Uwe Bogen
Kommentar
Das beste Zeichen ist jetzt: kein neues Stuttgart-Zeichen!
16. Juli 2026
Das Stuttgart-Sign ist vorerst vom Tisch. Angesichts leerer Kassen ist das die richtige Entscheidung. Die Kehrtwende der CDU zeigt außerdem: Protest kann etwas bewegen – und die Politik darf ihre Meinung ändern, findet Uwe Bogen.
Da ist dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Alexander Kotz beim Sommerfest seiner Partei im Stuttgarter Rathaus ein echter Coup gelungen. Kaum jemand hatte damit gerechnet, dass es vor der Sommerpause noch einen politischen Knaller geben würde. Doch dann die überraschende Wende: Die CDU will das umstrittene Stuttgart-Sign nun doch nicht mehr favorisieren. Die Begeisterung im Publikum war deutlich zu spüren.
Das ist ja auch eine gute Nachricht. Angesichts der dramatischen Finanzlage der Stadt sogar die einzig richtige.
Denn im Haushalt waren für das Projekt 470.000 Euro vorgesehen. Fast eine halbe Million Euro für einen Schriftzug – während gleichzeitig bei Schwimmbädern, Kultur, Sozialem und Bildung gespart wird. Mit diesem Geld kann nun etwas finanziert werden, das allen Stuttgarterinnen und Stuttgartern zugutekommt. Angesichts der Haushaltskrise ist das beste Zeichen tatsächlich, dass kein neues Stuttgart-Zeichen kommt.
Protest hat Wirkung gezeigt
Die Entscheidung zeigt noch etwas anderes: Protest kann etwas bewirken.
Viele Menschen haben sich gegen das Projekt engagiert. Kulturschaffende, soziale Einrichtungen sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger haben deutlich gemacht, dass die Prioritäten falsch gesetzt waren. Der Höhepunkt war die beeindruckende Aktion auf dem Marktplatz, bei der Hunderte Menschen gemeinsam ein menschliches „STUTTGART“-Zeichen bildeten. Das Motto lautete: „Wir sind das Sign.“
Diese Demonstration war weit mehr als ein schönes Bild. Sie war ein starkes Signal an die Politik. Es hat sich also gelohnt, auf die Straße zu gehen.
Meinungen ändern ist kein Makel
In der Politik wird oft beklagt, dass Entscheidungen stur durchgezogen werden – selbst dann, wenn sich die Umstände längst verändert haben. Genau deshalb sollte man jetzt nicht Häme verteilen, sondern diese Kurskorrektur positiv einordnen.
Es ist kein Zeichen von Schwäche, seine Meinung zu ändern. Im Gegenteil: Wer neue Argumente ernst nimmt und auf die Stimmung in der Stadt hört, beweist Verantwortungsbewusstsein.
Trotz allem bleibt die Idee eines Stuttgart-Signs grundsätzlich reizvoll. Städte brauchen Attraktionen und Orte, die Aufmerksamkeit erzeugen. Daran hat sich nichts geändert. Nur der Zeitpunkt war falsch. Vielleicht kommen wieder bessere Jahre, in denen die Stadt finanziell mehr Spielraum hat und ein solches Projekt nicht als Provokation empfunden wird.
Das richtige Signal
Im Moment aber gilt etwas anderes.
Stuttgart braucht derzeit kein weiteres Wahrzeichen. Die Stadt verfügt bereits über zwei Stuttgart-Zeichen – eines am StadtPalais und eines auf der Königstraße. Wer ein Erinnerungsfoto machen möchte, kann das schon heute.
Die überraschende Entscheidung der CDU sendet deshalb das richtige Signal.
Manchmal ist das stärkste Zeichen eben, kein neues Zeichen zu setzen.
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