Uwe Bogen
Exklusiv
Stuttgarts beliebtes Sommerfest soll zurückkehren
8. April 2026
Nach dem Aus für das Traditionsfest und dem kurzen Intermezzo der Genusstage formiert sich eine neue Initiative aus Gastronomie und Stadtfans. EchtStuttgart hat erfahren, was genau für das Revival einer Festikone im Jahr 2027 geplant ist.
So weiß, so schön, so unvergessen: Im Jahr 2019 haben Stuttgart und die Region das große Sommerfest rund um den Eckensee und auf dem Schlossplatz zum letzten Mal gefeiert – die weiße Zeltstadt bot seit 1991 ein bis heute unvergessenes Sommermärchen. Kein anderes Fest wird seitdem so sehr vermisst.
Die Corona-Pandemie zwang 2020 zu einer Pause. Doch auch nach deren Ende kehrte das Traditionsfest nicht zurück. Die Veranstalter von in.Stuttgart nannten damals mehrere Gründe für das Aus: Personalmangel, weggebrochene Sponsoren und wachsende Kritik am kulinarischen Angebot. Stattdessen wollte man ein neues Konzept entwickeln.
Genusstage waren rasch wieder verschwunden
So entstanden die Genusstage, die im August 2023 Premiere feierten. Unter dem Motto „klein, aber fein“ wurde rund um die denkmalgeschützte Markthalle und im modernen Dorotheen-Quartier gefeiert. Weiße Tischdecken, ein reduziertes Areal und ein stärkerer Fokus auf Qualität sollten dem Fest ein neues Profil geben. Die Erwartungen waren hoch – und nicht alle wurden erfüllt. „Beim Genuss ist Luft nach oben“, hörte man. Was man damals noch nicht wusste: Das erste Fest dieser Art sollte gleichzeitig auch das letzte sein.
Die Veranstalter erklärten, ein neues Fest brauche Zeit zur Entwicklung. Dann pausierte es wegen der Fußball-EM, und 2025 wurde schließlich das Aus verkündet: In.Stuttgart sagte, man wolle die Genusstage nicht fortsetzen. In der Stadt gebe es bereits zahlreiche Sommerveranstaltungen, hieß es damals zur Begründung.
Nun zeichnet sich jedoch eine überraschende Wende ab.
Denn es gibt einen neuen Anlauf für ein Sommerfest-Revival. Viele Gastronomen der Stadt wünschen, an die Erfolgsgeschichte des einstigen Publikumsmagneten anzuknüpfen. Dennis Shipley, der neue Kreisvorsitzende des Dehoga Stuttgart, bestätigt entsprechende Informationen von EchtStuttgart.
Auch Oberbürgermeister Frank Nopper habe demnach seine Unterstützung signalisiert und sei von der Idee sehr angetan, berichtet Shipley. Offiziell bestätigen will man das im Rathaus noch nicht und verweist auf Pro Stuttgart als möglichen Veranstalter. Gespräche über das Sommerfest 2.0 werden jedenfalls geführt.
Allerdings wird sich das Fest deutlich verändern. Ein Comeback am ursprünglichen Standort rund um den Eckensee ist nicht vorgesehen. Die Fläche gehört dem Land Baden-Württemberg – und mögliche Schäden oder Beeinträchtigungen des Geländes könnten für die beteiligten Gastronomen hohe Kosten verursachen.
Stattdessen rückt ein anderer zentraler Ort in den Fokus: der Schillerplatz. Nach den derzeitigen Planungen soll er den Schwerpunkt des neuen Sommerfestes bilden
Steigt Pro Stuttgart ein?
Auch organisatorisch würde das Fest neue Wege gehen. Anders als früher soll die städtische Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, die nach Vorwürfen der Korruption gegen einen ehemaligen Mitarbeiter und wegen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dazu viel aufzuarbeiten hat, diesmal nicht beteiligt sein. Stattdessen laufen Gespräche mit Pro Stuttgart, den Organisatoren des traditionsreichen Stuttgarter Weindorfs.
Der Zeitplan ist langfristig angelegt. Die Planungen zielen auf den Sommer 2027. Doch ein Jahr davor sollen Konzept, Sponsoren und Finanzierung weitgehend stehen.
Das Sommerfest 2.0 soll keine reine weiße Zeltstadt mehr werden. Dies sei aus wirtschaftlichen Gründen gar nicht möglich, erklärt Dennis Shipley. Zur einen Hälfte sind Foodtrucks, zur anderen Pagoden vorgesehen. Die Suche nach Sponsoren hat begonnen.
Sollte das Projekt gelingen, sich also genügend Interessenten und Geldgeber finden, könnte Stuttgart eine seiner beliebtesten Veranstaltungen zurückbekommen – in neuer Form, aber mit vertrautem Flair: Den Sommer genießen in der City und das Gefühl verspüren, dass sich die ganze Region hier wohl fühlt.
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