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Grand Opening im Marquardt-Keller

Unterirdisch gut: Stuttgart feiert den Eleven Comedy Club von EMMVEE und Fabi Rommel


Uwe Bogen 5 Min. Lesezeit News

Stuttgart kann unterirdisch auch grandios! Während der Tiefbahnhof vor allem Ärger macht, landet der ELEVEN COMEDY CLUB im Gewölbekeller des Marquardtbaus einen Volltreffer. Comedy-Stars, prominente Gäste, eine traumhafte Location und ein Publikum außer Rand und Band: Dieser Keller ist der Knaller!

Hier geht's hinab zu großem Kino! Eine geschlossene Gesellschaft durfte eine grandiose Premiere im Keller des Marquardtgebäude feien. Auf der Bühne des Eleven Comedy Club unter anderem: Fabi Rommel und Raytschle. Fotos: Klaus Schnaidt

Wann Stuttgart 21 jemals fertig wird, weiß niemand. Stuttgart und seine unterirdischen Bauwerke – das ist eine äußerst schwierige Beziehung. Doch jetzt gibt es Hoffnung: Wenige Hundert Meter entfernt ist ein anderes unterirdisches Projekt am Freitagabend geradezu grandios  eröffnet worden.

Der ELEVEN COMEDY CLUB im historischen Gewölbekeller des Marquardtbaus ist ohne Übertreibung eine Sensation. Eine außergewöhnliche Location, ein tolles Konzept und zwei Gründer, die sonst große Hallen füllen: EMMVEE und Fabi Rommel haben gemeinsam mit Chimperator Live und Endgame Entertainment den ersten festen Comedy-Club der Stadt geschaffen.

Selbst die Spindkultur hat sich weiterentwickelt

Wer die Treppen hinabsteigt, merkt schnell: Hier haben Menschen mit Fantasie und Liebe zum Detail einen neuen Kulturort geschaffen.

An der Wand steht das Versprechen: „Wir wollen einen Ort schaffen, an dem man zwei Stunden den Kopf ausschalten und alles hinter sich lassen kann.“

Unten öffnet sich eine fürwahr wundersame Welt. Historische Gewölbe, gemütliche Sofas, Teppiche wie daheim im Wohnzimmer, alte Filmplakate an den Wänden, zwei Bartheken und ein Foyer, das beinahe so groß ist wie der Theatersaal mit seinen rund 150 Plätzen.

Auch die Kunst hat den Keller erobert. Ehemalige Nebenräume sind zu Kunsträumen geworden, im früheren Kühlraum etwa wartet eine Installation. An einem Spiegel steht Philosophisches: „Wäre ich du, wäre ich lieber ich.“

Und dann sind da noch zwei Spinde der Gründer, voller persönlicher Gegenstände. Nur nackte Frauen aus dem Playboy hängen nicht darin. Offenbar hat sich selbst die Spindkultur weiterentwickelt.

Der neue Theatersaal des Comedy Clubs - Stuttgarts neue Attraktion. Foto: Klaus Schnaidt
Eine der beiden Theken im Gewölbekeller. Foto: Klaus Schnaidt
Clubgründer und Comedy-Star EMMVEE mit unserem Autor Uwe Bogen. Foto: Klaus Schnaidt
Die Spinde von EMMVEE und Fabi Rommel. Foto: Klaus Schnaidt

Marquardts, Village, Tequila Bar, zuletzt der Pop-up-Club Lerche 22: Generationen von Stuttgartern haben hier gefeiert. Doch Clubs für junge tanzende Menschen funktionieren nicht mehr, wie das einstmals war. Es muss was Neues her. Nun also beginnt ein neues Kapitel. Die eine Hälfte des Kellers gehört dem ELEVEN, für die andere ist im kommenden Jahr ein noch geheimes Projekt geplant.

Drei Orsons, ein YouTube-Star und jede Menge gute Laune

Zur Premiere ist die Gästeliste mindestens so bunt wie das Bühnenprogramm. Unter den geladenen Gästen: YouTube-Star Inscope21 mit mehr als sechs Millionen Followern und Abonnenten, drei der vier Orsons sowie Carsten Gries, Beiratsmitglied der Stuttgarter Hilfsorganisation STELP.

Die Stimmung ist enthusiastisch. Und einer hat daran besonderen Anteil: Marvin Endres von Endgame Entertainment, Gastgeber und Moderator des Abends. Charmant, schlagfertig und mit großartigem Gespür fürs Publikum heizt er den Saal an.

„Wenn jemand hier ist, der auch mal auftreten will, gebt Bescheid“, ruft Endres. „So haben viele angefangen.“

Denn genau darum geht es im ELEVEN: Hier sollen Stars neue Nummern testen und Talente ihre ersten Schritte wagen. Eine solche Bühne hat Stuttgart bislang gefehlt.

Martin Endres führt beim Grand Opening durchs Programm. Foto: Klaus Schnaidt
Kunst-Installation im früheren Kühlzimmer. Foto: Klaus Schnaidt
Ihr Vorhaben lautet: "Nazi-Schwänze auf links drehen". Foto: Klaus Schnaidt

Sex, Schlägereien und politisch unkorrekte Pointen

Wie gut die Mischung funktioniert, zeigt das Premierenprogramm. Neben den beiden Gründern treten Stuttgarter Newcomer und Comedians aus der vermeintlich zweiten Reihe auf.

