Uwe Bogen
EchtStuttgart unterstützt Spenden-Radtour
„Du darfst nicht in Panik verfallen“ – John Müller auf seiner qualvollsten Etappe nach Afghanistan
28. Juli 2026
Kein Netz, kein Mensch weit und breit. Tagelang war John Müller im Pamir-Gebirge auf sich allein gestellt. EchtStuttgart unterstützt seine oft qualvolle´Spenden-Radtour zum Taj Mahal – und verfolgt nun die wohl gefährlichste Etappe seiner Reise nach Afghanistan.
Tagelang herrschte Stille. Keine Nachricht, kein Foto, kein Video auf seinem Instagram-Kanal. Wer die außergewöhnliche Radtour von John Müller verfolgt, machte sich Sorgen. Erst jetzt meldete sich der 26-Jährige wieder – aus einer der entlegensten Regionen der Welt. Allein kämpfte er sich durch das Pamir-Gebirge in Tadschikistan, überquerte einen 3300 Meter hohen Pass und erreichte schließlich ein verlassenes Dorf. Handyempfang? Fehlanzeige. Für mehrere Tage war er vollkommen auf sich allein gestellt.
Seit dem Start seiner 8000 Kilometer langen Spenden-Radtour am 8. Mai begleitet EchtStuttgart den Sarkom-Überlebenden – und unterstützte ihn gleich zu Beginn mit einem Smartphone für seine Reise. Rund 6500 der insgesamt 8000 Kilometer hat John Müller inzwischen zurückgelegt. In wenigen Tagen will er nach Afghanistan einreisen – ein Land, das jährlich von weniger als 10.000 ausländischen Touristen besucht wird. Der Student, der viele Jahre in Stuttgart lebte und seine Chemotherapien am Klinikum Stuttgart erhielt, hat sich gewissenhaft um sämtliche Visa und Einreisegenehmigungen gekümmert. Sein großes Ziel bleibt das weltberühmte Taj Mahal in Indien.
Allein auf dem „Dach der Welt“
Die Etappen werden immer anspruchsvoller – und immer qualvoller. John Müller kämpft sich über Pässe in mehr als 3300 Metern Höhe – Dimensionen, die selbst bei der Tour de France kaum vorkommen. Die Waden brennen, die Luft wird mit jedem Höhenmeter dünner, jeder Tritt in die Pedale kostet neue Kraft. Doch Aufgeben ist für ihn keine Option. Mit jedem Kilometer will der Sarkom-Überlebende allen Krebspatientinnen und Krebspatienten zeigen, welche Kraft in einem Menschen steckt, wenn er dem Tod bereits einmal ins Auge geblickt und sich zurück ins Leben gekämpft hat. Und die Herzlichkeit, mit der in bisher elf Ländern empfangen wurde, treibt ihn immer weiter an.
Oft schläft Müller allein im Zelt, weit entfernt von jeder Ortschaft. Im Pamir-Gebirge, auch „Dach der Welt“ genannt, gibt es kilometerweit nichts außer Schotterpisten, schroffen Bergen und beeindruckender Stille.
Ob er in solchen Momenten keine Angst habe? Seine Antwort zeigt, wie sehr ihn seine Erfahrungen geprägt haben:
„Es ist überlebenswichtig, nicht in Panik zu verfallen, sondern in solchen Momenten sich selbst zu vertrauen. Du musst deinem Equipment und deinem Körper zu hundert Prozent vertrauen können, um dich in solche Situationen zu begeben.“
Sauberes Wasser wird zum Luxus
Nicht nur die Einsamkeit macht ihm zu schaffen. Auch Trinkwasser ist in dieser Region ein großes Problem. Viele Flüsse sind verunreinigt.
„Leider ist das Wasser kontaminiert, weshalb die meisten Reisenden krank werden. Ich hatte auch schon Bauchschmerzen“, erzählt Müller. Umso größer war seine Freude, als ihm unterwegs ein anderer Radfahrer seinen übrigen Wasserfilter schenkte. „Der ist hier und später auch in Afghanistan Gold wert.“
„Kein Netz, Glückskekse im Magen. Let’s go!“
Trotz aller Strapazen verliert John Müller seinen Optimismus nicht. Nach der rasanten Abfahrt vom 3300 Meter hohen Pass schrieb er voller Begeisterung:
„Als ich heute den Pass heruntergefahren bin, kam ich mir vor wie ein Pro-Athlet. Als hätte man mich mit dem Heli an diesem einsamen Ort abgesetzt. Kein Netz, Glückskekse im Magen. Let’s go!“
Vom Krebs zurück ins Leben
Die vergangenen Wochen verlangten ihm ohnehin alles ab. Gleich zu Beginn überraschten ihn Schnee und Minustemperaturen, später kämpfte er in Kasachstan gegen Sandstürme und Temperaturen von fast 50 Grad Celsius. Trotzdem dachte er nie ans Aufgeben. Immer wieder berichtet er von der außergewöhnlichen Gastfreundschaft der Menschen entlang seiner Route
Sein Antrieb ist größer als jede sportliche Herausforderung. John Müller hat selbst ein aggressives Ewing-Sarkom überlebt. Nach 14 Chemotherapien und einer schweren Operation entschied er sich, mit dieser Reise Spenden für die Krebsforschung zu sammeln und anderen Betroffenen Mut zu machen.
Als Botschafter der Children Cancer Foundation setzt er sich dafür ein, die Krebsforschung zu unterstützen und jungen Patientinnen und Patienten Hoffnung zu geben. Sein persönliches Motto lautet: „Wenn man sich von Chemo-Zyklus zu Chemo-Zyklus kämpfen kann, dann schafft man es auch von Etappe zu Etappe.“
Wenn alles nach Plan läuft, ist er Mitte August in Stuttgart
Schon jetzt hat seine Aktion Zehntausende Euro an Spendengeldern eingebracht und Millionen Menschen erreicht. Doch die gefährlichsten Kilometer stehen ihm noch bevor. Nach Tadschikistan führt seine Route durch Afghanistan, bevor schließlich Indien und das große Ziel warten: der Taj Mahal.
Wenn alles nach Plan läuft, wird John Müller Mitte August nach Deutschland zurückkehren – und dann auch EchtStuttgart besuchen, um persönlich von seiner außergewöhnlichen Reise zu berichten.
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