Phil Hagebölling

Rooftop-Opening an der Königstraße

Arbeitsmarkt im Umbruch: Wer jetzt verliert – und wer richtig abkassiert

26. April 2026

Während Stuttgarts Industrie-Riesen ihre Wasserköpfe stutzen und Produktionen gen Osten schieben, wird auf der Königstraße 34 der Erfolg gefeiert. Im neuen Penthouse-Office von SKALBACH zeigt sich: Der Fachkräftemangel hat sein Gesicht verändert. Wer jetzt gewinnt, wer verliert – und warum der Coder plötzlich neben dem Maurer alt aussieht.
Das SKALBACH Team bei der Eröffnung, Foto: Tobias Kliem

Es ist ein Samstagabend, der sich anfühlt wie ein Blick in die Glaskugel der regionalen Wirtschaft. Hier wird nicht nur eine Büroeröffnung gefeiert. Hier wird ein Machtwechsel im Arbeitsmarkt zelebriert. 360 Grad Ausblick auf den Schlossplatz, Champagner, die Familie, Partner und Kunden – die Atmosphäre ist berauschend, doch die Gespräche am Rande der Dachterrasse sind so scharf wie der Wind, der über die Königstraße pfeift.

Expansion im Auge des Orkans

Die Zahlen der letzten Monate sind eigentlich ein Albtraum für die deutsche Gesellschaft: Horrende Kosten, Standortverlagerungen, Stellenabbau. Doch mitten in dieser Agonie setzen Tolga Sahin und Kürsat Göktas ein Ausrufezeichen. Die beiden Geschäftsführer, die ihr Handwerk beim Branchenriesen Michael Page gelernt haben, beweisen mit SKALBACH, dass Krisenzeiten Rekrutierungszeiten sind.

Ihre These: Wenn Unternehmen verschlanken, brauchen sie keine Verwalter mehr, sondern Chirurgen. „Personelle Wasserköpfe verschwinden“, hört man aus dem Team. Was bleibt, ist der Hunger nach hocheffizienten Spezialisten, die den Karren aus dem Dreck ziehen. Klassische Stellenanzeigen? In Stuttgart so wirkungsvoll wie ein Faxgerät im Silicon Valley. Wer heute die „High Potentials“ will, braucht Profis, die sie dort abholen, wo sie eigentlich gar nicht wegwollen.
v.l.n.r. Tolga Sahin, Uwe Bogen, Phil Hagebölling und Kürsat Göktas

Das Coder-Dilemma und die Renaissance des Handwerks

Das wohl spannendste Narrativ des Abends liefert Recruitment-Spezialistin Marla Hahne. Es ist eine bittere Pille für die Digital-Gläubigen: Vor zehn Jahren schickten alle ihre Kinder in die IT-Schmieden. Heute rücken intelligente Chatbots den hochbezahlten Codern auf den Pelz, gestalten Medien und schreiben Skripte schneller, als der Mensch „Disruption“ buchstabieren kann.

Der wahre Luxus von morgen? Er trägt Blaumann. „Bau- und Handwerksbranchen sind die eigentlichen Gewinner“, so Hahne. Während die digitale Welt sich selbst weg-automatisiert, werden qualifizierte Einsteiger im Handwerk mit Gehältern gelockt, die vor einem Jahrzehnt als absurd gegolten hätten. Doch die Zielgruppe ist rar gesät. Wer will heute noch Verantwortung für Maschinen übernehmen, wenn die „Generation Work-Life-Balance“ lieber im Homeoffice digitale Luftschlösser baut? Es ist ein Paradoxon: Wir haben die klügsten Köpfe, aber niemanden, der den Kessel physisch am Laufen hält.

Ethik im Schatten der Rüstung

Ein Kommentar am Rande der Feier sorgt für nachdenkliche Gesichter. Aus dem Team ist zu vernehmen, dass immer mehr Fachkräfte aus der kriselnden Automobilbranche in die Rüstungsindustrie abwandern. Ist die Zukunft auf Krieg programmiert? Die SKALBACH-Führung reagiert hierauf mit einer klaren, ethischen Kante: „Wir haben ein strenges Konzept. Die Kriegsindustrie beflügeln wir nicht.“ Man hofft auf die schnelle Genesung der etablierten Branchen, auch wenn der Blick gen China und deren E-Auto-Übermacht die Sorgenfalten vertieft.

Foto: Adobe Stock

Spannende Zeiten für Stuttgart 

Der Erfolg von SKALBACH unterstreicht: In Zeiten des Wandels ist derjenige der König, der das Ohr am Puls der Zeit hat. Gutes Personal lässt sich heute gerne auf Gespräche mit Personalberatern ein – vielleicht auch, weil die Sicherheit des alteingesessenen Konzerns längst eine Illusion ist.

Wenn man an diesem Abend vom 360-Grad-Penthouse hinunter auf die Königstraße blickt, sieht man eine Stadt, die in Bewegung ist.  Der Blick  geht auf das Wittwer-Haus, das abgerissen werden soll, und auf das Neue Schloss, für das bald eine neue Landesregierung  zuständig ist. Aufregende Zeiten für Stuttgart. Aber solange es Experten gibt, die den Wandel moderieren, bleibt zumindest die Hoffnung, dass der schwäbische Motor nicht ganz ins Stocken gerät. Er wird nur künftig von anderen Experten bedient.

AKTUELLES

Social Media