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Stuttgart-Album zum Firmenjubiläum

100 Jahre Skin Food: Warum Weleda auch ein Stück Stuttgart ist


Conny Mertz Aktualisiert am 5 Min. Lesezeit News

Was hat eine berühmte grüne Tube mit Stuttgart zu tun? Mehr als man denkt. Zum 100. Geburtstag von Skin Food erzählen wir von Rudolf Steiner, dem ungewöhnlichen Namen Weleda – und testen, wie sich „Nahrung für die Haut“ im Stuttgarter Weleda Spa anfühlt.

Einst und heute: Der Stuttgarter Rudolf Steiner, Begründer der Waldorfschule, die Ärztin Ita Wegman und der Chemiker Oskar Schmiede gelten als Gründer von Weleda. Fotos: Weleda

Erst einmal: Warum heißt Weleda eigentlich Weleda?

Weleda klingt nach Heilpflanzen, Naturkosmetik und ein bisschen nach einer Frau, die ziemlich genau weiß, welches Kraut gegen welches Zipperlein gewachsen ist. Damit liegt man gar nicht so falsch.

Der Name geht auf „Veleda“ zurück. So wurden einst weise und heilkundige Frauen bezeichnet; bekannt ist vor allem die germanische Seherin Veleda. Rudolf Steiner schlug den Namen für das junge Unternehmen vor. Damit Veleda nicht wie „Feleda“ ausgesprochen wird, wurde aus dem V am Wortanfang ein W.

Steiner hatte bei Weleda keine operative Leitungsfunktion. Für die geistigen Grundlagen des Unternehmens spielte der Begründer der Anthroposophie jedoch eine zentrale Rolle. Gemeinsam mit der Ärztin Ita Wegman und dem Chemiker Oskar Schmiedel entwickelte sich Anfang der 1920er-Jahre die Idee, Medizin und Körperpflege mit natürlichen Substanzen und Heilpflanzen zu verbinden.

Und hier kommt Stuttgart ins Spiel.

Rudolf Steiner, Stuttgart und die Anfänge einer neuen Medizin

Steiner war damals in Stuttgart kein Unbekannter. Die Stadt war ein wichtiger Schauplatz seiner praktischen Ideen. 1919 entstand hier die erste Waldorfschule. Ein Jahr später hielt Steiner vor Ärzten und Medizinstudierenden den sogenannten Ersten Ärztekurs. Weleda bezeichnet diese Vortragsreihe heute als eine Geburtsstunde der Anthroposophischen Medizin.

Die Grundidee war, den Menschen nicht nur als Ansammlung einzelner Symptome zu betrachten, sondern Körper, Geist und Seele zusammenzudenken. Steiner arbeitete dabei mit Ärzten und Chemikern an einem medizinischen Ansatz, bei dem unter anderem pflanzliche und mineralische Substanzen eingesetzt wurden.

Aus diesem Umfeld entstand schließlich auch Weleda. 1921 begann in Schwäbisch Gmünd die industrielle Produktion von Heil- und Körperpflegemitteln, ein Jahr später wurde dort der erste Heilpflanzengarten angelegt.

Deshalb ist Weleda zwar kein Stuttgarter Unternehmen im klassischen Sinne – der heutige Hauptsitz liegt im schweizerischen Arlesheim –, aber Stuttgart und die Region spielten in der Entstehungsgeschichte eine wichtige Rolle.

Und vielleicht erklärt diese Vorgeschichte auch, warum sich bei Weleda bis heute vieles um Pflanzen, Berührung und die Vorstellung dreht, den Körper nicht einfach nur von außen zu „bearbeiten“.

Der Weleda-Spa in Stuttgart hat mit geladenen Gästen den 100. Geburtstag von Skin Food gefeiert. Foto: Mertz

Dann kam das Essen für die Haut

Fünf Jahre nach der Unternehmensgründung, 1926, erschien eine Creme, die Weleda zunächst ziemlich unprätentiös „Grüne Hautcreme“ nannte. Darin steckten unter anderem Auszüge aus Stiefmütterchen, Kamille, Calendula und Rosmarin.

Später wurde daraus Skin Food. Übersetzt heißt das schlicht: Essen für die Haut.

Offenbar braucht also nicht nur der Mensch Frühstück, Mittag- und Abendessen. Auch unsere Haut möchte gelegentlich gefüttert werden. Nahrung für die Haut – nur eben mit Calendula statt Spätzle.

Das Konzept scheint nicht ganz schlecht gealtert zu sein: Die grüne Creme wird 2026 tatsächlich 100 Jahre alt.

Ein bemerkenswertes Alter in einer Beautybranche, in der gefühlt alle paar Monate ein neuer Wirkstoff entdeckt wird, ohne den unsere Haut angeblich kaum überleben könnte.

Kosmetik ist heute der Wachstumsmotor

Und die Kosmetik ist für Weleda längst mehr als ein schönes Zusatzgeschäft. 2025 stieg der Gesamtumsatz um 6,2 Prozent auf den Rekordwert von 484,6 Millionen Euro. Mehr als 80 Prozent davon kamen aus der Kosmetik, deren Umsatz um 9,2 Prozent auf 401,9 Millionen Euro zulegte.

