Uwe Bogen
Helfen macht happy im Club Traube
Die Kunst des Berührens: Emotionaler Charity-Salon für das Kinderhospiz
18. Mai 2026
Was bleibt von einem Blick, einem Duft, einer besonderen Begegnung? Der Charity-Salon im Club Traube feiert die Kunst des Berührens. Beim Talk spürt die Frauenrunde den Momenten nach, die Menschen verändern. Helfen macht happy gilt auch hier: 50 Prozent der Erlöse gehen an das Kinderhospiz.
Es gibt Berührungen, die dauern Sekunden. Und solche, die gehen so tief rein, dass man ein Leben davon zehrt.
Eine Hand auf der Schulter. Ein Blick, der versteht. Ein guter Satz zur richtigen Zeit. Oder dieser eine Moment in der Stadtbahn, wenn plötzlich ein unbekannter Mann vorbeigeht und exakt das Parfüm trägt wie die erste große Liebe. Davon erfahren die Gäste beim Charity-Salon an diesem Abend. Und dann, so berichtet die Künstlerin, die den Duft ihrer Jugend wieder riechen durfte, war es wieder da: das Herzklopfen, die Unsicherheit, das Leuchten einer vergangenen Zeit. Auch das ist Berührung. Unsichtbar vielleicht. Aber tief.
Der Charity-Salon im Club Traube widmet sich für einen exklusiven Kreis geladener Gäste genau dieser stillen Macht. In einer Eventlocation mit hoher Decke, die zugleich Größe und Geborgenheit ausstrahlt, entsteht ein Abend, der nicht laut sein will, sondern nah. Kunst, Gespräche und Begegnungen verbinden sich zu einem Salonabend, der wichtige Fragen stellt, die in der Hektik des Alltags oft untergeht: Wovon lassen wir uns berühren – und warum vielleicht viel zu selten?
Der Club Traube ist eine beliebte Event-Location
Dabei könnte der Ort kaum passender sein. Der 2018 fertiggestellte Club Traube ist selbst eine Art Statement geworden. Die Stuttgarter Architekten um Marco Hippmann entwarfen für eine Online-Weinhandlung ein ungewöhnliches Gebäude mitten in der rauen, oft gesichtslos wirkenden Peripherie des Stuttgarter Ostens entlang der B14. Zwischen Gewerbebauten, Autohäusern, Kraftwerken und den Schienen der Stadtbahn entstand auf rund 3000 Quadratmetern an der Wangener Straße eine reduzierte, fast skulpturhafte Landmarke aus Betonfertigteilen, der man leider nun ansieht, dass herunterlaufendes Wasser sie nicht schöner macht.
Der Firmensitz, der noch immer als Büro und Weinlager dient, ist zu einer gefragten Eventlocation für Hochzeiten, Firmenfeiern und besondere Abende geworden – und vielleicht lebt der Ort genau von diesem Spannungsfeld: von industrieller Klarheit und emotionaler Nähe.
Drei Künstlerinnen öffnen mit ihren ausgestellten Arbeiten Räume für genau diese Erfahrung: Gabi Gries, Anna Weber und Karin Döring. Kunst kann vieles. Sie kann provozieren, verstören, faszinieren. Aber ihre größte Kraft liegt womöglich darin, etwas in uns anzurühren, das längst verschüttet war. Ein Bild kann eine Erinnerung öffnen wie ein alter Brief. Ein Farbton kann Trost sein. Ein Gesicht auf Leinwand plötzlich erschreckend vertraut.
Beim Paneltalk – wahrscheinlich nicht zufällig nur mit Frauen besetzt – treffen Perspektiven aus Kunst, Psychologie und Hospizarbeit aufeinander. Mit dabei ist auch die Familientherapeutin Hannah Brüderle. Durch den Abend führt die einfühlsame Moderatorin Claudia Prskalo (Instagram: kaja.lii), – sie gehört zum neugegründeten Benefiz-Kollektiv TogetherUp – versteht, dass echte Gespräche nicht entstehen, wenn Menschen glänzen wollen – sondern wenn sie bereit sind, sich verletzlich zu zeigen.
Besonders still wird es, wenn Sabrina Dierolf spricht. Sie arbeitet im Kinderhospiz. Ein Beruf, der Menschen unmittelbar berührt – und sie gleichzeitig oft sprachlos macht. So sprachlos, dass sie auf Partys manchmal lieber sagt: „Ich mache Familienberatung.“ Weil der Satz „Ich arbeite im Kinderhospiz“ häufig jedes leichte Gespräch beendet. Als würde plötzlich die Schwere des Lebens den Raum betreten und den Spaß einer Party unterbinden.
Dabei geht es dort nicht nur um Abschied. Sondern vor allem um Nähe. Es geht um Zeit, um Würde, um Familien, die versuchen, mitten im Schmerz noch Momente von Leben festzuhalten.
Und genau darin liegt etwas Entscheidendes: Wahre Berührung nutzt Schicksale nicht aus. Sie macht kein Spektakel aus Leid. Sie drängt sich nicht auf. Sie bleibt ehrlich. Vielleicht berührt uns Sabrina Dierolf gerade deshalb so sehr – weil sie keine Betroffenheit erzeugen will, sondern die Gäste mit Menschlichkeit berührt.
Dass 50 Prozent der Verkaufserlöse der ausgestellten Kunstwerke dem Kinderhospiz zugutekommen, passt deshalb so gut zu diesem Abend. Denn Hilfe beginnt selten mit großen Gesten. Meist beginnt sie dort, wo wir überhaupt wieder zulassen, dass uns etwas nahegeht. Und helfen macht happy, wie EchtStuttgart so oft erfährt, dass wir auf unserer Homepage dafür eine Unterseite eingerichtet haben.
Vielleicht haben wir uns das Berührtwerden ein wenig abtrainiert – zwischen Nachrichtenüberflutung, Dauerironie und perfektionierten Oberflächen. Wer sich wirklich berühren lässt, macht sich angreifbar. Gefühle kennen keinen Filter und keine Distanzfunktion. Sie treffen uns direkt. Und wenn wir zu viel von uns preisgeben, haben Leute, die es nicht gut mit uns meinen, was in der Hand.
Und trotzdem liegt genau darin eine stille Schönheit. Denn nur wer berührt wird, kann selbst berühren.
Vielleicht ist das am Ende die eigentliche Kunst dieses schönen und wohltuenden Salonabends: nicht nur Bilder anzuschauen, sondern wieder empfänglich zu werden. Für Geschichten, für Schicksale, für andere Menschen – und vor allem für das Leben selbst.
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