Uwe Bogen

Porträt

Mehr als Glamour: Lamy Apels Blick hinter die Oberfläche

17. April 2026

Er lebt zwischen Mode und Social Media: Instagram-Star und Hoteltester Lamy Apel steht für Spaß am Lifestyle – und für klare Worte. Mit EchtStuttgart spricht er über Erfolg,  über die Aktion „Helfen macht happy“ und über Homophobie, die noch immer nicht verschwunden ist.

Lamy Apel: Er hat immer was zu lachen. Foto: Klaus Schnaidt

Er fällt auf, wenn er durch die Straßen von Stuttgart läuft: lange Haare, manchmal ein Rock, immer ein klarer Blick für Stil und Details. Lamy Apel ist kein typischer Influencer – und genau das ist ihm wichtig. Auch wenn er auf Instagram rund 24.300 Follower erreicht und dort regelmäßig Tipps zu Mode, Hotels und Lifestyle teilt, lehnt er den Begriff „Influencer“ für sich ab.

„Ich will keine Menschen beeinflussen“, sagt er. Stattdessen nennt er sich lieber Brand Ambassador – Botschafter für Marken, aber vor allem für einen Lebensstil, der auf Authentizität basiert. Auffällig: Lamy lächelt während unseres Gesprächs im Stuttgarter Fellini beinahe durchgehend – ein Ausdruck seiner Persönlichkeit, der seine offene und zugewandte Art unterstreicht.

Herkunft aus einer vom Krieg geprägten Kindheit

Seine Geschichte beginnt weit entfernt von Stuttgart. Im Kosovo wuchs Lamy Apel in einer Zeit auf, die von Konflikten geprägt war. Sein Vater, ein Arzt, habe im Krieg verletzte Soldaten behandelt und sei später selbst im Krieg gestorben – ein Verlust, der seine Biografie tief prägt, wie auch später der Tod seiner Mutter, die an einer schweren Krankheit starb. Solche Erfahrungen, sagt Lamy, hätten seinen Blick auf das Leben früh verändert: Nichts sei selbstverständlich, und Freiheit habe einen hohen Preis.

Trotz dieser schweren Ausgangslage fand er seinen Weg in die Kreativität. Im Kosovo studierte Lamy Modedesign, mit dem Ziel, in der internationalen Modewelt Fuß zu fassen. Eigentlich wollte er später für einen Modejob nach Indien gehen – ein Plan, der sich jedoch auf unerwartete Weise änderte.

Stuttgart als Wendepunkt

Auf seiner Reise blieb Lamy in Stuttgart hängen. Hier begann ein neuer Lebensabschnitt, nicht nur beruflich, sondern auch privat. Er verliebte sich in einen deutlich älteren Rechtsanwalt – heute ist sein Mann 72 Jahre alt. Über sein eigenes Alter spricht Lamy nicht. Sein Mann habe keine Probleme damit, sagt er. Demnach hat der Insta-Star diese schon. Doch beim Abblocken bei dieser Frage beruft er sich auf seine Großmutter. Von ihr habe er gelernt, über drei Dinge  niemals zu sprechen – über sein Alter, sein Vermögen und seine Religion. Diese Themen seien tabu. 

Lamy Apel mit seinem Mann Gunter Mickert. Foto: privat

Erfolg im Netz – aber anders definiert

In der digitalen Welt  hat Lamy Apel eine klare Nische gefunden. Er testet Hotels, bewertet Mode, berichtet über Events  – und spart dabei nicht mit ehrlichen Einschätzungen. Wenn ihm etwas nicht gefällt, sagt er das auch. Genau diese Mischung aus Ästhetik und Kritik sei Teil seines Erfolgs. Unternehmen bezahlen ihn dafür, dass er ihre  Events besucht und  sie seinem großen Netzwerk vorführt. 

Für ihn sind drei Dinge entscheidend im Influencer-Business: Authentizität, Ehrlichkeit und Konsequenz. Wer alles gut finde, verliere seine Glaubwürdigkeit. Deshalb gehört es für ihn dazu, auch einmal ein Hotel kritisch zu bewerten oder Trends zu hinterfragen.

Ein Aspekt, der ihm besonders auffällt: „Es sind ja vor allem Frauen, die im Netz erfolgreich als Influencer sind“, sagt er. Der Unterschied liege häufig in der Kommunikation und im Umgang mit Kooperationen. Während viele Creator eng mit Marken abgestimmt arbeiten, geht Lamy bewusst einen anderen Weg. Er betont, dass er unabhängig arbeite – ohne feste Vorgaben und ohne inhaltliche Freigaben. Diese Freiheit sei für ihn entscheidend, um authentisch zu bleiben.

„Am Ende gilt für mich: weniger ist mehr“

Unternehmen wollten sich naturgemäß von ihrer besten Seite zeigen, erklärt er. Für ihn stehe jedoch die Ehrlichkeit gegenüber seiner Community an erster Stelle. Nicht jede Kooperation komme deshalb zustande. Er wähle sehr bewusst aus, mit wem er arbeite. „Am Ende gilt für mich: Weniger ist mehr“, sagt Lamy. Qualität, Glaubwürdigkeit und eine echte Verbindung zur Community seien langfristig wichtiger als kurzfristige Deals.

Dass er damit erfolgreich ist, zeigt sich nicht nur in seiner Community, sondern auch in seiner Medienpräsenz. In der SWR-Talkshow „Nachtcafé“ sprach er kürzlich über seinen Weg, sein Glück und die Frage, was Erfolg eigentlich bedeutet. „Hinterher gab es viel Lob, aber auch Hasskommentare“, erzählt er. Auch wenn das Land deutlich freier geworden ist, sei Homophobie nicht immer offensichtlich, aber präsenter, als viele wahrnehmen.