Weniger gut lief es im Pharmageschäft, dessen Umsatz auf 82,7 Millionen Euro zurückging. Gleichzeitig drückten hohe Investitionen in Marke, neue Produkte und Marketing auf den Gewinn: Das operative Ergebnis sank von 23 auf 9,5 Millionen Euro.

Die Zahlen zeigen vor allem eines: Kosmetik ist heute der Wachstumsmotor von Weleda. Und damit bekommen 100 Jahre Skin Food neben aller Jubiläumsromantik auch eine ziemlich aktuelle wirtschaftliche Bedeutung.

100 Jahre später: Wir legen uns auf die Liege

Zum Geburtstag von Skin Food wollten wir von EchtStuttgart nicht nur in der Geschichte stöbern. Wir wollten wissen, wie sich diese Vorstellung von Hautpflege heute anfühlt.

Also haben wir im Weleda Spa Stuttgart unweit des Rathauses eine Gesichtsbehandlung getestet. Und ziemlich schnell festgestellt: Hier wird alles mit der Hand gemacht. Keine Apparatur surrt neben der Liege. Kein Gerät fährt über die Wangen. Nichts saugt, schleift oder blinkt. Es gibt keine Maschine, die verspricht, mit irgendeiner revolutionären Technologie unsere Haut innerhalb von 20 Minuten ins Jahr 2003 zurückzuversetzen.

Hier wird konsequent mit den Händen gearbeitet.

Die Behandlung beginnt mit einem Gong. Ein kurzer Ton – und dann darf der Alltag draußen bleiben. Zunächst wird die Haut mit einem Reinigungsfluid gereinigt. Es folgen warme Kompressen, die schon für sich genommen ausgesprochen angenehm sind. Dazu kommen Akupressur und Massage.

Alles geschieht mit den Händen.

Gerade das macht die Behandlung besonders. Die Berührungen sind ruhig, die Massagegriffe bewusst gesetzt. Bei der Akupressur wird mit den Fingern gezielt Druck ausgeübt. Dazwischen immer wieder Wärme und Pflege.

Man merkt irgendwann, dass man nicht mehr darüber nachdenkt, was nach dem Termin noch erledigt werden muss. Man liegt einfach da. Und entspannt.

Und dann wieder: Gong

So wie die Behandlung begonnen hat, endet sie auch. Mit einem Gong. Danach fühlt sich die Haut tatsächlich anders an: weich, gut durchfeuchtet und angenehm gepflegt. Man spürt regelrecht, dass sie Feuchtigkeit aufgenommen hat.

Noch deutlicher spürt man allerdings etwas anderes: Man selbst ist heruntergefahren.

Und vielleicht ist genau das der angenehmste Teil der Behandlung. Hier wird nicht versucht, mit möglichst viel Technik möglichst viel Effekt zu demonstrieren. Es ist erstaunlich unspektakulär – warme Kompressen, Pflegeprodukte, Akupressur und zwei Hände.

Und gerade deshalb ausgesprochen wohltuend.

Eine Hundertjährige zwischen Steiner und Glow

Auf der einen Seite steht bei Weleda eine über hundert Jahre alte Vorstellung davon, dass Mensch und Natur miteinander verbunden sind. Auf der anderen Seite steht eine Kosmetikbranche, die heute von Glow, Social Media und immer neuen Trends lebt. Und mittendrin steht seit 1926 diese grüne Tube.

Hundert Jahre später kann man über so viele Treue zur Ursprungsidee ein wenig schmunzeln. Aber wenn man nach einer Stunde Massage entspannt aufsteht, die Haut weich ist und der letzte Gong verklungen ist, denkt man: So schlecht scheint die Idee mit dem Hautfutter nicht gewesen zu sein

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Conny Mertz

Conny Mertz

Als Podcasterin wird sie viel gehört. Mit „Klartext – Die Wahrheit über Fehler und Mythen in der Hundeerziehung“, den die gebürtige Stuttgarterin mit dem Hundepsychologen Adam Höpfl produziert, ist sie regelmäßig in den Top 20 der meistgehörten Tierpodcasts Deutschlands vertreten. Klare Worte, Tiefgang, Witz und Verständlichkeit sind dabei ihr Markenzeichen. Viele Jahre arbeitete Conny Mertz als Radiomoderatorin, Journalistin und Nachrichtenredakteurin. Ein Berufsalltag geprägt von Stress, wechselnden Schichten, Zeitdruck – sie weiß aus eigener Erfahrung, wie man mit Druck umgeht und handlungsfähig bleibt. Dieses Wissen gibt sie heute weiter: als ausgebildete Reittherapeutin, vor allem an Kinder. Ihr Fundament ist die Musik. An der Musikhochschule Stuttgart studierte sie Klavier und Rhythmik und schloss ihr Studium als Diplom-Musikpädagogin ab. Das geschulte Hören, das feine Gespür für Takt und Zwischentöne prägen ihre Arbeit.

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  1. Erst einmal: Warum heißt Weleda eigentlich Weleda?
  2. Rudolf Steiner, Stuttgart und die Anfänge einer neuen Medizin
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  4. Kosmetik ist heute der Wachstumsmotor
  5. 100 Jahre später: Wir legen uns auf die Liege
  6. Und dann wieder: Gong
  7. Eine Hundertjährige zwischen Steiner und Glow
  8. Mehr zur Stadtgeschichte erfahrt Ihr in den Büchern unseres Lokalteilverlags, die könnt ihr hier bestellen.

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