Uwe Bogen
Kolumne Stadtleben
Stuttgart dreht auf: Zwischen Next Level Eat, Kosmo und Häffners Lifestyle-Night
7. Juni 2026
Es gibt Samstage, an denen die Stadt nicht nur lebt, sondern überdreht. Dieser war so einer. Stuttgart vibriert, als hätte jemand alle Regler gleichzeitig nach oben gedreht. Ein Streifzug zwischen Kosmos Dayparty, dem VIP-Event von „Next Level Eat“ samt Brasil-Show und Häffners Red Carpet.
Sand mitten in der City
Waren wir zu lange in der Sonne? Man mag seinen Augen nicht trauen. Mitten auf der Königstraße liegt über dem Pflaster der Strand. Der Schlossplatz hat sich in eine urbane Beachvolleyball-Arena verwandelt. Sand liegt dort, wo sonst Passanten auf der Fußgängerzone strömen. Die Bälle fliegen, werden geschmettert, die Freitreppe neben dem zwecks Sanierung für lange Zeit geschlossenen Kunstmuseum wird zur dicht an dicht besetzten Zuschauertribüne. Gespielt wird konzentriert, gefeiert wird laut – und alles wirkt wie ein kleines Sommermärchen im urbanen Maßstab.
Gut, das Meer fehlt. Doch das spielt an diesem Tag, der sich anfühlt wie Urlaub, keine Rolle.
Auf der unteren Treppe zum Kleinen Schlossplatz passiert etwas, das sich nur schwer in klassische Kategorien einordnen lässt. Next Level Eat inszeniert sich als Lieferdienst der anderen Art – halb Performance, halb kulinarisches Experiment.
Hinter dem Konzept steht Alexander Beck vom Golf-Restaurant in Kornwestheim, der Essen in Stuttgart – und vor allem die Lieferung von hochwertiger, auch „gesunder“ Kost – neu denkt, wie er versichert: schnell, überraschend und praktisch ohne Limit.
Einen solchen Lieferdienst gebe es in ganz Deutschland nicht, sagt Beck stolz. Viel Geld habe er in sein neues Unternehmen investiert – entsprechend soll auch der Auftakt groß ausfallen. Es wird geklotzt, nicht gekleckert. Tatsächlich hat er es geschafft, dass die Stadt ihm erlaubt, an diesem brummenden Samstagabend einen Teil der Treppe zum Kleinen Schlossplatz für seine VIP-Inszenierung abzusperren. Champagner, Edelbuffet für geladene Gäste, Absperrungen – die Szenerie wirkt wie ein Hybrid aus Street-Event und exklusivem Launch.
Der Slogan lautet: Wenn dein Essen schneller ist als dein Hunger
Künftig kann man bei „Next Level Eat“ bis 2 Uhr morgens Essen bestellen – für zuhause, für eine Party oder einfach für das, was gerade passiert. Auch ein Rostbraten kann so weit nach Mitternacht noch geliefert werden.
Die Opening-Party setzt auf brasilianische Show-Elemente: Rhythmus, Bewegung, Farbe – eine Inszenierung zwischen Straßenkarneval und Markenperformance. Das Personal trägt Astronautenanzüge, als käme die Lieferung nicht aus der Küche, sondern direkt aus einer anderen Umlaufbahn. Der Slogan dazu passt ins Bild: Wenn dein Essen schneller ist als dein Hunger.
Kosmo im Oshos: Stadtparty am Tag
Im Oshos läuft Kosmo – eine der beliebtesten Partyreihen der Stadt. Hinter dem Konzept steht Konstantin Wulle, der mit seinen Open-Minded-Daypartys ein Format etabliert hat, das bewusst gegen die klassische Nachtlogik arbeitet. Bei ihm geht es schon um 16 Uhr los. Keine Lust hat er darauf, erst um 23 Uhr – wie viele andere Clubs – die Türen zu öffnen.
