskutiert. Die Absagen für die Demo gerade aus konservativen Kreisen der Gay-Szene häufen sich.  Nun hat sich das Vorstandsteam des CSD Stuttgart zu den kritischen Stimmen geäußert und bezieht klar Stellung.

CSD-Organisatoren betonten politische Dimension

„Jede Person kann frei entscheiden könne, ob sie sich bei der Demo  beteiligen möchte“, erklärt das  Vorstandsteam gegenüber EchtStuttgart, „wir würden es aber begrüßen, wenn sich alle Menschen aus der Community an diesem so wichtigen Tag versammeln würden, um sich klar zu positionieren.“

„Gerade jetzt sollten wir Seite an Seite stehen“

Die Interessengemeinschaft  CSD organisiert in diesem Jahr die Demonstration federführend „gemeinsam mit einem breiten Bündnis Stuttgarter Vereine“, teilt der Vorstand mit, darunter seien die Weissenburg – das Zentrum LSBTIQA+ Stuttgart, die AIDS-Hilfe Stuttgart. und Mission TRANS*. Zugleich betonen die Verantwortlichen die politische Dimension: „Wir müssen entschieden weiter zusammen gegen Hasskriminalität und Hetze gegen die queere Community kämpfen. Denn das geht uns alle etwas an – egal ob liberal oder konservativ, ob in Stuttgart, in Deutschland und der ganzen Welt.“

 LGBTQIA*-Menschen  würden angesichts des Rechtsrucks im Lanhd wieder vermehrt Opfer von Hass und Gewalt. Auch internationale Entwicklungen bereiteten Sorge: Verschärfte Gesetzeslagen in Teilen Osteuropas, den USA oder Afrika wirkten sich nach Einschätzung des Vorstands zum Nachteil queerer Menschen weltweit aus.

Das  Fazit des Vorstandsteam fällt deutlich aus: „Wir als Community können es uns nicht leisten, hier nicht Seite an Seite zu stehen.“

Veranstalter heben „Ernst der Lage“ hervor

Auch in der offiziellen Pressemitteilung der Veranstalter wird der Ernst der Situation hervorgehoben. Am 17. Mai solle auf dem Schlossplatz ein Raum für Austausch, Information und Solidarität entstehen – mit Infoständen, Redebeiträgen und Musik zwischen 15:30 und 17:30 Uhr.

Die Botschaft ist klar: Queerfeindliche Straftaten in Deutschland verharrten auf einem Höchststand, während LGBTQIA*-Menschen weltweit weiterhin kriminalisiert, verfolgt und bedroht würden. Der Kampf für Gleichberechtigung sei daher längst nicht abgeschlossen.

Zwischen Differenzen und gemeinsamer Verantwortung

Die Debatte um die Ausrichtung der Demo zeigt: Auch innerhalb der queeren Community gibt es unterschiedliche politische Perspektiven. Gleichzeitig unterstreichen die Veranstalter und das CSD-Vorstandsteam, dass die aktuellen Herausforderungen größer seien als  Differenzen in der politischen Ausrichtung.

Zum Organisationteam des IDAHOBITA* 2026 gehören neben der IG CSD Stuttgart e.V. das Projekt 100% MENSCH, Mission TRANS*, die Weissenburg – das Zentrum LSBTIQA+ Stuttgart, LSVD+ BW, das fetz (Frauenberatungs- und Therapiezentrum Stuttgart), Abseitz Stuttgart e.V., die AIDS-Hilfe Stuttgart e.V., AG Queere Erinnerungskultur – „Der-Liebe-wegen“, just human, LC Stuttgart e.V., Verein zur Förderung von Jugendlichen e.V. – Stuttgart und die GEW – Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

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