Ehrenamt mit Herz mitten in Stuttgart
Volles Haus beim Grand Opening von LOVD an der Calwer Straße – einem Ort, an dem Helfen zur Herzenssache wird. Viele junge Volunteers engagieren sich hier ehrenamtlich – auch für STELP-Gründer Serkan Eren, der im Iran zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Für sie ist klar: Jetzt erst recht. Weitermachen – in Serkans Sinn.
Auf dem Rücken eines T-Shirts steht: „Be the reason someone believes in good people.“ Sei der Grund, warum jemand an gute Menschen glaubt.
Ein Satz, der ziemlich gut zu dem passt, was an diesem Samstag im LOVD passiert. Denn hier reden viele nicht nur davon, etwas Gutes zu tun – sie machen es einfach. Junge Volunteers stehen hinter der Theke, bereiten Kaffee und Matcha zu, räumen Gläser weg, nehmen Bestellungen auf und öffnen Sektflaschen. Alles wird mit Karte abgerechnet. Bargeld kann man aber in die Spendenboxen stecken.
Die Volunteers sind äußerst freundlich – und sie machen alles ehrenamtlich.
Das neue LOVD by STELP an der Calwer Straße feiert Grand Opening – und es ist richtig voll. Drinnen drängen sich die Gäste, auch draußen ballt es sich. Es wird geredet, gelacht und begrüßt.
Eigentlich ein Tag zum Feiern. Doch einer fehlt: Serkan Eren.
Der Gründer der Stuttgarter Hilfsorganisation STELP sitzt im Iran in Haft. Nach Angaben von STELP wurde er dort zu zehn Jahren Haft verurteilt. Die Organisation hält die Vorwürfe und das Strafmaß für nicht gerechtfertigt.
Nach dem schockierenden Urteil im Iran: Seien wir alle ein bisschen Serkan!
Gerade deshalb bekommt die Eröffnung an diesem Tag eine besondere Bedeutung. „Das Café ist ein wichtiger Baustein für die langfristige Arbeit von STELP“, sagt Fabian Ortlieb, Geschäftsführer des LOVD. Die große Anteilnahme sei gerade jetzt deutlich zu spüren: „Serkan hat STELP mit der Überzeugung mitgeprägt, Menschen in Not zu helfen. Diese Überzeugung tragen heute viele Menschen gemeinsam.“
Und genau das lässt sich an diesem Eröffnungstag an der Calwer Straße beobachten.
Serkan Eren hat mit STELP viele Menschen dazu gebracht, nicht nur zu spenden, sondern auch selbst aktiv zu werden. Und während er nicht hier sein kann, machen andere weiter. Die Botschaft beim Grand Opening ist deshalb ziemlich klar: Jetzt erst recht. Die bereits angefangenen Hilfsaktionen in verschiedenen Ländern gehen wie geplant weiter.
LOVD versteht sich als Social Business Club. Man kann morgens auf einen Kaffee kommen, nachmittags einen Matcha trinken und abends auf einen Drink bleiben. Geöffnet ist von morgens bis abends – freitags und samstags sogar bis 1 Uhr nachts.
Das LOVD soll dabei nicht nur Café und Bar sein, sondern ein Treffpunkt mitten in Stuttgart. Die Räume eignen sich auch gut für Veranstaltungen. Menschen sollen hier zusammenkommen, sich austauschen, feiern – und gleichzeitig die Arbeit von STELP unterstützen.
LOVD ist der Nachfolger des NATAN in der Stuttgarter Altstadt. Dort hatte STELP bereits ein ähnliches Gastronomie-Konzept umgesetzt, das gut angenommen wurde. Mit LOVD zieht die Idee nun in die Calwer Straße und bekommt einen neuen Auftritt. Das Prinzip bleibt: Gastronomie mit sozialem Zweck. Oder, wie wir bei EchtStuttgart sagen: „Helfen macht happy.“ Deshalb unterstützen wir dieses Projekt sehr gern.
Wer morgens öffnet, bis abends Gäste empfängt und freitags und samstags sogar bis 1 Uhr nachts geöffnet hat, braucht jede Menge Personal. Und genau hier wird LOVD besonders. Nur wenige Menschen im Café sind hauptberuflich beschäftigt. Ein großer Teil der Arbeit wird von Volunteers getragen – Menschen, die ihre Freizeit zur Verfügung stellen, ohne dafür bezahlt zu werden. Und auffällig viele davon sind jung.
„Wir haben viele Volunteers“, freut sich Carsten Gries aus dem Beirat von STELP. Das ist für ein Projekt wie LOVD Gold wert. Die langen Öffnungszeiten und Veranstaltungen lassen sich nur stemmen, wenn genügend Menschen bereit sind, mit anzupacken. Und offenbar wollen das erstaunlich viele.
Wer sich an diesem Samstag im LOVD umsieht, sieht fleißige Hände. Die jungen Leute machen das nicht, weil am Monatsende ein Gehalt dafür kommt. Sondern weil sie etwas Gutes tun wollen.
Es heißt oft, die junge Generation wolle sich nicht mehr engagieren. Freizeit, Party und das eigene Leben seien wichtiger. Für ein Ehrenamt fehle die Lust. Das LOVD liefert an diesem Samstag ein ziemlich gutes Gegenbeispiel.
Auch ein prominenter Unterstützer ist zur Eröffnung gekommen: Timo Hildebrand. Der frühere Nationaltorwart und VfB-Keeper ist nicht einfach nur Gast bei STELP-Veranstaltungen. Er engagiert sich selbst ehrenamtlich für die Organisation und ist ein enger Freund von Serkan Eren.
Gerade an diesem Tag schmerzt seine Abwesenheit umso mehr.
Unter den Gästen entdecken wir außerdem Comedian und Moderator Marvin Endres, der ebenfalls eng mit Serkan befreundet ist und seit Jahren Stelp unterstützt. Bei ihm steht selbst bald eine große Eröffnung an: Am 9. Oktober eröffnet er Stuttgarts ersten eigenen Comedy Club im Keller des Marquardtgebäudes.
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Das volle LOVD und die vielen Volunteers zeigen an diesem Samstag: Die Idee, für die Serkan steht, wird von vielen weitergetragen.
Das LOVD by STELP befindet sich an der Calwer Straße 34 in Stuttgart. Vom Kaffee am Morgen über Matcha am Nachmittag bis zum Drink am Abend soll jeder Besuch dazu beitragen, die weltweiten Hilfsprojekte von STELP zu unterstützen. Die Stuttgarter Hilfsorganisation ist auf drei Kontinenten aktiv. Zu ihrer Arbeit gehören unter anderem die Versorgung mit Lebensmitteln, sauberem Wasser und medizinischer Hilfe sowie Unterstützung für Menschen ohne sichere Unterkunft. Langfristig setzt STELP außerdem auf Hilfe zur Selbsthilfe und Bildungsprojekte.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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