Conny Mertz
Netzwerken
Schloss Solitude zwischen Business-Club und doppeltem Bob-Gold
2. April 2026
Hoch über Stuttgart zeigt der Business Club auf Schloss Solitude, wie gut Netzwerken auf alt bekannte Weise funktioniert: mit echten Begegnungen statt digitalen Chats – und mit Verbindungen, aus denen sogar zweimal Olympiagold entstand.
Wenn am Abend die Limousinen vorfahren, wirkt der Parkplatz hinter dem Schlossrestaurant wie eine kleine Autoschau aus der Region. Die glänzenden Modelle von Porsche und Mercedes sind nur ein paar Schritte vom Hintereingang entfernt geparkt. Drinnen, unter Kronleuchtern und Stuck, treffen sich Unternehmer, Manager und Entscheidungsträger aus Stuttgart und Umgebung. Willkommen im Business Club Stuttgart auf Schloss Solitude – einem Netzwerk, das seit Jahren Einfluss auf die ganz alte analoge Weise bündelt.
Die „Wirtschaftswoche“ schreibt vom „Treffpunkt der Macht“
Dabei war dieser Ort ursprünglich ganz anders gedacht. Als Herzog Carl Eugen im 18. Jahrhundert sein Lustschloss auf der bewaldeten Höhe über Stuttgart errichten ließ, wollte er „dem Getümmel und den Enttäuschungen der Welt“ entfliehen. Die exponierte Lage bot ihm Ruhe für Jagdgesellschaften und höfische Vergnügungen. Mehr als 250 Jahre später hat sich die Nutzung gewandelt, doch ein Hauch von Exklusivität ist geblieben.
Heute gilt der Club, wie ihn einmal die Wirtschaftswoche nannte, als „Treffpunkt der Macht“. Hier treffen sich Menschen, die in der Region etwas zu sagen haben – und die wissen, dass Geschäfte oft dort entstehen, wo Vertrauen wächst: beim persönlichen Gespräch.
Ein Club gegen den digitalen Trend
Gegründet wurde der Business Club Stuttgart 2011 von Gastronom Jörg Mink und seine Frau Daniela Mink. Damals schien das Konzept für manche aus der Zeit gefallen. Online-Netzwerke wie LinkedIn oder Xing versprachen schließlich schnelle Kontakte ohne Mitgliedsbeitrag und ohne Abendtermine.
Doch Mink setzte bewusst auf das Gegenteil: persönliche Begegnungen in exklusivem Rahmen.
Die Idee ging auf. Rund 250 Mitglieder zählt der Club heute – Unternehmer, Führungskräfte, Selbständige und Manager aus unterschiedlichsten Branchen. Für einen Jahresbeitrag von 1300 Euro plus Mehrwertsteuer erhalten sie Zugang zu einem Netzwerk, das diskret und zugleich erstaunlich lebendig ist.
Clubmanagerin Daniela Mink organisiert regelmäßig Veranstaltungen: Kamingespräche, Wirtschaftstalks, Network-Lunches oder Dinner-Talks. Zu den Gästen der vergangenen Jahre gehörten unter anderem der ehemalige Bahnchef Rüdiger Grube, der frühere EU-Kommissar Günther Oettinger, VfB-Chef Alexander Wehrle oder der wohl künftige Ministerpräsident Cem Özdemir sowie der knapp unterlegene Manuel Hagel.
Es sind Begegnungen, die im digitalen Raum kaum entstehen würden. In Stuttgart weiß man: Netzwerke funktionieren am besten, wenn Menschen sich persönlich kennen.
Schwäbischer Geiz? Von wegen
Wer glaubt, der sprichwörtliche schwäbische Geiz herrsche auch hier oben auf der Solitude, wird schnell eines Besseren belehrt. Der Club ist kein Ort des knauserigen Kalkulierens, sondern einer, an dem sich Menschen etwas gönnen – gutes Essen, gute Gespräche und manchmal auch rauschende Feste.
Dass auf der Solitude nicht nur über Geschäfte gesprochen wird, zeigt eine ungewöhnliche Initiative aus dem Umfeld des Clubs. Einige Mitglieder gründeten vor gut einem Jahrzehnt den Bob Club Stuttgart Solitude – eine Idee, die zunächst belächelt wurde. Stuttgart ist schließlich keine klassische Hochburg des Bobsports.
Jörg Mink erinnert sich gern: 2013 kam Jochen Buck zu ihm ins Schlossrestaurant – mit einer kühnen Idee. einen Bob-Club gründen. An einem Ort, an dem der Bobsport nicht im Fokus steht. Aber an dem Erfolgsgeschichten geschrieben werden. Jörg war sofort begeistert. Die Vision ging auf. Das Team um den deutschen Spitzenpiloten Johannes Lochner gewann zweimal olympisches Gold und machte den Club weit über die Region hinaus bekannt. Plötzlich stand Stuttgart auch im Wintersport für Erfolg.
Die Verbindung ist mehr als symbolisch. Wie im Businessclub geht es auch im Bob um Teamgeist, Vertrauen und das richtige Netzwerk. Doch Gastronomie, die abseits in der Stille gelegen ist, ist oft eine „Challenge“, wie der Jörg Mink selbst sagt. Seine Vorgänger in der Schlossgastronomie hätten meist höchstens fünf Jahre durchgehalten und schließlich Konkurs anmelden müssen. Der umtriebige Vorzeige-Schwabe dagegen hält seit 17 Jahren durch – auch wenn das Geschäft nicht immer einfach ist.. Bei schönem Wetter sei die Terrasse gut besucht, im Winter oder bei Regen werde der Schlosssaal manchmal zur „Möbelausstellung“, sagt er mit einem Lächeln, das vor allem eines signalisiert: Aufgeben ist keine Option. Längst ist sein Sohn Jan Mink eingestiegen.
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