Sezer Oglu entdeckt überraschende Gemeinsamkeiten zwischen Sex und einer Schlägerei – das Publikum fragt sich, was davon er besser kann. Patrick Johnsson liefert eine wunderbar selbstironische Erkenntnis: „Je schlauer ein Gedanke, desto kleiner die Zielgruppe.“

Ihr Vorhaben: „Nazi-Schwänze auf links drehen“

Und Raytschle, eine der wenigen Frauen in der männlich dominierten Szene, erklärt, dass sie im Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus zu allem bereit sei. Notfalls würde sie dafür sogar mit einem AfD-Anhänger ins Bett gehen. „Nazischwänze auf links drehen – dafür bin ich da.“

Derb, provokant, politisch völlig unkorrekt. Das Publikum geht begeistert mit.

Nur ein Gag sollte im neuen ELEVEN COMEDY CLUB streng verboten sein: „In Stuttgart geht man zum Lachen in den Keller.“ Der Witz ist so ausgelutscht, dass er Hausverbot verdient hätte. Zum Glück treten hier Comedians auf, die sehr viel Besseres draufhaben.

Sezer Oglu redet über Sex und Schlägereien. Foto: Klaus Schnaidt
Fabi Rommel ist einer der Gründer und Gesellschaft des neuen Clubs. Foto: Klaus Schnaidt

Fabi Rommel und die unendliche Geschichte von Stuttgart 21

Natürlich stehen auch die beiden großen Namen des Abends auf der Bühne. EMMVEE und Fabi Rommel, die sonst Tausende Menschen begeistern, sind hier plötzlich nur wenige Meter von ihren Zuschauern entfernt.

Fabi Rommel, der mit einem Stuttgart-21-Video viral ging, hat besonderen Stoff im Gepäck. Einst habe er selbst für Stuttgart 21 gestimmt. Heute müsse er feststellen, dass alles noch schlimmer gekommen sei, als die Kritiker damals befürchtet hätten.

Inzwischen müsse Stuttgart  gleich noch einen zweiten Bahnhof bauen. Schließlich habe der erste, der noch nicht einmal fertig sei, viel zu wenig Gleise.

Die Pointe sitzt. Der ELEVEN hat zwar keine acht Gleise. Dafür aber eine Bühne, zwei Bars und einen bemerkenswert pünktlichen Start.

Zwei Stars geben ihrer Heimat etwas zurück

Hinter dem Projekt steckt mehr als eine Geschäftsidee. EMMVEE aus Bietigheim und Fabi Rommel aus Calw gehören inzwischen zu den erfolgreichsten deutschen Comedians. Statt sich auf große Hallen zu beschränken, investieren sie mit ihren Partnern in einen Club mit gerade einmal 150 Plätzen, um den Nachwuchs zu fördern und Stuttgart zu einer Attraktion zu verhelden.

Rommel musste einst nach Berlin ziehen, um seine Comedy-Karriere voranzubringen. Künftig soll das für Stuttgarter Talente nicht mehr nötig sein. Acht Shows pro Woche sind geplant, dazu Formate wie „Coffee & Comedy“.

Ein Glücksfall für Stuttgart!

Comedy-Clubs gehören in vielen Metropolen längst zum kulturellen Leben. Jetzt hat endlich auch Stuttgart einen. Und was für einen!

Gerade in Zeiten, in denen Kulturangebote unter Spardruck geraten, ist eine solche private Initiative Gold wert. Hier wird nicht über fehlendes Geld gejammert. Hier wird gemacht. Mit Mut, Fantasie, Humor und einer gehörigen Portion Liebe zur Stadt.

Natürlich muss sich der ELEVEN im Alltag erst beweisen. Aber nach diesem Premierenabend fällt es schwer, nicht ins Schwärmen zu geraten.

Stuttgart hat eine neue Attraktion, die das Zeug zum Kultort hat. Eine großartige Bühne, eine fantastische Location und ein Glücksfall für die Kulturszene.

Und wenn Stuttgart künftig über seine unterirdischen Projekte spricht, gibt es endlich auch eines, bei dem alle strahlen.

Das hat  einen entscheidenden Vorteil gegenüber Stuttgart 21: Im ELEVEN sind die Verzögerungen wenigstens Teil des Programms – und heißen Timing.

Service: ELEVEN COMEDY CLUB

Adresse: Königstraße 22, Stuttgart-Mitte, im Gewölbekeller des Marquardtbaus, direkt am Schlossplatz.

Programm: Geplant sind acht Shows pro Woche, von Donnerstag bis Sonntag. Neben Auftritten bekannter Comedians gibt es Shows mit Newcomern, wechselnde Line-ups und sonntags „Coffee & Comedy“.

Plätze: Rund 150 Zuschauer finden im Theatersaal Platz.

Tickets und Programm: www.eleven-comedyclub.de

Weitere Impressionen vom neuen Comedy Club. Foto: Klaus Schnaidt
Der neue Theatersaal - kurz bevor das Premierenpublikum kommt. Foto: Klaus Schnaidt
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Uwe Bogen

Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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