Patrick Mikolaj
VON PORTAL UND SCHREIBEREI
6. Februar 2026
Wenn man die Alte Kanzlei am Schillerplatz genau betrachtet, wird man feststellen, dass das Gebäude aus zwei Teilen besteht. In der Mitte überragt ein Treppengiebel das Dach. Er ist die sichtbare Spitze einer Brandmauer, die die beiden Gebäudehälften voneinander trennt. Daher gibt es auch gleich zwei reich geschmückte Eingangsportale, und jeder Gebäudeteil hat seinen eigenen,
markanten Treppenturm. Der ältere, näher am Alten Schloss gelegene Teil der Kanzlei entstand bis 1544 und sollte die Landschreiberei und die Hof- und Rentkammer aufnehmen. Da die Beamten bequem zwischen dem Schloss – das von einem Wassergraben umgeben war – und ihrer Amtsstube wechseln können sollten, verband ein überdachter Holzsteg beide Gebäude. Die Kanzlei musste jedoch immer mehr Beamte aufnehmen, was dazu führte, dass bereits 23 Jahre später ein Erweiterungsbau errichtet wurde und man das bestehende Gebäude um eine Etage aufstockte. In den 1830er-Jahren entstand an der Königstraße schließlich ein neuer Kanzleibau. Seither trägt das Doppelhaus am Schillerplatz den Namen Alte Kanzlei. Im Altbau haben die Finanzbeamten jedoch längst für einen anderen Verwaltungszweig Platz gemacht. Die Büroräume über dem
Restaurant im Erdgeschoss werden heute vom Landesjustizministerium genutzt.
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