Uwe Bogen
Insolvenzwelle ebbt nicht ab
Rettung gescheitert: Das Aus von Endress Motorgeräte ist endgültig besiegelt
18. Mai 2026
Die Suche nach Investoren blieb ohne Erfolg, die Rettung ist gescheitert: Die Endress Motorgeräte GmbH wird vollständig abgewickelt. Alle 220 Beschäftigten verlieren ihren Job, 18 Standorte schließen. Die Stuttgarter Filiale öffnet jetzt nur noch an zwei Tagen. Die Insolvenzwelle in Deutschland ebbt nicht ab.
Auf dem Plakat im Hof steht noch: „Endress – das Beste für draußen.“ Doch drinnen geht nichts mehr. Ein Aushang an der Tür des Geschäfts an der Kesselstraße in Stuttgart informiert nun über das traurige Ende. Dem Konkurrenzdruck aus Fernost war das Unternehmen, das einst zu den größten Handelsketten für den Garten in Deutschland zählte, unterlegen. Die Hoffnung auf eine Rettung der traditionsreichen Endress Motorgeräte GmbH hat sich zerschlagen, auch eine Teilrettung der lukrativen Geschäftsteile ist nicht gelungen
Nachdem sich im vorläufigen Insolvenzverfahren kein Investor gefunden hat, steht nun fest: Das Unternehmen wird vollständig abgewickelt. Betroffen sind sämtliche Standorte der Endress Motorgeräte GmbH sowie der Endress Bayern GmbH. Insgesamt verlieren etwa 220 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz.
Stuttgarter Standort öffnet noch mal am 19. und 21. Mai
Am Standort Stuttgart hängt an der Glastür ein Schreiben des Insolvenzverwalters Tibor Braun, das die endgültige Einstellung des Geschäftsbetriebs bestätigt. Darin wird Kunden mitgeteilt, dass an allen Standorten keine Aufträge mehr abgewickelt oder fertiggestellt werden könnten. Gutscheine verlieren demnach ihre Gültigkeit, Reparaturarbeiten werden nicht mehr angenommen.
Kunden, deren Geräte sich noch bei Endress zur Reparatur befinden, sollen diese nun kurzfristig abholen. Am Standort Stuttgart besteht dafür noch am 19. und 21. Mai jeweils zwischen 10 und 15 Uhr Gelegenheit. Danach bleibt die Filiale endgültig geschlossen. Auch Rückerstattungen für Waren, die vor dem 28. April gekauft wurden, seien insolvenzbedingt nicht mehr möglich.
Auf der Unternehmenshomepage heißt es offiziell:
„Sehr geehrte Kunden, leider mussten wir zum 28.04.2026 unseren Geschäftsbetrieb einstellen. Daher können wir keine Aufträge mehr abwickeln und/oder fertigstellen.“
Noch Anfang April hatte es positive Signale gegeben. Mehrere Interessenten sollen sich für einzelne Filialen oder sogar größere Teile des Unternehmens interessiert haben. Unter anderem war von einem Investor die Rede, der mehrere Standorte übernehmen wollte. Doch die Investorensuche blieb letztlich ohne Erfolg. Auch eine Teilrettung an wirtschaftlich attraktiven Standorten kam nicht zustande.
Jetzt wurde die Geschäftsaufgabe offiziell bekanntgegeben. Inzwischen laufen die Abwicklungen der Filialen. Die Arbeitsverhältnisse enden. Während des vorläufigen Insolvenzverfahrens erhielten die Mitarbeitenden Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit, das für maximal drei Monate die ausstehenden Löhne absichert.
Familienunternehmen mit 70-jähriger Geschichte
Mit dem Aus verschwindet ein traditionsreiches Familienunternehmen vom Markt. Endress war seit etwa 70 Jahren im süddeutschen Raum aktiv und betrieb zuletzt 18 Verkaufs- und Servicestandorte. Das Unternehmen galt als bekannte Adresse für Garten- und Motorgeräte – vom Rasenmäher über Rasentraktoren bis hin zu Motorsägen und Heckenscheren.
Als zentrale Ursache für die Insolvenz gilt die schwierige Entwicklung im Privatkundengeschäft. Besonders im Bereich der Akku-Gartengeräte herrscht seit Jahren massiver Preisdruck. Vor allem günstig produzierte Konkurrenzprodukte aus Asien hätten die Margen erheblich sinken lassen.
Hinzu kamen laut Brancheninformationen hohe Lagerbestände, steigende Kosten, ein schwacher Sommer mit geringer Nachfrage sowie das insgesamt angespannte konjunkturelle Umfeld. Lieferanten sollen den Händlerverbund zeitweise unterstützt haben – etwa durch Warenrücknahmen oder Zahlungsaufschübe. Eine nachhaltige Stabilisierung konnte damit jedoch nicht mehr erreicht werden.
Vom vorläufigen Verfahren zur endgültigen Abwicklung
Das Unternehmen befand sich zunächst im sogenannten vorläufigen Insolvenzverfahren. In dieser Phase prüft das Insolvenzgericht, ob Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung vorliegen und ob ausreichend Vermögen vorhanden ist, um ein reguläres Insolvenzverfahren überhaupt durchführen zu können. Gleichzeitig versucht ein vorläufiger Insolvenzverwalter, den Betrieb zu stabilisieren und mögliche Investoren zu finden.
Genau diese Rettung blieb bei Endress jedoch aus. Mit dem Scheitern der Investorensuche steht nun die vollständige Abwicklung des Unternehmens bevor. Für die Beschäftigten endet damit die Hoffnung auf einen Erhalt großer Teile des Unternehmens – trotz zwischenzeitlicher Zuversicht auf eine Übernahme einzelner Standorte.
Und wieder einmal verschwindet ein tradtionsreicher Firmennamen aus Stuttgart – wie zuvor schon viele. Lerche, Breitling, Radio Barth, Kurz – so viele klangvolle Namen hat die Stadt verloren. Deutschland erlebt zwölf Monate nach dem Start der neuen Bundesregierung in Berlin die stärkste Pleitewelle seit Jahren. Experten gehen für 2026 von fast 25.000 Unternehmensinsolvenzen aus – dem höchsten Stand seit 2014. Besonders betroffen sind kleine und mittlere Betriebe, die unter hohen Kosten und Kaufzurückhaltung leiden.
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