Luxus, Lifestyle und die Frage nach dem Sinn

Lamy Apel bewegt sich in einer Welt, die oft mit Luxus assoziiert wird – Hotels, Mode, Reisen. Doch er stellt diese Oberfläche regelmäßig infrage. Ist das nicht alles zu oberflächlich? Kommt es im Leben nicht auf wichtigere Dinge an?

Er selbst sagt, dass er diese Spannung sehr bewusst wahrnimmt. Gerade weil er ständig mit schönen Dingen zu tun hat, sei es wichtig, den Blick für das Wesentliche nicht zu verlieren. Glück bedeutet für ihn, anderen zu helfen, denen es nicht so gut geht. „Helfen macht happy“ – ein Satz, den auch das Online-Magazin Echt Stuttgart als Leitgedanken versteht.

Lamy unterstützt vier Patenkinder finanziell, lädt deren Familien zu gemeinsamen Essen ein und versteht Hilfe als aktiven Teil seines Lebensstils. Erfolg, so seine Haltung, macht nur dann Sinn, wenn er geteilt wird.

Zwischen Sichtbarkeit und Unabhängigkeit

Auffällig an Lamy ist nicht nur sein Stil, sondern auch sein Bedürfnis, sich nicht anzupassen. Er mag es, wenn ihn Menschen auf der Straße erkennen – etwa an seinen langen Haaren oder seinem auffälligen Auftreten. Gleichzeitig lehnt er jede Form von Konformität ab. Sein Leben soll nicht „angepasst“, sondern echt sein.

Diese Haltung zieht sich konsequent durch seine Arbeit und seine Präsenz in sozialen Medien. Er inszeniert sich nicht als makellose Projektionsfläche, sondern als Mensch mit Haltung, Geschmack und klaren Grenzen.

Ein ungewöhnlicher Traum

Trotz seines mobilen Lebens zwischen Hotels, Events und digitalen Plattformen hat Lamy Apel einen sehr konkreten Traum: Er möchte irgendwann wie Udo Lindenberg dauerhaft in einem Hotel leben.

Was auf den ersten Blick wie eine extravagante Idee wirkt, ist für ihn Ausdruck einer Lebensphilosophie. Hotels seien Orte des Übergangs, aber auch der Möglichkeiten – ständig in Bewegung, aber doch mit Struktur. Vielleicht passt genau dieses Spannungsfeld zu seinem eigenen Leben.

Was macht das mit einem Menschen?

Menschen, die ständig mit Luxus, Schönheit und perfekter Inszenierung konfrontiert sind, stehen oft vor einer inneren Herausforderung: Die Gefahr der Abstumpfung oder der Distanz zum „echten Leben“ ist groß. Doch bei Lamy Apel zeigt sich ein anderes Bild. Er scheint genau diese Welt bewusst zu nutzen, um ihre Grenzen zu reflektieren.

Sein Umgang damit ist nicht distanziert, sondern kritisch und zugleich spielerisch. Luxus ist für ihn kein Selbstzweck, sondern Material – etwas, das er prüft, bewertet und in Beziehung zu echten Lebensfragen setzt: Was bleibt, wenn der Stil verschwindet? Was zählt, wenn die Kamera aus ist?

Zwischen Traum und Realität

Hat Lamy Apel seinen Traum bereits erfüllt? Lebt er schon das Leben, das er sich wünscht? Oder ist er noch unterwegs zwischen Herkunft, Gegenwart und Zukunft?

Vielleicht ist genau das seine Antwort: Ein fertiger Zustand ist gar nicht das Ziel. Sein Leben wirkt wie ein fortlaufendes Projekt zwischen Mode, Verantwortung, Liebe und Selbstdefinition.

Lamy glitzern gern. Foto: privat

Und vielleicht ist es genau das, was ihn in Stuttgart so sichtbar macht: Dass er trotz der Perfektion, die er nach außen zeigt, innerlich immer beweglich bleibt – und Menschen dazu ermutigt, es ihm gleichzutun. So zu sein, wie man ist, auch wenn sich daran jemand stört.

Sein Rat an die nächste Generation

Auch jungen Menschen, die Influencer werden wollen, gibt Lamy eine klare Botschaft mit. Er rät dazu, zunächst eine Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren und sich eine solide Grundlage aufzubauen. Denn das Leben als Creator könne schnelllebig sein und ebenso schnell wieder verschwinden.

Langfristiger Erfolg entstehe nicht über Nacht. Vielmehr seien es Jahre voller Arbeit, Kreativität und Disziplin, die hinter erfolgreichen Profilen stehen. Entscheidend sei es, eine eigene Stimme zu entwickeln, authentisch zu bleiben und echten Mehrwert zu bieten – sei es durch Unterhaltung, Wissen oder Inspiration.

Wer lediglich Trends folge oder auf schnelle Aufmerksamkeit aus sei, habe es schwer, sich dauerhaft zu behaupten. Nachhaltigkeit entstehe durch Kontinuität, Glaubwürdigkeit und eine echte Verbindung zur eigenen Community. Und ganz wichtig: Niemals abheben und sich niemals nur um sich selbst drehen!

Lamy Apel mit unserem Autor Uwe Bogen. Foto: Klaus Schnaidt

AKTUELLES

Social Media