20 Jahre Weltladen in Degerloch
20 Jahre, viele Ehrenamtliche und eine gemeinsame Idee: Die Welt ein Stück gerechter machen. Der Weltladen Degerloch feiert Jubiläum und zeigt, warum Fairer Handel bis heute wichtig ist – und wie wir alle beim Einkaufen etwas dazu beitragen können. EIne neue Folge unserer Serie "Helfen macht happy".
„Gerecht wird die Welt von morgen sein. Oder sie wird nicht sein!“
Hélder Câmara
Dieser Satz bringt auf den Punkt, was die Menschen im Weltladen Degerloch seit 20 Jahren antreibt: die Vision einer gerechteren Welt. Einer Welt, in der unser Konsum nicht auf Kosten derjenigen geht, die Kaffee anbauen, Kakao ernten, Baumwolle verarbeiten, Schmuck herstellen oder Körbe flechten.
Denn hinter vielen Dingen, die für uns selbstverständlich sind, stehen Menschen am anderen Ende der Welt. Kaffee, Kakao, Tee, Reis oder exotische Früchte legen weite Wege zurück, bevor sie bei uns auf dem Tisch stehen. Dasselbe gilt für Baumwolle, Seide, Alpaka und Wolle, für Keramik, Schmuck und zahlreiche andere Produkte.
Fairer Handel beginnt bei diesen Menschen.
Im Mittelpunkt steht eine einfache Forderung: Wer arbeitet, muss von dieser Arbeit leben können. Eine faire Bezahlung soll es ermöglichen, die eigene Familie zu ernähren, Kinder zur Schule zu schicken, gesundheitliche Versorgung in Anspruch zu nehmen und für das Alter vorzusorgen. Ebenso wichtig sind menschenwürdige Arbeitsbedingungen und soziale Sicherheit – etwa die Gewissheit, den Arbeitsplatz nicht wegen Krankheit oder Schwangerschaft zu verlieren.
Diese Grundsätze finden sich auch in den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen wieder, insbesondere in Ziel 8: menschenwürdige Arbeit und nachhaltiges Wirtschaftswachstum.
Fairer Handel bedeutet dabei mehr als einen höheren Preis für ein Produkt. Er steht für langfristige Handelsbeziehungen, verlässliche Perspektiven und die Möglichkeit für Produzentinnen und Produzenten, ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen aus eigener Kraft zu verbessern.
Oder, wie es Hélder Câmara formulierte:
„Wenn Ihr uns gerechte Preise zahlt, könnt ihr eure Almosen behalten.“
Zu den Werten des Weltladens gehört deshalb auch das Recht von Kindern auf Bildung. Wenn Eltern für ihre Arbeit angemessen bezahlt werden, müssen Kinder nicht zum Familieneinkommen beitragen, sondern können zur Schule gehen.
„Fairer Handel heißt für uns, dass wir unsere Kinder zur Schule schicken können“, beschreibt Sunita, Schatzmeisterin des TARA Project in Indien, diese Wirkung ganz unmittelbar.
Ein weiterer Grundgedanke ist Solidarität. Fairer Handel unterstützt gemeinschaftliche und genossenschaftliche Strukturen und kann Menschen dabei helfen, ihre Interessen selbstbewusst zu vertreten. Produzentinnen und Produzenten sollen nicht Empfänger von Almosen sein, sondern gleichberechtigte Partner im Handel.
Dazu gehört schließlich auch Bewusstseinsbildung hier bei uns. Denn unsere täglichen Kaufentscheidungen sind mit Arbeitsbedingungen, Ressourcenverbrauch und Klimafolgen in anderen Teilen der Welt verbunden. Wer weiß, woher ein Produkt kommt und unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde, kann bewusster entscheiden.
Die Geschichte der Weltläden reicht weit über die Gründung des Degerlocher Ladens hinaus. Anfang der 1970er Jahre entstanden in Deutschland erste Aktionen für einen gerechteren Welthandel. 1973 eröffnete in Stuttgart ein erster „Dritte-Welt-Laden“.
Aus der damaligen Protestbewegung entwickelte sich eine Bewegung, die bis heute konkrete Alternativen im Handel sichtbar macht. Weltläden verkaufen fair gehandelte Produkte, informieren über globale Zusammenhänge und setzen sich politisch und gesellschaftlich für gerechtere Handelsbedingungen ein.
Seit 2006 ist auch Degerloch Teil dieser Geschichte.
Dass der Weltladen dort nun seinen 20. Geburtstag feiern kann, ist vor allem dem Engagement vieler Menschen zu verdanken. Ehrenamtliche investieren Zeit, Wissen und Begeisterung, beraten Kundinnen und Kunden, kümmern sich um das Sortiment und tragen die Idee des Fairen Handels in den Stadtbezirk.
Am Samstag, 10. Oktober 2026, lädt der Weltladen Degerloch deshalb von 10 bis etwa 16 Uhr an der Felix-Dahn-Straße 11A ein.
Die Besucherinnen und Besucher erwartet ein buntes Jubiläumsprogramm mit kleinen Köstlichkeiten und verschiedenen Programmpunkten. Geplant sind unter anderem eine Modenschau, Folklore, eine Kinderlesung und Klangschalen.
Das Jubiläum soll dabei nicht nur ein Blick zurück sein. Es ist auch eine Einladung, den Weltladen neu kennenzulernen: seine Produkte, die Geschichten dahinter und die Menschen, die sich in Degerloch für den Fairen Handel einsetzen.
Und vielleicht entsteht aus einem Besuch sogar mehr. Denn ein Weltladen lebt nicht allein von Menschen, die dort einkaufen, sondern ebenso von Menschen, die sich einbringen möchten. Neue ehrenamtliche Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind deshalb herzlich willkommen.
Nach 20 Jahren ist die Grundidee des Weltladens Degerloch unverändert: Globale Gerechtigkeit beginnt nicht erst irgendwo weit entfernt. Sie hat auch mit unseren Entscheidungen hier in Stuttgart zu tun.
Niemand verändert mit einer Tafel Schokolade, einer Packung Kaffee oder einem Kleidungsstück allein die Welt. Aber fairer Handel zeigt, dass wirtschaftliche Beziehungen anders gestaltet werden können – partnerschaftlicher, langfristiger und mit größerem Respekt vor der Arbeit der Menschen am Anfang einer Lieferkette.
Seit 20 Jahren versucht der Weltladen Degerloch, genau dafür einen konkreten Ort zu schaffen.
Am 10. Oktober wird gefeiert – und alle sind eingeladen, mitzufeiern, den Weltladen kennenzulernen und zu entdecken, was Fairer Handel ganz praktisch bedeuten kann.
20 Jahre Weltladen Degerloch
Samstag, 10. Oktober 2026, 10 bis ca. 16 Uhr, Felix-Dahn-Straße 11 a, Stuttgart-Degerloch
Mit kleinen Köstlichkeiten, Modenschau, Folklore, Kinderlesung, Klangschalen und weiteren Programmpunkten.
Diese Festzelte unterstützen unsere Wasen-Berichterstattung 2026.
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