Uwe Bogen
Kreative Demo auf dem Marktplatz
Wir sind Stuttgart: Das Sign ist geglückt – jetzt soll der Protest weitergehen
6. Juni 2026
Das menschliche Stuttgart-Sign auf dem Marktplatz ist am Samstag geglückt – und begeistert die Teilnehmenden. Für viele ist klar: Der Protest muss weitergehen, mit kreativen Aktionen und starken Bildern, bis der Gemeinderat den Beschluss für das neue Stuttgart-Zeichen zurücknimmt.
Manchmal sagen Bilder mehr als noch so gute Sprüche. Am Samstag wird der Stuttgarter Marktplatz zur Bühne für genau so ein Bild. Knapp 800 Menschen, so schätzen die Veranstalter, kommen zusammen, um gegen Kürzungen in Kultur, Bildung und Soziales zu protestieren. Der Höhepunkt: Sie formen gemeinsam ein riesiges „STUTTGART“-Zeichen quer über den Marktplatz – nicht aus Metall, Beton oder Leuchtbuchstaben, sondern aus Menschen.
Rom bräuchte für sein Sign Menschen für nur drei Buchstaben
Schon vor Beginn liegt Spannung in der Luft. Werden genügend Leute kommen? Werden alle Buchstaben voll? Bei Rom wäre es einfacher, selbst bei Paris. Stuttgart hat keine drei oder vier Buchstaben, sondern neun. Auf dem Marktplatz sind die neun Buchstaben bereits auf dem Boden markiert. Dann beginnt das große Sortieren.
„Beim T sind genügend, geht noch zum S!“
„Wir brauchen noch Leute fürs U!“
Immer wieder hallen die Anweisungen über den Platz. Menschen wechseln die Positionen, rücken zusammen, füllen Lücken. Und plötzlich ist er da, dieser Moment: Alle Buchstaben sind komplett. Das Wort steht. Stuttgart ist da.
Großer Applaus brandet auf. Menschen winken zum Rathaus, auf dessen Balkon aber niemand steht, klatschen und jubeln. Für einen Augenblick wird aus einer Demo ein Erfolgserlebnis.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft des Nachmittags.
Denn in Zeiten von Instagram, TikTok und Co. verbreiten sich Bilder oft schneller und wirksamer als jede Rede. Das menschliche Stuttgart-Sign ist nicht nur Protest, sondern auch ein starkes Motiv für soziale Medien. Ein Bild, das in Sekunden erzählt, worum es geht: Menschen machen diese Stadt lebenswert.
Die Aktion spielt bewusst auf das neue Stuttgart-Sign an, das vor dem Rathaus entstehen soll. Der Gemeinderat gibt dafür ein Budget von bis zu 470.000 Euro frei. Ein beleuchteter Schriftzug als Fotospot für Besucher und Selfie-Fans.
Die Idee mag ihren Charme haben, weil eine Stadt Werbung braucht. Doch viele Menschen fragen sich angesichts knapper Kassen, geschlossener Einrichtungen und massiver Einsparungen bei Kultur, Bildung und Sozialem: Ist dafür wirklich der richtige Zeitpunkt?
- HIER UNSER VIDEO VOM SIGN AUF DEM MARKTPLATZ:
Ein breites Bündnis aus Kulturinitiativen, Theaterbühnen, sozialen Einrichtungen und Gewerkschaften -auch die Staatsoper ist mit dabei – ruft deshalb zum Protest auf. Auf der Bühne gibt’s Musik und Reden. Die Botschaft ist klar: Die Stadt wird nicht durch einen Schriftzug attraktiv, sondern durch die Menschen, die sie gestalten.
Oder wie es Johannes Lachermeier von der Staatsoper formuliert: „Ist es nicht ein besseres Marketing, Institutionen statt tote Buchstaben zu fördern?“ Stuttgart hat ohnehin schon zwei Signs, auf der Königstraße und vor dem Stadtpalais. Warum muss es noch ein drittes sein, wenn gleichzeitig überall gekürzt wird.
Die menschliche Stuttgart-Schrift wird damit zur überzeugenden Antwort auf die aktuelle Debatte. Denn während ein neues Sign künftig Selfies produzieren soll, entsteht auf dem Marktplatz bereits eines der stärksten Stuttgart-Bilder des Jahres.
Nach der Demo sprechen die Veranstalter über weitere Aktionen
Nach der erfolgreichen Aktion sprechen die Veranstalter bereits darüber, wie es weitergehen kann. Viele wünschen sich weitere kreative Aktionen, die Menschen zusammenbringen und starke Bilder schaffen. Bilder, die Aufmerksamkeit erzeugen und Geschichten erzählen.
Denn wenn dieser Nachmittag etwas zeigt, dann das:
Stuttgart braucht keine neuen Wahrzeichen, um sichtbar zu sein.
Stuttgart ist sichtbar.
In 800 Gesichtern.
In neun Buchstaben.
Und in einer Botschaft, die jeder sofort versteht.
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