Nach schwierigen Jahren
Nach schwierigen Anfangsjahren kommt mehr Leben in die Calwer Passage. Vor allem die chinesischen Kult-Nudeln von Wen Cheng entwickeln sich zum Publikumsmagneten. Am Samstag wird der vierte Geburtstag gefeiert – während sich draußen die spektakuläre Pflanzenfassade herbstlich rot färbt.
Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet chinesische Nudeln der Calwer Passage neuen Schwung verleihen? Seit Wen Cheng Mitte September seinen ersten Stuttgarter Standort eröffnet hat, bilden sich vor dem Restaurant Schlangen. Selbst sonntags warten Gäste schon vor der Öffnung um 17 Uhr. Die „Big Fat Hand Pulled Noodles“, breite, von Hand gezogene Biang-Biang-Nudeln, haben in Berlin längst Kultstatus – und funktionieren offensichtlich auch in Stuttgart.
Das tut der Calwer Passage gut. Nach schwierigen Anfangsjahren ist in dem architektonisch spektakulären Gebäudekomplex deutlich mehr Leben zu spüren. Wen Cheng belebt dabei ausgerechnet die Seite zur Theodor-Heuss-Straße, die bisher eher zu den stillen Ecken des Neubaus gehörte. Rote Hocker, besetzte Tische und wartende Gäste sorgen dort inzwischen für ein ganz anderes Bild.
Passend dazu gibt es am Samstag, 10. Oktober, einen weiteren Grund für Betrieb: Die Calwer Passage feiert ihren vierten Geburtstag. Unter dem Motto „CALWERBRATION“ soll sie von 13 bis 19.30 Uhr zur kleinen Partymeile werden.
Ein DJ sorgt für Musik, dazu gibt es ein Flying Buffet mit Spezialitäten aus der Gastronomie der Passage. Hostessen und der Stuttgarter „Chaosbutler“ Theo Steichele servieren die Häppchen. Die Künstlerin Jolanda verwandelt Macarons des Cafés Isabella mit Kalligrafie in kleine Kunstwerke. Für Kinder gibt es eigens gestaltete Pustefix-Seifenblasen.
An diesem Mittwoch legt von 16 Uhr an eine DJ-Legende in Calwer Passage auf: Uwe Sontheimer sorgt im Sotto Sopra immer am ersten Mittwoch im Monat für schöne After-Work-Stimmung. l
Als die neue Calwer Passage 2022 eröffnet wurde, waren die Erwartungen riesig. Rund 11.000 Pflanzen wachsen an den Fassaden, auf dem Dach entstand ein kleiner Mischwald. Der von Ferdinand Piëch entwickelte Komplex wurde als ökologisches Vorzeigeprojekt weit über Stuttgart hinaus wahrgenommen.
Doch spektakuläre Architektur allein füllt keine Passage. In den ersten Jahren waren nicht alle Flächen belegt, angekündigte Gastronomie ließ auf sich warten, und nach Ladenschluss wurde es schnell ruhig. Bei Gesprächen mit Mietern fiel immer wieder derselbe Satz: „Da ist noch Luft nach oben.“
Inzwischen sieht es besser aus. Wen Cheng ist dafür das derzeit sichtbarste Beispiel. Wo Menschen für einen Tisch anstehen und sich vor einem Restaurant eine Schlange bildet, entsteht jene Frequenz, die auch den anderen Geschäften und Gastronomen zugutekommt.
Und möglicherweise folgt bald der nächste Schritt. Beim italienischen Restaurant Da Sergio, das seit über einem Jahr leer steht, deutet sich eine Wiedereröffnung unter neuer Leitung an. Offiziell bekannt gegeben ist das allerdings noch nicht.
Zum vierten Geburtstag liefert die Calwer Passage außerdem ein Schauspiel, für das kein DJ und kein Gastro-Hype nötig sind. Ihre berühmte grüne Fassade verändert gerade ihr Gesicht.
Im Sommer dominieren die Tausenden Pflanzen mit sattem Grün. Im Herbst färben sich Teile der Fassade rot, bevor die Blätter fallen. Dann beginnt die Arbeit der Gärtner – und auch die Fensterputzer können wieder besser an die Glasflächen heran.
Vier Jahre nach dem Neustart verändert sich die Calwer Passage damit gleich doppelt: außen mit den Jahreszeiten und innen durch neue Publikumsmagneten.
CALWERBRATION: Samstag, 10. Oktober, 13 bis 19.30 Uhr, Calwer Passage. DJ, Flying Buffet, Macarons-Kalligrafie und Seifenblasen für Kinder.
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