Theaterrevue stürmisch gefeiert
75 Jahre Komödie im Marquardt: Eine turbulente Revue lässt Stuttgarts Theatergeschichte lebendig werden. Moni Hirschle wird für 45 Bühnenjahre geehrt. Prominente Weggefährten feiern mit. Dabei: Nobelpreisträger Bert Sakmann und Simone Rethel, Witwe von Johannes Heesters. Am Ende gibt es tosenden Applaus.
Manchmal sagt der Applaus mehr als jede Theaterkritik. Als sich am Ende der Jubiläumsrevue „Der 75. Geburtstag“ der Vorhang senkt, bricht im Goldenen Saal ein Jubel los, der kaum enden will. Die Revue ist weit mehr als ein Rückblick auf 75 Jahre Theatergeschichte. Sie ist eine Liebeserklärung an die Komödie, ihre Schauspielerinnen und Schauspieler, die Menschen hinter der Bühne – und an ihr treues Publikum.
Seit 1951 ist die Komödie im Marquardt eine Institution in Stuttgart. Große Namen prägen ihre Geschichte, Generationen von Zuschauern verbinden persönliche Erinnerungen mit diesem Theater. Aber wie erzählt man 75 Jahre an einem Abend? Bloß keine trockene Chronik daraus machen!
Stattdessen wird gespielt, gesungen, getanzt und gelacht. Anekdoten und Erfolgsmomente verbinden sich mit Szenen aus 75 Jahren Komödie. Vom Musical zur Mundart, vom Klassiker zur Krimikomödie, vom „Weißen Rössl“ über „Häberle und Pfleiderer“ bis zu „Sister Soul“. Oder ganz einfach: von Heesters bis Hirschle.
Dabei schaut die Revue keineswegs nur in den Rückspiegel. Multimediale Überraschungen zeigen: Die Komödie ruht sich nicht auf ihrer Tradition und den Erfolgen der Vergangenheit aus. Sie geht mit der Zeit und schaut nach vorne. Moderne Bühnentechnik, Videos und Live-Bilder mischen sich ins Geschehen und sorgen für Tempo und Überraschungen.
Happy Birthday! Die Komödie im Marquardt wird 75 – und bekommt sogar ein Baby
Für Monika „Moni“ Hirschle wird der 75. Geburtstag zu einem ganz besonderen Abend. Intendant Axel Preuß ehrt den Publikumsliebling bei der Premierenparty, denn vor genau 45 Jahren begann Monis Geschichte an der Komödie im Marquardt. 45 von 75 Jahren – deutlicher lässt sich kaum zeigen, wie eng Hirschle und dieses Theater miteinander verbunden sind.
Und die Jubilarin beweist, dass sie noch immer für Überraschungen gut ist. Für die Tanz-Choreographie ist Maryanne Kelly verantwortlich. Und siehe da: Moni Hirschle tanzt! Intendant Axel Preuß stellt amüsiert fest: Moni kann doch tanzen.
Zu den witzigsten multimedialen Einfällen gehört ein vermeintlich spontaner Ausflug hinter die Kulissen. Jörg Pauly zückt sein Handy und nimmt das Publikum mit. Seine Backstage-Bilder werden live auf die große Leinwand übertragen. Und was macht Moni Hirschle dort? Natürlich Linsen und Spätzle.
Der Ausflug ist fein inszeniert und zeigt, wie spielerisch die Revue moderne Mittel nutzt. Bühne und Hinterbühne, Vergangenheit und Gegenwart, Erinnerungen und neue Pointen vermischen sich. Das Publikum weiß manchmal gar nicht, was als Nächstes kommt – und genau das macht den Charme dieses Abends aus.
Auch im Publikum sitzt ein Stück Theatergeschichte. Simone Rethel, die Witwe von Johannes Heesters, feiert mit. Götz Schultheiß, Sohn der schwäbischen Schauspiellegende Walter Schultheiß, erlebt mit, wie die Geschichte des Hauses wieder lebendig wird. Regisseur und Produzent Frieder Scheiffele verfolgt die Revue sichtlich bewegt, auch Lena Mall, bekannt aus den „Fallers“, gehört zu den Gästen.
Mit dabei ist außerdem der Heidelberger Nobelpreisträger Bert Sakmann, Sohn von Bertold Sakmann, dem ersten Intendanten der Komödie im Marquardt. Vergangenheit und Gegenwart treffen sich damit nicht nur auf der Bühne, sondern auch in den Reihen des Goldenen Saals. Hier feiert eine große Theaterfamilie.
Zum 75. Geburtstag gibt es noch ein weiteres Geschenk: Die Jubiläumschronik „75 Jahre Komödie im Marquardt 1951–2026“ wird vorgestellt. Auf 200 Seiten erzählt sie von großen Schauspielern, besonderen Inszenierungen und unvergessenen Momenten. An dem Buch hat auch EchtStuttgart-Autor Uwe Bogen mitgearbeitet.
Die Geschichte der Komödie ist schließlich nicht nur Theatergeschichte, sondern ein Stück Stuttgart-Geschichte. In 75 Jahren verändert sich die Stadt, und auch die Unterhaltung wandelt sich durch Fernsehen, Internet und Streaming. Doch im Marquardt funktioniert noch immer, was schon 1951 funktioniert: Menschen sitzen gemeinsam im Saal, das Licht geht aus, der Vorhang öffnet sich – und im besten Fall lachen Hunderte gleichzeitig.
Nach der Vorstellung ist noch lange nicht Schluss. Es wird weitergefeiert und gesungen. Ein Lied wird zum musikalischen Geburtstags-Dankeschön an das Publikum, das der Komödie über Generationen die Treue hält.
Vielleicht liegt darin das Geheimnis dieser 75 Jahre. Theater lebt davon, dass Menschen kommen, lachen, sich erinnern – und wiederkommen. Genau das feiern alle an diesem Abend: mit großen Namen und kleinen Geschichten, bewegenden Erinnerungen, überraschenden Ideen und einer ordentlichen Portion schwäbischen Humors.
Dann kommt der Schluss. Und dieser Applaus.
Tosend. Begeistert. Nicht enden wollend.
Happy Birthday, Komödie im Marquardt. So feiert man 75 Jahre – und schaut dabei nach vorne.
Diese Festzelte unterstützen unsere Wasen-Berichterstattung 2026.
Wöchentliche Highlights, Events und Insides aus Stuttgart – kostenlos, jederzeit abmeldbar.