Uwe Bogen
Stuttgarter Altstadt
Müllberge, Gewalttat und Bar-Aus: Das Leonhardsviertel kommt nicht zur Ruhe
12. April 2026
Nächtlicher Angriff auf offener Straße, Müllberge, die tagelang liegen bleiben und die Schließung der Gin-Bar Botanical Affairs: Das Leonhardsviertel findet keine Ruhe. Geht von einem Bistro Gewalt aus, wie Anwohner sagen? Nun äußert sich die Stadt dazu.
Ein gewalttätiger Vorfall nach Ostern beschäftigt das Leonhardsviertel und führt erneut zur Frage: Wie sicher ist die Altstadt?
Die Gewalt kam wie aus heiterem Himmel. Wie Augenzeugen unserem Magazin EchtStuttgart berichten, sei abends ein Mann offenbar unter Drogeneinfluss unvermittelt auf zwei Passanten losgegangen. Zunächst habe er einen Mann heftig attackiert, anschließend den zweiten ins Visier genommen. Ein Grund für die Attacke sei nicht erkennbar gewesen.
Zeugen sagen, der Täter habe ein Messer gezückt
Der aggressive Mann soll laut Zeugen ein Messer gezogen haben. Ein Türsteher griff ein und konnte den Angreifer in die Flucht schlagen. Kurz darauf trafen zwei Streifenwagen ein.
Die Polizei bestätigt gegenüber EchtStuttgart den Vorfall, der sich am Dienstag nach Ostern ereignet hat. Von einem Messer wisse man aber nichts, hieß es zunächst. Inzwischen soll eine Überwachungskamera das Zücken der Waffe belegen.
Der mutmaßliche Täter ist laut Informationen aus dem Viertel kein Unbekannter. Er sei bereits mehrfach durch Aggressionen aufgefallen und halte sich häufig im Bistro Schiller auf.
Das Schiller gilt unter Anwohnern seit längerem als Treffpunkt von Drogenkonsumenten und Dealern. Immer wieder werde das Lokal mit unschönen Vorfällen in Verbindung gebracht, auch tagsüber, wenn Kinder und Jugendliche auf dem Weg zur Schule hier vorbeikämen. .Entsprechend deutlich sind die Forderungen: Die Stadt solle dem Betreiber die Konzession entziehen.
Die Stadt Stuttgart sieht hier jedoch klare rechtliche Grenzen. Auf Anfrage von EchtStuttgart teilt die Pressestelle mit, dass die Gaststätte Schiller beziehungsweise deren Gäste zwar immer wieder mit Vorfällen in Verbindung gebracht würden. Ein Einschreiten gegen den Pächter sei aber nur möglich, wenn ihm konkrete Verstöße gegen gaststättenrechtliche Pflichten nachweisbar zugerechnet werden könnten. Vermutungen oder die bloße räumliche Nähe zu Straftaten reichten dafür nicht aus.
Das Schiller stehe allerdings unter Beobachtung der Gaststättenbehörde des Amts für öffentliche Ordnung sowie der Polizei, erklärt ein Rathaussprecher.
Neben der Sicherheitslage bringt ein weiteres Thema die Anwohner auf: Müll. Immer wieder türmen sich Abfälle in den Straßen des Viertels – oft über Tage hinweg. Erst am vergangenen Wochenende sei es erneut zu diesen schönen Fotos gekommen, die unserer Redaktion zugeschickt wurden.
Besonders kritisch gesehen wird dabei der Umgang der Stadt mit dem Problem. Zwar ist geplant, sogenannte Müllsheriffs einzusetzen, doch viele im Viertel werfen den Verantwortlichen vor, zu langsam zu reagieren. Der Müll bleibe schlicht zu lange liegen. Und wo sich deutlich sichtbar Unrat befindet, käme immer noch mehr dazu.
Für viele ist das mehr als ein optisches Problem – es verstärke das Gefühl von Kontrollverlust im Viertel, so hört man.
Gastronomie unter Druck
Dass das Leonhardsviertel gleichzeitig als Ausgehviertel neu gedacht werden soll – mit weniger Rotlicht – macht die Lage nicht einfacher.
Jüngstes Beispiel ist die Schließung der Gin-Bar Botanical Affairs an der Weberstraße 10. Der langjährige Betreiber Patrick Witz bestätigt das Aus und sagt, er ziehe sich komplett aus der Altstadt-Gastronomie zurück – auch aus der Fou Fou Bar.
Für Gastronomen ist das ein alarmierendes Signal. Zwischen Sicherheitsbedenken, dem Schmuddelimage durch Müll, der tagelang bleibt und einem Nachbarschaftsstreit wird der Betrieb zunehmend schwierig. Während die Laufhäuser täglich geöffnet haben, sind die Orte, die das Geschäft mit käuflichem Sex ablösen und die Altstadt zum Ausgehviertel machen sollen, meist nur donnerstags bis samstags auf. Sonntags bis mittwochs ist deshalb wenig los im Viertel. Da ist es ein Viertel der heruntergezogenen Rollläden.
Ein Viertel unter Beobachtung
Das Leonhardsviertel steht damit gleich in mehrfacher Hinsicht unter Beobachtung: durch Behörden – und durch eine zunehmend kritische Öffentlichkeit.
Die Diskussion ist alt – doch eine dauerhafte Lösung scheint weiter entfernt denn je. Für Passanten bleibt vorerst die Unsicherheit, ob man sich auch spätabends noch unbeschwert durch die Straßen bewegen kann. Es gibt zum Beispiel Frauen, die gehen nur dann in die Weinstube Fröhlich, wenn sie auf diesem Weg begleitet werden.
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