Gestartet vor einem Jahr außerhalb der Stadt, unterhalb des Hohen Asperg, ist Kosmo inzwischen mitten in Stuttgart angekommen – mit voller Wucht. Immer mehr Locations fragen inzwischen bei ihm an, ob er mit seinem Konzept und seinen DJs vorbeikommt. Die Idee bleibt dabei unverändert: offen, zugänglich, ohne Szenegrenzen. Sexuelle Orientierung spielt keine Rolle, ein rein queeres Publikum ist nicht sein Ziel. Seine Party beginnt am Tag und braucht keine Dunkelheit, um ihre Energie zu entfalten.
Der Anspruch: Clubparty am Tag, ohne Abstriche
Die Kosmo-Reihe ist bekannt für ihren druckvollen Sound, was auch daran liegt, dass Wulle, der im Hauptberuf Architekt ist, für seine DJs – diesmal unter anderem Lars Weber – hochwertiges und nicht gerade günstiges Equipment organisiert. Der Anspruch: Clubqualität am Tag, ohne Abstriche.
Und genau das ist zu spüren: Es ist laut, hell und gleichzeitig erstaunlich entspannt. Und immer mehr tanzen. Als hätte die Stadt beschlossen, dass Feierlaune keine späte Uhrzeit mehr braucht – sondern einfach nur einen guten Moment.
Juwelier Häffner: Glamour und Stuttgarts Paradiesvögel
Und dann geht es noch hinaus – zum Penthouse-DJ bei der Lifestyle-Night von Juwelier Häffner und Goldrun-Chef Marc Wenger.
Über den Dächern der Stadt zeigt sich Stuttgart von seiner schillerndsten Seite zeigt. Hier kommen die Paradiesvögel und Partypeople der Kesselgemeinde zusammen: auffällige Looks, glitzernde Details, gewagte Outfits und eine Crowd, die sichtbar Lust auf Inszenierung hat.
Etwa 400 Gäste aus Wirtschaft, Kultur, Sport und Society bewegen sich durch das Haus des Juweliers Häffner, der vor allem im Online-Handel mit www.watch.de ganz groß ist. Auf den beiden Dachterrassen öffnet sich der Blick über die Stadt, wie man ihn nicht alle Tage erlebt – unter anderem sieht man das Loch an der Eberhardstraße, weil ein Teil der Schwabenzentrums abgerissen wurde.
Zwischen Rolex, Patek Philippe und Breitling wird nicht nur gezeigt, was man hat, sondern auch eifrig alles Wichtige besprochen – es geht unter anderem um Fälschungen, die bei Rolex immer perfekter geworden sind, so dass Juweliere wie Detektive vorgehen müssen, um nicht auf Betrug hereinzufallen.
Abgehoben und doch im Stadtleben verankert
Häffner wirkt an diesem Samstag wie ein eigener Kosmos – elegant, elegant, verdichtet, sichtbar abgehoben und doch fest im Stadtleben verankert.
Am Ende dieses Tages liegt alles nebeneinander: Sand und Sound, Astronautenanzüge und Aperol, Tagesparty und Dachterrasse.
Stuttgart ist nicht in einer Stimmung – sondern in vielen gleichzeitig.
Am selben Tag demonstrieren auf dem Marktplatz soziale Einrichtungen und kulturelle Initiativen gegen die geplanten Kürzungen der Stadt. Sie machen deutlich, dass in Stuttgart immer mehr Menschen zu wenig haben, während die Spielräume für soziale und kulturelle Angebote enger werden.
Und am Abend zeigen dann jene, die noch genug haben, in anderer Kulisse, wie gut es ihnen geht.
Dazwischen liegt nicht nur ein Tag, sondern eine ganze Stadt im Spannungsmodus. Und vielleicht ist genau das die Frage, die dieser Samstag hinterlässt: Wer wird gehört – und wer nur gesehen?
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