Conny Mertz
Arbeitskampf im SI-Centrum
Erster Streik in der Geschichte der Spielbank Stuttgart: „Rien ne va plus“, sagt Verdi
30. Mai 2026
Die Croupiers und Croupièren stehen am Samstag vor dem SI-Centrum – beim ersten Streik in der Geschichte der Spielbank. Laut Verdi verzeichnet das staatliche Glücksspiel ein Umsatzplus von zwölf Prozent. Die Beschäftigten fordern ihren Anteil am Erfolg, erklärt ein Sprecher gegenüber EchtStuttgart.
Während weite Teile der deutschen Wirtschaft über Stagnation, Kaufzurückhaltung und ausbleibendes Wachstum klagen, erlebt eine Branche einen bemerkenswerten Höhenflug: das staatliche Glücksspiel. Die staatlichen Spielbanken in Baden-Württemberg haben nach Angaben der Gewerkschaft Verdi im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von zwölf Prozent erzielt. Mitten in diesem Boom kommt es nun zum ersten Streik in der Geschichte der Spielbank Stuttgart.
Am Samstag legten Beschäftigte der Spielbank Stuttgart gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen in Baden-Baden und Konstanz die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft Verdi spricht von einer sehr hohen Beteiligung. Erstmals sind damit alle drei staatlichen Spielbanken Baden-Württembergs gleichzeitig von einem Arbeitskampf betroffen.
Der Ausstand begann um 16 Uhr und soll bis zum Schichtende um 4 Uhr am Sonntagmorgen dauern. Verdi erwartet spürbare Auswirkungen auf den Spielbetrieb – bewusst an einem der umsatzstärksten Tage der Woche.
Boombranche trotz Wirtschaftsflaute
Die baden-württembergischen Spielbanken gehören zu den wenigen Unternehmen im Land, die derzeit von einer ausgesprochen positiven Geschäftsentwicklung profitieren.
Während viele Branchen über fehlendes Wachstum klagen, fordern die Beschäftigten nun, dass sich der wirtschaftliche Erfolg der Spielbanken auch auf ihren Gehaltszetteln bemerkbar macht. Wenn die Zahlen am Spieltisch stimmen, müsse das auch für die Mitarbeiter gelten, lautet die Botschaft der Gewerkschaft.
Für das Land Baden-Württemberg als alleinigen Eigentümer der Baden-Württembergischen Spielbanken GmbH & Co. KG sind die steigenden Einnahmen eine erfreuliche Entwicklung. Das Unternehmen betreibt die Spielbanken in Stuttgart, Baden-Baden und Konstanz und beschäftigt rund 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Streit um neue Tarifverträge
Die Beschäftigten sehen sich bislang jedoch nicht ausreichend an diesem Erfolg beteiligt. Auslöser des Tarifkonflikts war die Kündigung bestehender Tarifverträge durch den Arbeitgeber im Herbst 2025. In mehreren Verhandlungsrunden über einen neuen Gehaltstarifvertrag konnte anschließend keine Einigung erzielt werden. Weitere Gesprächstermine sind derzeit nicht vereinbart.
Verdi wirft dem Unternehmen mangelnde Kompromissbereitschaft vor. Verhandlungsführer Frank Hawel erklärte, nach der Kündigung aller Tarifverträge sei nun der Zeitpunkt gekommen, selbst Druck aufzubauen. Mit einer Anspielung auf die Sprache der Croupiers kommentierte er die Situation mit den Worten: „Rien ne va plus.“
Erster Streik der Unternehmensgeschichte
Für die Spielbank Stuttgart markiert der Arbeitskampf eine historische Zäsur. Nach Angaben der Streikenden handelt es sich um den ersten Streik seit Bestehen der Spielbank. Die hohe Beteiligung zeigt, dass die Unzufriedenheit unter den Beschäftigten offenbar groß ist.
Wie stark die Auswirkungen auf den laufenden Betrieb tatsächlich ausfallen, wird sich insbesondere am Samstagabend zeigen. Gerade dann erreichen die Spielbanken üblicherweise ihre höchsten Besucherzahlen.
Der Konflikt offenbart damit einen bemerkenswerten Widerspruch: Während an Roulette-, Poker- und Black-Jack-Tischen die Einsätze steigen und die Kassen klingeln, kämpfen die Beschäftigten hinter den Kulissen um ihren Anteil am wirtschaftlichen Erfolg. Für das Land Baden-Württemberg, das als Eigentümer von den guten Zahlen profitiert, dürfte der Tarifstreit damit zunehmend auch zu einer politischen Frage werden.
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