Uwe Bogen
Saisonstart im Schlossgarten
Promis, Fassanstich und Pokalfieber: Stuttgart macht sich fit fürs Finale
1. Mai 2026
Kein Public Viewing auf dem Schlossplatz oder Wasen – doch Stuttgart findet eigene Wege fürs DFB-Pokalfinale des VfB. Zwei große Biergärten werden am 23. Mai zur Fan-Zentrale. Einer davon ist der von Sonja Merz, die den Saisonstart am Feiertag mit Fassanstich und Stadtpromis feiert.
Stuttgart blickt dem 23. Mai voller Vorfreude entgegen. Wenn der VfB um 20 Uhr im Berliner Olympiastadion auf den FC Bayern München trifft und seinen im Vorjahr gewonnenen DFB-Pokal verteidigen will, fehlt im Kessel diesmal jedoch etwas, das viele Fans schmerzlich vermissen: ein zentrales Public Viewing zum gemeinsamen Mitfiebern.
Auf dem Schlossplatz tobt Hip-Hop statt Fußball
Weder die Stadt noch der VfB organisieren eine zentrale Übertragung. Der Schlossplatz, der 2025 als große Fan-Arena diente, ist anderweitig vergeben: Dort steigt ein Konzert beim SWR-Sommerfestival zum 30. Geburtstag des Stuttgarter Hip-Hop-Kollektivs 0711.
Auch alternative Großlösungen fallen flach. Auf dem Cannstatter Wasen oder im Stadion sei eine Übertragung aus organisatorischen Gründen nicht machbar, teilt der VfB mit. Kurz gesagt: Das große, offizielle Fußballfest bleibt aus.
Biergärten springen in die Lücke
Ganz ohne das gemeinsame Fußballerlebnis in Massenstärke geht es aber nicht. Zwei große Biergärten nutzen die Lücke – und dürften am Finalabend entsprechend voll werden.
Im Schlossgarten lädt der traditionsreiche Biergarten von Sonja Merz zur Live-Übertragung. Ebenfalls mit Großleinwand dabei: der Schwabengarten in Leinfelden-Echterdingen, wie Betreiber Nico Tratz mitteilt. Da wie dort haben die Gastronomen frühzeitig die LED-Wand gebucht und bestätigen: Das Finale kann kommen – wir sind bereit. Und die Fans wissen damit, wo sie sich verabreden können. Vorab-Reservierungen sind aber nicht möglich.
Dass Sonja Merz weiß, wie man in ihrem Biergarten große Momente inszeniert, hat sie schon oft bewiesen – und jetzt erneut. Traditionell eröffnet sie am 1. Mai die Saison offiziell – mit Fassanstich und Stadtprominenz. Diesmal mit dabei: Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU).
Vom Fass auf der Bühne hält sich der OB an diesem sonnigen Feiertag fern. Dieses Ehrenamt übernimmt der Nopper traditionell nur auf dem Cannstatter Volksfest, wo er in der Regel mit zwei Schlägen das Bier zum Fließen bringt. Dass immer wieder zu hören ist, seine liebste Beschäftigung sei das Fassanstich-Feiern, gefällt ihm jedoch offenbar nicht – also hält er sich im Schlossgarten demonstrativ zurück.
Handballer für langes Party-Wochenende in Stuttgart
Stattdessen darf bei Sonja Merz und ihrer Tochter Katharina Renz erstmals ein ganz normaler, also nicht-prominenter Besucher ran, vom Herrn Kapellmeister aus dem Publikum ausgewählt. Philipp Nürenberg, der junge Präsident des Handballvereins TuS Weibern aus der Eifel, ist mit seinen Jungs für ein verlängertes Party-Wochenende nach Stuttgart gereist. Niemals zuvor, versichert er, habe er ein Fass angestochen. Und bei der Premiere gelingt ihm das mit gerade mal zwei Schlägen. Prompt bekommt er zu hören, nun könne er OB von Stuttgart werden.
Martin Alber und Jörg Koschinski, die Hofbräu-Chefs, unterstützen den Fass-Novizen aus der Eifel. Offenbar möchten sie verhindern, dass sich ein Vorfall wiederholt, wie er kürzlich beim Frühlingsfest an der Regenbogenalm – einer Party der queeren Community – mit einem Hofbräu-Fass passiert ist. Dort benötigte Wirtin Nina Renoldi gemeinsam mit den beiden Veranstaltern über vier Minuten und unzählige Schläge, um das Fass anzustechen, als wolle sie sich für das Guinness-Buch der Rekorde bewerben.
Das Frühlingsfest ist’s, warum die Handballer aus der Eifel nach Stuttgart gereist sind. Das gefällt ihnen sehr gut. Aber sie loben noch mehr. „Stuttgart ist eine sehr grüne Stadt“, sagt Nürenberg – und sehr gastfreundlich.
Mutter und Tochter präsentieren ihr neues Maskottchen
Zum Saisonstart präsentiert Gastgeberin Sonja Merz mit ihrer Tochter Katharina Renz außerdem ein neues Maskottchen – in Herzform fürs „Zelt mit Herz“. Das sonnige Wetter steigt die Stimmung. Und auf der Bühne tanzen immer mehr Besucher.
Stuttgart macht sich fit im Biergarten für Berlin, Berlin, wir fahr’n nach Berlin – aber geschaut wird daheim. Kein offizielles Public Viewing, kein riesiger Schlossplatz voller Fans – und trotzdem wird Stuttgart das Pokalfinale gemeinsam erleben. Vielleicht sogar ein bisschen entspannter, ein bisschen persönlicher. Und mit einem kühlen Bier in der Hand sowieso.
Am Ende gilt: Ob Bierbank oder allein daheim – Hauptsache, der Pokal kommt wieder nach Stuttgart. Dort fühlt er sich seit einem Jahr schon wohl.
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