Uwe Bogen

Bieter-Boom

Junger Chef, viele Bieter: Fabio Straub sieht Kunsthandel im Aufschwung

8. April 2026

Jung, sportlich, optimistisch. Wir sprachen mit Fabio Straub, 34,  Chef des  traditionsreichen Auktionshauses Nagel, über die Gründe für den neuen Schwung im Kunsthandel, den Boom junger Bieter und seine Pläne fürs Art Weekend.

Fabio Straub der Chef des traditionsreichen Stuttgarter Auktionshauses Nagel. Foto: Nagel

Wenn Fabio Straub wie so oft strahlt, wirkt sein Lächeln sofort echt – nicht gespielt. Sein Optimismus ist nun sogar noch authentischer: Denn der geschäftsführende Gesellschafter des Stuttgarter Auktionshauses Nagel ist überzeugt, dass sich der Markt für Kunst und Sammlerstücke nach schwierigen Jahren wieder belebt. Seit Juli 2025 beobachtet er einen klaren Aufschwung. „Die Leute sind nicht mehr so verängstigt“, sagt Straub im Gespräch mit EchtStuttgart.

Schon bald will der 34-Jährige die neue Dynamik im Markt sichtbar machen. Für den 9. und 10. Mai lädt sein Haus zum Art Weekend nach Stuttgart ein. Mit  Expertenführungen kann man  Highlights der kommenden Auktion „Schmuck, Uhren. Luxus“   entdecken. 

Die weltweiten Krisen haben viele inzwischen abgestumpft 

Der Inhaber der 1922 gegründeten GmbH, die zu den führenden Auktionshäusern in Deutschland gehört, deutet die neue Zuversicht im Kunsthandel auch als psychologischen Effekt der vergangenen Jahre. Die Welt sei von Krisen geprägt – geopolitische Konflikte, wirtschaftliche Unsicherheiten, Inflation. Doch statt dauerhaft zu lähmen, scheinen diese Nachrichten viele Menschen inzwischen abgestumpft zu haben.

„Die Leute lassen sich davon nicht mehr davon abhalten, sich Wünsche zu erfüllen“, sagt Straub. Und offenbar sei weiterhin viel Kapital vorhanden, das seinen Weg in den Kunstmarkt finde.

Kommt unter den Hammer: Feiner Jugendstil-Gold-Ring mit Emaille und Flügelperle Frankreich, Anfang 20. Jhdt. Aus einer alten bayerischen Sammlung. Foto: Nagel

Er spielt gern Tennis und schwärmt für schnelle Autos

Der Optimismus passt zu seinem Auftreten. Der Nagel-Chef ist kürzlich 34 Jahre alt geworden. In der Szene nennt man ihn  den „schönen Fabio“, weil er nicht nur selbstbewusst  und äußerst charmant auftritt,  sondern auch ein ausgesprochen gutes Erscheinungsbild hat – auch wenn er sich die Fliege zum Smoking schon mal von einem Freund binden lässt, weil er es allein nicht kann, wie etwa kürzlich beim Maskenball im Cannstatt Kursaal.

 Privat ist er Single. Wenn er einmal nicht zwischen Kunstwerken, Katalogen und Einlieferern unterwegs ist, findet man ihn meist beim Sport.

„Ich liebe Tennis und Sport allgemein, da ich hier perfekt abschalten kann“, sagt er. Und noch eine Leidenschaft hat er mit seinem Vater geteilt: schnelle Autos.

Sein Vater Robin Philipp Straub starb 2004 überraschend 

Seit 2021 arbeitet der Sportwagen-Fan im Auktionshaus Nagel, seit 2023 ist er alleiniger Geschäftsführer. Damit steht wieder ein Straub an der Spitze des traditionsreichen Hauses. Sein Vater Robin Philipp Straub hatte das Unternehmen 1995 von Gert Nagel übernommen. 2004 starb der Vater überraschend an Herzversagen, während die Familie gemeinsam im Urlaub war. Für den damals jungen Fabio ein prägendes Ereignis. Viele Jahre später führt nun der Sohn das Haus weiter.

