Uwe Bogen
Zum Tod einer Legende
„Privat wirkte er still“ – Ein Stuttgarter Freund erinnert sich an Mario Adorf
9. April 2026
Der Tod von Mario Adorf bewegt viele. Sebastian Weingarten traf ihn oft im Süden Frankreichs. Im Gespräch mit EchtStuttgart teilt der frühere Intendant des Renitenztheaters sehr persönliche Erinnerungen an einen ganz Großen.
Mit dem Tod von Mario Adorf verliert das europäische Kino eine seiner markantesten Stimmen und Persönlichkeiten. Der Schauspieler, der über Jahrzehnte hinweg Film-, Fernseh- und Theatergeschichte prägte, ist am 8. April in seiner Pariser Wohnung im Alter von 95 Jahren gestorben.
Für viele war Adorf ein Titan der Schauspielkunst. Für Sebastian Weingarten jedoch war er mehr als das: ein Mensch voller Leidenschaft, Humor und leiser Bescheidenheit – ein guter Freund. Vor zwei Wochen waren er und sein Mann Julien in Paris: „Wir haben mit Monique Faye, Adorfs Frau, telefoniert.“
Wir haben mit dem langjährigen Intendanten des Renitenztheater Stuttgart über seine persönlichen Erinnerungen gesprochen.
„Seine Augen haben geleuchtet“
Weingarten, der in Stuttgart. Berlin und mit seinem Mann in Südfrankreich lebt, erinnert sich noch genau an die erste Begegnung – ein Abend, der ihn bis heute bewegt.
„Vor etwa 20 Jahren hatte ich das große Glück, Mario Adorf zum ersten Mal persönlich zu begegnen“, erzählt er. Ein gemeinsames Essen sei es gewesen, arrangiert über seinen Mann, der den Schauspieler schon lange kannte.
Damals war Weingarten gerade Intendant des Renitenztheaters geworden. Natürlich habe er gehofft, den großen Schauspieler für eine Lesung gewinnen zu können. „Aber seine Kunst war kostbar – und für uns damals leider nicht erschwinglich“, sagt er rückblickend.
Doch aus dieser ersten Begegnung wurde mehr als eine flüchtige Bekanntschaft.
Begegnungen im Süden
In den Jahren danach trafen sie sich immer wieder. Besonders häufig im Süden Frankreichs.
Während Weingarten und sein Mann in Ramatuelle lebten, verbrachte Adorf die Sommer mit seiner Frau Monique im nahegelegenen Saint-Tropez. Immer wieder kam es zu gemeinsamen Essen und langen Gesprächen.
Dabei erzählte Adorf oft auch von seiner großen Liebe Monique – jener Frau, die er einst bei Dreharbeiten mit Brigitte Bardot kennengelernt hatte. Bardot, selbst eine Ikone der Filmgeschichte, ist erst vor kurzem gestorben.
Schauspielerei als Lebenselixier
Was Weingarten an Adorf am meisten beeindruckte, war dessen unerschöpfliche Leidenschaft für seinen Beruf.
Sobald das Gespräch auf Bühne oder Film kam, habe sich der Schauspieler verändert, erinnert er sich. „Dann begann er zu erzählen – und seine Augen haben geleuchtet.“
Adorf sprach von früheren Rollen, von Begegnungen mit Kollegen, von den Abenteuern eines langen Künstlerlebens. Man habe sofort gespürt, sagt Weingarten, dass diese Erinnerungen mehr waren als berufliche Stationen.
Sie waren Teil seines Lebens.
Er sei „ein Vollblutschauspieler durch und durch“ gewesen.
Der stille Mensch hinter der großen Stimme
Und doch habe es eine zweite Seite gegeben.
Im Alltag, erzählt Sebastian Weingarten, sei sein Freund Mario erstaunlich leise gewesen – ein bescheidener, zurückhaltender Mensch. Gerade dieser Kontrast zwischen der intensiven Bühnenfigur und dem ruhigen Privatmenschen habe ihn so besonders gemacht.
Ein würdevoller Abschied
Unvergessen bleibt für Sebastian Weingarten auch Adorfs Auftritt in der Stuttgarter Liederhalle. Mit 89 Jahren stand der Schauspieler dort noch einmal auf der Bühne – ein Abschied, der zugleich Würde und Größe ausstrahlte.
Und doch sei dieser Abend keineswegs das Ende seiner künstlerischen Träume gewesen. „Er hatte noch Pläne“, sagt der frühere Renitenz-Chef, Filmprojekte, Ideen, neue Geschichten.
Die Pandemie habe ihm schließlich vieles davon genommen. „Das hat ihn doch noch sehr geärgert“, erinnert sich der Stuttgarter Theatermann.
Ein erfülltes Leben
Nun ist Mario Adorf im Alter von 95 Jahren gestorben – ein hohes Alter, ein langes, reiches Leben.
Weingarten spricht mit großer Wärme über den Mann, den er über viele Jahre hinweg immer wieder traf. „Ich habe ihn sehr geschätzt“, sagt er leise.
Und am Ende unseres Gespräch richtet er seinen Blick vor allem auf einen Menschen: „Meine Gedanken sind bei Momo, seiner Frau.“
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