Uwe Bogen

Stuttgart-Album

Zwischen Wittwer und Mövenpick: Zwei Fotos aus den 1970ern bewegen Stuttgart

13. Juli 2026

Zwei Fotos aus den 1970ern lösen eine lebhafte Nostalgie-Debatte aus: Harald Frank hat dem Stuttgart-Album Aufnahmen des Kleinen Schlossplatzes geschickt, die hundertfach geliked und kommentiert werden – auch mit Blick auf die Zukunft des Wittwer-Hauses.

Der Kleiner Schlossplatz in den 1970ern. Foto: Sammlung Harald Frank

Es sind Bilder, die bei vielen Stuttgartern sofort Erinnerungen wecken. User Harald Frank hat unserem Geschichtsprojekt Stuttgart-Album zwei historische Aufnahmen des Kleinen Schlossplatzes aus den 1970er-Jahren geschickt – und damit auf unserer Facebook-Seite eine Welle der Nostalgie ausgelöst. Hunderte Likes und Kommentare zeigen: Dieser Ort hat sich tief ins Gedächtnis einer Generation eingebrannt.

Das erste Foto zeigt den Kleinen Schlossplatz von oben. Im Mittelpunkt steht das damalige Mövenpick-Restaurant, dahinter die Württembergische Bank. Unten fließt der Autoverkehr Richtung Stuttgarter Westen, während eine gelbe Straßenbahn gerade in die Planie einbiegt – ein Anblick, der heute Geschichte ist.

Der Palais-Torbogen steht heute im Städtischen Lapidarium

Ebenso spannend ist der Blick auf den  Torbogen des ehemaligen Kronprinzenpalais, der wie ein Skulptur im Fußgängerbereich steht. Das klassizistische Gebäude musste Anfang der 1960er-Jahre nach heftigen öffentlichen Debatten dem autogerechten Umbau der Innenstadt weichen. Der Torbogen blieb erhalten und kann heute im Städtischen Lapidarium besichtigt werden – als eines der wenigen Zeugnisse des einstigen Palais.

Auf den Bildern ist außerdem das markante Buchhaus Wittwer zu sehen. Ausgerechnet dieses Gebäude steht heute selbst zur Disposition. Für viele Kommentierende ist das ein Déjà-vu. Sie erinnern daran, dass am Kleinen Schlossplatz bereits so vieles verschwunden ist: Erst das Kronprinzenpalais, später der gesamte Kleine Schlossplatz in seiner damaligen Form mit viel Beton, der schließlich dem heutigen Kunstmuseum weichen musste.

Der Kleine Schlosplatz von der anderen Seite mit Blick auf die Planie. Foto: Sammlung Harald Frank

Das zweite Foto, aufgenommen von der gegenüberliegenden Seite mit Blick über die Planie, ergänzt das Zeitdokument. Zusammen vermitteln die beiden Aufnahmen ein lebendiges Bild einer Innenstadt, die für viele mehr war als nur ein Einkaufsort.

In den Kommentaren geht es deshalb nicht nur um Architektur, sondern vor allem um persönliche Erinnerungen. Besonders häufig fällt der Name Mövenpick. „Die Treppe nauf zum Kleinen Schlossplatz und im Kartenhäusle Karten fürs nächste Konzert kaufen. Und im Mövenpick immer das leckerste Eis mitgenommen“, schreibt Lissy Weber und beschreibt damit genau das Lebensgefühl, das viele mit diesem Ort verbinden.

Der Freundschaftsbecher ist unvergessen

Andere erinnern sich an Bircher Müsli, Freundschaftseisbecher, Plattenläden, das Kartenhäusle oder den Musikladen Schwerdtner. Der Kleine Schlossplatz war Treffpunkt, Flaniermeile und Aussichtspunkt zugleich – mit kleinen Geschäften, Gastronomie und einem besonderen Flair über dem Verkehr der Innenstadt.

Die Diskussion dreht sich aber auch um die Zukunft. Klaus Justus schreibt: „Das Bild vermittelt jedem Betrachter, wie dominierend das Wittwer-Haus ist und ein wichtiges architektonisches Element der ausgehenden 60er beziehungsweise frühen 70er Jahre. Ein übereilter Abriss dieses Gebäudes würde unserer Stadt erneut einen unwiederbringlichen Schaden zufügen.“

Natürlich gibt es auch andere Stimmen. „Ganz ehrlich: schön war’s nicht“, meint ein Leser. Doch selbst wer die Architektur kritisch sieht, erkennt an, welche Bedeutung der Kleine Schlossplatz als urbaner Treffpunkt für mehrere Generationen hatte.

Vielleicht ist genau das die Stärke dieser beiden Fotos: Sie zeigen nicht nur ein verschwundenes Stück Stuttgart, sondern erinnern daran, dass Städte weit mehr sind als ihre Gebäude. Es sind die Orte, an denen Menschen Eis essen, Konzertkarten kaufen, auf die Straßenbahn warten oder einfach zusammensitzen. Der Kleine Schlossplatz war für viele genau so ein Ort – und lebt heute vor allem in den Erinnerungen weiter. Viele Stuttgarterinnen und Stuttgarter setzen sich nun dafür, dass nach etlichen Abrissen, die heute bedauert werden wie der des Kronprinzenpalais, nicht noch einmak ein Abrissfehler gemacht wird.

  • Die Macher des Stuttgart-Abums mit 27..800 Followern und  die Macher des UnnützenStuttgartwissens mit 40.000 Followern sind  die Macher von EchtStuttgart. Ihre Bücher erscheinen im Lokalteil-Verlag. Erhältlich ist dort unter anderem  der regionale Bestseller „Stuttgart – Kleine Geheimnisse einer großen Stadt“.

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