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NewsletterDas Wichtigste aus Stuttgart, kostenlosJugend-Proteste am 31. Oktober
Stuttgart steht bei der Zahl der Anmeldungen für die Gen-Z-Proteste am 31. Oktober bundesweit an der Spitze: Über 9400 Menschen haben sich online eingetragen – so viele wie bisher in keiner anderen Stadt. Während die CDU vor Ausschreitungen warnt, distanzieren sich die Organisatoren von Gewalt.
Stuttgart steht ganz oben auf der Liste: Wenn am Samstag, 31. Oktober 2026, die Generation Z bundesweit auf die Straße geht, könnte der Kessel zu einem der wichtigsten Schauplätze werden. Auf der Internetseite der Initiative „Gen Z regelt“ haben sich für Stuttgart – Stand Samstag, 15 Uhr – bereits 9439 Menschen als Teilnehmer eingetragen. Das ist nach den veröffentlichten Zahlen der höchste Wert unter den 23 beteiligten Städten. Dahinter folgen Erfurt mit 8898 und Köln mit 8463 Eintragungen.
Die Zahlen sind bemerkenswert, zumal Stuttgart damit auch deutlich größere Städte wie Berlin, Hamburg oder München hinter sich lässt. Allerdings handelt es sich bei den Angaben nicht um verbindliche Anmeldungen oder behördliche Teilnehmerprognosen. Auf der Website können Interessierte mit einem Klick signalisieren, dass sie dabei sein wollen. Wie viele Menschen am Ende tatsächlich demonstrieren, bleibt offen.
In Stuttgart soll die Kundgebung um 14 Uhr auf dem Schlossplatz beginnen. Anschließend ist ein Demonstrationszug durch die Innenstadt vorgesehen. Auf den Plakaten, die dafür werben, sieht man eine vermummte Person mit einer Uhr in der Hand, die auf fünf vor zwölf steht.Laut Paragraf 17 des Versammlungsgesetzes (VersG) ist es verboten, sich bei öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel (wie Demonstrationen) oder auf dem Weg dorthin zu vermummen.
Hinter den bundesweiten Protesten steht die Initiative „Gen Z regelt“, die auch unter dem Namen „Gen Z steht auf“ auftritt. Sie will jungen Menschen eine Stimme geben, die sich von der Politik nicht ausreichend gehört fühlen.
Die Generation Z umfasst je nach Definition ungefähr die zwischen 1995 und 2010 beziehungsweise 1997 und 2012 Geborenen. Viele von ihnen stehen am Beginn ihres Berufslebens, studieren, machen eine Ausbildung oder besuchen noch die Schule.
Die Initiatoren kritisieren, dass über ihre Zukunft entschieden werde, ohne ihre Interessen ausreichend zu berücksichtigen. Sie beklagen marode Schulen, Kürzungen bei Bildung und Sozialleistungen, steigende Lebenshaltungskosten und fehlende Perspektiven auf dem Wohnungsmarkt.
Auch die Debatte um Wehrpflicht und Musterung spielt eine wichtige Rolle. Die jungen Demonstranten wenden sich dagegen, für militärische Konflikte herangezogen zu werden, über die sie nicht mitentscheiden konnten.
Weitere Themen sind die zunehmende Überwachung, Probleme im Gesundheitswesen, der Fachkräftemangel und der politische Rechtsruck. Die Initiative bezeichnet sich selbst als überparteilich und unabhängig von politischen Parteien.
Die bundesweite Initiative wird von einem kleinen Organisationsteam getragen. Auf ihrer Internetseite wird Akram Selo als Verantwortlicher genannt. EchtStuttgart hat mit ihm telefoniert. Akram ist 18-jähriger Abiturient aus Bayern. Er habe die Website selbst entwickelt und dabei mithilfe von KI gearbeitet. Selo sagte, dass es sich bei dem Bündnis um einen Zusammenschluss junger Menschen handle, die sich vorwiegend über das Netz gefunden und zusammengeschlossen hätten und über ganz Deutschland verteilt seien. Das Stuttgarter Plakat mit der vermummten Person stamme nicht von der zentralen Initiative: „Das haben die Stuttgarter selbst gemacht.“
Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen den bundesweiten Organisatoren und den örtlichen Initiativen. Für die Demonstration in Stuttgart ist das bundesweite Kernteam nicht unmittelbar verantwortlich. Die Planung und Durchführung übernimmt eine eigenständige lokale Initiative, die mit der bundesweiten Bewegung kooperiert.
In Stuttgart wird unter anderem über den Instagram-Account @gen.z_regelt mobilisiert. Wer die örtliche Initiative im Einzelnen vertritt und wer die Versammlung offiziell angemeldet hat, ist bisher nicht öffentlich bekannt. Auf der Stuttgart-Seite der Initiative erklärt ein junger Mann, dessen Gesicht verpixelt ist: „Wir sind wütend, und sie haben Angst. Die Medien stellen uns als Islamisten und Linksradikale dar. Das zeigt uns nur, wie sehr sie zittern, wenn die Wut der Jugend endlich sichtbar wird.“
Während die Anmeldezahlen steigen, wächst in Teilen der Stuttgarter Politik und Wirtschaft die Sorge vor möglichen Ausschreitungen. Hintergrund sind unter anderem politische Parolen und Schmierereien an mehreren Schulgebäuden. Schriftzüge wie „Krieg dem Krieg“ und „Kämpfen wie in Frankreich“ haben bei der Stuttgarter CDU Besorgnis ausgelöst. Die Gemeinderatsfraktion sieht darin ein „alarmierendes Warnsignal“. Sie verweist auf gewaltsame Ausschreitungen bei Protesten in Frankreich und befürchtet, dass es auch in Stuttgart zu Sachbeschädigungen oder Angriffen auf Polizeibeamte kommen könnte.
Die CDU hat deshalb beantragt, ein mögliches Versammlungsverbot rechtlich prüfen zu lassen. Das Amt für öffentliche Ordnung soll die Gefahrenlage bewerten und gegebenenfalls die rechtlichen Handlungsmöglichkeiten ausschöpfen.
Allerdings bedeutet der Antrag nicht, dass die Demonstration verboten ist oder konkrete Hinweise auf geplante Gewalttaten vorliegen. Die Versammlungsfreiheit ist grundrechtlich geschützt. Für ein Verbot gelten entsprechend hohe rechtliche Hürden.
Die bundesweiten Organisatoren distanzieren sich ausdrücklich von Gewalt und Extremismus. Sie weisen auch Vergleiche mit den gewaltsamen Ausschreitungen in Frankreich zurück. Auf ihrer Homepage steht klar und eindeutig: „Unser Protest ist friedlich, ohne Ausnahme. Gewalt gegen Menschen oder Sachen widerspricht allem, wofür wir stehen. Nur friedlich können wir gemeinsam etwas erreichen.“
Auch in der Stuttgarter Innenstadt sorgen die angekündigten Proteste für Unruhe. Bei der City-Initiative Stuttgart seien besorgte Anrufe und E-Mails von Mitgliedsunternehmen eingegangen, schreibt City-Manager Holger Siegle in einer Mail an alle Mitglieder. Daraufhin habe man sich mit dem Ordnungsamt und der Polizei ausgetauscht. Deren Rückmeldungen dürften viele Händler beruhigen: Den Behörden liegen demnach bisher keine Erkenntnisse vor, die auf einen unfriedlichen Verlauf der Demonstration hindeuten. Auch die Aufstellfläche auf der Planie und die Route des anschließenden Demonstrationszuges seien so gewählt worden, dass Einzelhandel und Gastronomie möglichst wenig beeinträchtigt werden.
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