 

Die Welt sei zwar weiterhin von Krisen geprägt – geopolitische Konflikte, wirtschaftliche Unsicherheiten, Inflation. Doch viele Mensch ließen sich davon nicht mehr davon abhalten, sich Wünsche zu erfüllen. Und offenbar sei weiterhin viel Kapital vorhanden, das seinen Weg auch in den Kunstmarkt finde.

Der Markt, den er heute verantwortet, ist allerdings im Wandel. Besonders moderne Kunst erzielt derzeit hohe Verkaufsquoten, berichtet Straub. Auch Schmuck läuft sehr gut. Schwieriger ist die Lage dagegen bei Oldtimern sowie bei Möbeln und Porzellan.

Keine Auktion mehr ohne Internet – weltweites Interesse

Eine Entwicklung stimmt ihn besonders positiv: Immer mehr junge Sammler beteiligen sich an Auktionen. Der Altersdurchschnitt der Käufer sei deutlich gesunken. Auch die Digitalisierung hat das Geschäft verändert. „Keine Auktion mehr ohne Internet“, sagt Straub. Die Interessenten kommen aus der ganzen Welt. Kunst wird dabei längst nicht nur aus Leidenschaft gekauft, sondern auch als Kapitalanlage.

Wie ein Auktionshaus an gute Werke kommt, entscheidet sich allerdings weiterhin vor allem über Beziehungen. Das Netzwerk spiele eine große Rolle, sagt Straub. Wer bedeutende Kunstwerke verkaufen will, spricht häufig mehrere Häuser gleichzeitig an, um Angebote zu vergleichen.

Dieser außergewöhnlicher ungefasste Diamant kommt unter den Hammer. Foto: Nagel

Dass Nagel auch spektakuläre Nachlässe vermarkten kann, hat das Haus mehrfach gezeigt. So versteigerte es unter anderem Objekte aus dem Besitz des verstorbenen Stuttgarter Ehepaares Monika und Horst Bülow, die als „Immobilienkönige“ der Stadt galten. Der Erlös lag bei rund 2,95 Millionen Euro. Auch der Luxus-Nachlass der Kaufhaus-Erbin Heidi Horten kam bei Nagel unter den Hammer – mit einem Versicherungswert von rund elf Millionen Euro.

Brillant hat einen Wert von 250.000 bis 280.000 Euro  

Die kommende Frühjahrsauktion am 12. Mai setzt diese Tradition fort. Zu den spektakulärsten Stücken gehört ein Brillant von sieben Karat in exzellenter Qualität (D/IF), der auf 250.000 bis 280.000 Euro geschätzt wird. Auch eine französische Brillantbrosche mit einem Mittelstein von über drei Karat sowie ein Vintage-Armband mit Türkisen und Brillanten aus dem Hause Cartier zählen zu den besonderen Angeboten.

Im Bereich der Uhren reicht die Auswahl von einer Rolex Day-Date in Gelbgold bis zu außergewöhnlich frühen Zeitmessern – etwa einer Renaissance-Tischuhr aus dem 16. Jahrhundert aus Brüssel oder einer Halsuhr um 1600.

Auch die Malerei bietet bedeutende Werke: ein detailreiches Blumenstillleben des flämischen Meisters Jan van Kessel, eine großformatige Historienkomposition von Gabriel Lemonnier, die einst für Kaiserin Joséphine von Beauharnais geschaffen wurde, sowie das Tierbild „Fünf weiße Enten im Schilfwasser“ von Alexander Koester.

Für Fabio Straub sind all diese Objekte mehr als nur Lose im Katalog. Sie stehen für einen Markt, der gerade wieder in Bewegung kommt. Nach Jahren der Zurückhaltung kehrt die Lust am Sammeln zurück – und damit auch der Optimismus im Auktionssaal.

 

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