Uwe Bogen
Friedrichsbau Varieté
Jetzt auch noch ein Buch: Nils Strassburg ist crazy genug für den King
14. Mai 2026
Gesunde Menschen gehen nicht auf die Bühne, soll mal jemand Schlaues gesagt haben. Die, die es tun, haben was zu kompensieren, also ihre Macken. Auch Nils Strassburg hat sie, wie bei seiner Buchpremiere rasch klar wird. Wie viel Elvis kann ein Mensch sein? Und wie schafft man es, der zu sein, der man ist?
Wie viel Elvis kann ein Mensch leben, ohne verrückt zu werden?
Wenn es stimmt, dass gesunde Menschen nicht auf die Bühne gehen, sondern nur die, die was kompensieren müssen, dann kann man über Strassburgs Macken nur froh sein. Er lebt den Rock’n’Roll mit jeder Faser seines Körpers – jene Musik, die aus Rebellion entstanden ist. Vor allem aber besitzt er die seltene Fähigkeit, ein Leben lang verrückt genug zu bleiben, an seine Träume zu glauben.
Schon als Kind war Strassburg Elvis-Fan – zu einer Zeit, als man mit dieser Musik die Gleichaltrigen verjagen konnte. „Da hörten alle Pur oder Modern Talking“, erzählt er, was ein bisschen verächtlich klingt. Wer Elvis mochte, galt als Außenseiter. Strassburg wurde gemobbt. Einmal beschriftete er sogar eine Kassette mit „Queen“, obwohl darauf Elvis-Songs aufgenommen waren. Ein Mitschüler habe sich begeistert gefreut – bis plötzlich Elvis aus den Lautsprechern kam. „Alle waren entsetzt“, erinnert sich Strassburg. Und wie ist das heute bei den Kids? In den TikTok-Videos werden Elvis-Hits gespielt.
In seinem Buch beschreibt der Koteletten-Träger den langen Weg zu sich selbst. „Bis ich endlich der sein konnte, der ich bin“, sagt er. Denn Strassburg ist keine Elvis-Kopie, kein billiger Doppelgänger im Glitzeranzug mit Tolle. Vielmehr erzählt er von einem Leben zwischen Bewunderung, Selbstzweifeln und der Suche nach Identität. Wir verstehen: Der King ist für ihn also mehr als eine Rolle. Mit ihm findet er zu sich selbst.
Weil er den Elvis aus sich herauslässt, gehört der Hüftschwung selbstverständlich dazu. Als Strassburg die Hüften kreisen lässt – was auch ohne Sixpack phänomenal gelingt – lebt der King für einen Moment wieder auf, oder zumindest das Gefühl, für das er stand. Das Publikum feiert beide dafür: das Original und seinen Interpreten.
Nervös wie vor dem ersten Auftritt als King
Seinen ersten Auftritt als Elvis hatte Strassburg 2013. Und obwohl er längst routiniert auf großen Bühnen steht, sei er vor der Buchpremiere ähnlich nervös gewesen wie damals, erzählt er offen. Und nimmt sich trotz aller Verehrung für eine seit fast 50 Jahre toten Sänger selbst nicht ganz so ernst. Gerade diese Mischung aus Selbstironie und Ehrlichkeit macht den Abend so unterhaltsam.
Mit dem Schreiben des Buches begann er während der Corona-Pandemie, als plötzlich keine Auftritte mehr möglich waren. Die erzwungene Pause wurde zur Gelegenheit, sein Leben neu zu sortieren und zurückzublicken. Herausgekommen ist eine persönliche Liebeserklärung an Elvis Presley, an den Rock ’n’ Roll, an die Rebellion, die ihn trägt, und an die Freiheit, anders sein zu dürfen, wenn man seinen Träumen folgt.
„Living Elvis – Ein Leben für den King“ von Nils Strassburg, Molino GmbH,, 20 Euro, ISBN 978-3-948696-52-8
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