Phil Hagebölling
Rooftop-Opening an der Königstraße
Arbeitsmarkt im Umbruch: Wer jetzt verliert – und wer richtig abkassiert
26. April 2026
Es ist ein Samstagabend, der sich anfühlt wie ein Blick in die Glaskugel der regionalen Wirtschaft. Hier wird nicht nur eine Büroeröffnung gefeiert. Hier wird ein Machtwechsel im Arbeitsmarkt zelebriert. 360 Grad Ausblick auf den Schlossplatz, Champagner, die Familie, Partner und Kunden – die Atmosphäre ist berauschend, doch die Gespräche am Rande der Dachterrasse sind so scharf wie der Wind, der über die Königstraße pfeift.
Expansion im Auge des Orkans
Die Zahlen der letzten Monate sind eigentlich ein Albtraum für die deutsche Gesellschaft: Horrende Kosten, Standortverlagerungen, Stellenabbau. Doch mitten in dieser Agonie setzen Tolga Sahin und Kürsat Göktas ein Ausrufezeichen. Die beiden Geschäftsführer, die ihr Handwerk beim Branchenriesen Michael Page gelernt haben, beweisen mit SKALBACH, dass Krisenzeiten Rekrutierungszeiten sind.
Das Coder-Dilemma und die Renaissance des Handwerks
Das wohl spannendste Narrativ des Abends liefert Recruitment-Spezialistin Marla Hahne. Es ist eine bittere Pille für die Digital-Gläubigen: Vor zehn Jahren schickten alle ihre Kinder in die IT-Schmieden. Heute rücken intelligente Chatbots den hochbezahlten Codern auf den Pelz, gestalten Medien und schreiben Skripte schneller, als der Mensch „Disruption“ buchstabieren kann.
Der wahre Luxus von morgen? Er trägt Blaumann. „Bau- und Handwerksbranchen sind die eigentlichen Gewinner“, so Hahne. Während die digitale Welt sich selbst weg-automatisiert, werden qualifizierte Einsteiger im Handwerk mit Gehältern gelockt, die vor einem Jahrzehnt als absurd gegolten hätten. Doch die Zielgruppe ist rar gesät. Wer will heute noch Verantwortung für Maschinen übernehmen, wenn die „Generation Work-Life-Balance“ lieber im Homeoffice digitale Luftschlösser baut? Es ist ein Paradoxon: Wir haben die klügsten Köpfe, aber niemanden, der den Kessel physisch am Laufen hält.
Ethik im Schatten der Rüstung
Ein Kommentar am Rande der Feier sorgt für nachdenkliche Gesichter. Aus dem Team ist zu vernehmen, dass immer mehr Fachkräfte aus der kriselnden Automobilbranche in die Rüstungsindustrie abwandern. Ist die Zukunft auf Krieg programmiert? Die SKALBACH-Führung reagiert hierauf mit einer klaren, ethischen Kante: „Wir haben ein strenges Konzept. Die Kriegsindustrie beflügeln wir nicht.“ Man hofft auf die schnelle Genesung der etablierten Branchen, auch wenn der Blick gen China und deren E-Auto-Übermacht die Sorgenfalten vertieft.
Spannende Zeiten für Stuttgart
Der Erfolg von SKALBACH unterstreicht: In Zeiten des Wandels ist derjenige der König, der das Ohr am Puls der Zeit hat. Gutes Personal lässt sich heute gerne auf Gespräche mit Personalberatern ein – vielleicht auch, weil die Sicherheit des alteingesessenen Konzerns längst eine Illusion ist.
Wenn man an diesem Abend vom 360-Grad-Penthouse hinunter auf die Königstraße blickt, sieht man eine Stadt, die in Bewegung ist. Der Blick geht auf das Wittwer-Haus, das abgerissen werden soll, und auf das Neue Schloss, für das bald eine neue Landesregierung zuständig ist. Aufregende Zeiten für Stuttgart. Aber solange es Experten gibt, die den Wandel moderieren, bleibt zumindest die Hoffnung, dass der schwäbische Motor nicht ganz ins Stocken gerät. Er wird nur künftig von anderen Experten bedient.
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