Uwe Bogen
Kolumne Stadtleben
Stuttgart feiert: Opening auf dem Knitz-Dach und Romus Rückkehr
4. April 2026
Party-Hopping in der City: Für die Kolumne Stadtleben ziehen wir vom ersten Sundowner des Jahres auf der neuen Knitz-Dachterrasse zum Ansturm auf den DoQu-Store von Romulo Kurányi, der einen exklusiven „Circle“ gründet.
Wer im Haus des Tourismus den Aufzug nimmt und in den vierten Stock fährt, kann der Hektik des Alltags ganz rasch entfliehen und im Glück einer genialen Aussicht versinken. Ganz oben hat das Team des schwäbische Restaurants Knitz seine sehr schöne Dachterrasse nach monatelanger Bepflanzung und Gestaltung eröffnet – und für das Opening bei schönem Wetter kurz vor Ostern strömen viele Neugierige hinauf.
Gärtner haben auf der Dachterrasse Stuttgarts Hügellandschaft nachempfunden. Kleine Erhebungen erinnern an die Kessel-Topografie. Ehrfürchtig läuft man drum herum. Nur bitte keinen Schritt hinein, auch nicht nach dem dritten Aperol. Dazu scheint die Abendsonne erstaunlich lange, ehe sie fast schon theatralisch hinterm Rathaus untergeht.
Das Knitz ist nach langer Wartezeit, die wegen Verzögerungen beim Sanieren und Umbauen immer noch länger wurde, seit vergangenem Herbst im Haus des Tourismus beheimatet. Im Erdgeschoss und draußen am Marktplatz wird das komplette Speisenangebot serviert. Im Dachgarten gibt es Drinks und kleine Snacks.
200 Gäste dürfen gleichzeitig aufs Dach, und die Trautwein-Brüder planen regelmäßige After-Work-Events. Der wahre Star? Der Blick! Von hier reicht die Aussicht weit über die Dächer der Innenstadt, während die Sonne hinter dem Rathausturm untergeht. Ein genialer Moment für den ersten Sundowner des Jahres.
Während über den Dächern der Frühling und die Aussicht gefeiert werden, wird zur selben Stunde auf dem Boden wenige Meter weiter ebenfalls angestoßen – im Dorotheen-Quartier auf Kunst, Farbe und ein Comeback.
Romulo Kurányi eröffnet erneut sein Pop-up-Atelier – genau dort, wo er bereits 2022 und 2025 mit seinen Werken präsent war. Zuletzt führte hier ramp einen temporären Schauplatz. Romu, der deutsch-brasilianische Künstler, lebt mit seiner Familie beim kranken Vater in Rio. Regelmäßig kommt er nach Stuttgart zurück, um alte Freundschaften und die Beziehungen zu seinen Sammlern zu pflegen – für ihn unverzichtbar, um seine Werke erfolgreich zu platzieren. Solange das Dorotheen-Quartier nicht genügend reguläre Mieter findet und keine Leerstände zulassen will, bekommt die Pop-up-Art zu ermäßigter Miete ihre Chance. Diesmal bleibt Romu für zwei Monate.
Liebling der Stuttgarter Partypeople
Von Jahr zu Jahr kamen immer mehr Gäste zu seinen Events und Atelier-Eröffnungen, berichtet Kurányi. Waren es anfangs nur etwa 40 Anmeldungen, so sind es diesmal 600 – so viele wie nie zuvor. Er war nervös, ob alle Platz finden würden, und viele müssen von draußen zuschauen. Stuttgarts Szene-Menschen lassen sich zahlreich blicken.
Dabei geht es längst nicht nur um Kunst, sondern auch um Smalltalk, ums Schaulaufen und Selfies. Romu, der früher als Gastronom im H’ugo’s nicht immer vom Glück verfolgt war, ist zum Liebling der Stuttgarter Partypeople geworden.
Die Opening-Party wird zum Stadt-Event. Vor dem Store reicht die Schlange bis zur Markthalle. Schon am Abend davor hat er Gäste, die ihm besonders wichtig sind, zur Gründung seines „Kurányi-Circle“ eingeladen. So nennt der 37-Jährige sein „exklusives Netzwerk“, das entstehen soll, um „Kunst, Business und Community miteinander zu verbinden“ .Mit im Circle: Bentley Stuttgart, Skiny, Cremadonna, Carma Design 3D, Vollblutwerber, Achtwerk Events, Moreno Pisano, Aqua Römer, Artoasis, Stolze & Rosin, Absolut, Italicus, Lillet sowie Donner & Reuschel. Der Halbruder des Ex-FußballProfis Kevin Kurányi ist ein eifriger Sponsorenfinder. So schließt sich der Kurányi-Kreis: Kunst, Kooperationen, die Kasse klingeln lassen.
Ein Treffen der Influencer
Kurányi ist bekannt dafür, Kunst auf alles zu bringen, was sich bemalen lässt und bis drei nicht auf dem Baum ist: Sportwagen, T-Shirts, Sofas, Kreditkarten – und, ganz oldshool, auf sogar Leinwände.
Begonnen hat alles mit seinen Schwarz-Weiß-Köpfen im Smiley-Style. Schnell gezeichnete Gesichter, mal fröhlich, mal traurig, mal nachdenklich. Daraus entwickelte sich über die Jahre eine ganz eigene Bildsprache.
Heute sind seine Arbeiten deutlich farbiger geworden. Die Pop-Art erinnert stellenweise an die verspielte, knallbunte Welt von Joan Miró. Acrylfarben werden oft in mehreren Schichten aufgetragen – kräftig, leuchtend, dynamisch.
Seine Kunst ist genauso laut und lebendig wie die Opening-Party.
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