Patrick Mikolaj
Wissenschaftsfestival startet
Platz 1 bei Patenten: Die Erfolgsgeschichte, über die Stuttgart zu selten spricht
24. Juni 2026
Stuttgart gilt vielen vor allem als Automobilhauptstadt Deutschlands. Mercedes-Benz und Porsche prägen den Ruf der Stadt seit Generationen. Doch während die traditionsreichen Branchen Automobil- und Maschinenbau derzeit vor großen Herausforderungen stehen, rückt ein anderer Standortvorteil immer stärker in den Fokus: Stuttgart ist eine Wissenschafts- und Forschungsmetropole von internationalem Rang.
Mit mehreren Hochschulen und renommierten Forschungseinrichtungen wie den Fraunhofer-Instituten, den Max-Planck-Instituten, der Hahn-Schickard-Gesellschaft für angewandte Forschung oder dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung – um nur ein paar wenige zu nennen – gehört die Region Stuttgart zu den Innovationsstärksten Europas. Durchschnittlich werden in den Forschungseinrichtungen und der Industrie jeden Tag rund 13 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investiert.
Da wundert es wenig, dass Stuttgart auch bei den Patentanmeldungen auf Platz 1 in Deutschland liegt. Mit über 4.000 Anmeldungen jährlich führt die Robert Bosch GmbH das Ranking an.
Die ganze Stadt ist eingeladen, Wissenschaft hautnah zu erleben
Genau diese oft unterschätzte Stärke der Landeshauptstadt möchte das Stuttgarter Wissenschaftsfestival, das alle zwei Jahre veranstaltet wird, sichtbar machen und lädt die gesamte Stadt dazu ein, Wissenschaft hautnah zu erleben.
Entstanden ist das Festival aus dem Wunsch, Forschung aus Laboren, Hörsälen und Instituten in die Öffentlichkeit zu tragen. Was zunächst als Plattform für einzelne Veranstaltungen begann, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem großen Stadtfestival entwickelt, das Wissenschaft, Technik, Gesellschaft und Kultur miteinander verbindet. Ziel ist es, Neugier zu wecken und zu zeigen, wie Forschung unseren Alltag prägt – oft mehr, als wir vermuten.
Das Programm ist dabei so vielfältig wie die Wissenschaft selbst. Vorträge, Mitmachangebote, Experimente, Ausstellungen, Workshops und Diskussionen sprechen Interessierte jeden Alters an. Ob Künstliche Intelligenz, Medizin, Nachhaltigkeit, Raumfahrt oder Mobilität der Zukunft – im gesamten Stadtgebiet gibt es Spannendes zu entdecken.
Ein Höhepunkt: die Käpsele-Tour
Zu den besonderen Höhepunkten zählt die beliebte Käpsele-Tour der Stuttgart Entdeckungstouren. Der schwäbische Begriff „Käpsele“ steht bekanntlich für besonders kluge Köpfe – und genau um diese geht es auf der Tour. Sie führt zu Orten des Wissens und der Forschung und vermittelt auf unterhaltsame Weise, wie viele innovative Ideen direkt vor unserer Haustür entstehen.
Schon auf den ersten Blick fällt das farbenfrohe Erscheinungsbild des Festivals auf. In knalligem Pink und Grün springen die Werbeplakate sofort ins Auge und vermitteln die Botschaft: Wissenschaft wird hier nicht als trockene Theorie präsentiert, sondern als lebendiger, kreativer Prozess, der Menschen zusammenbringt.
Ein echter Hingucker ist auch das ungewöhnliche Maskottchen des Festivals: die Gelbkopfamazone. Die auffälligen Papageien sind vielen Stuttgarterinnen und Stuttgartern längst bekannt. Rund 50 Tiere leben heute in der Landeshauptstadt – die größte Population dieser vom Aussterben bedrohten Vogelart außerhalb ihrer südamerikanischen Heimat. Dass sich die Gelbkopfamazonen erfolgreich an ihre neue Umgebung angepasst haben, macht sie zu einem passenden Symbol für das Wissenschaftsfestival, erzählt Ines Schwarzbach, Leiterin des Bereichs Wissenschaft und Hochschulen bei der Landeshauptstadt, in einem Interview mit EchtStuttgart. Denn auch Wissenschaft lebt von Neugier, Anpassungsfähigkeit und der Fähigkeit, auf neue Herausforderungen kreative Antworten zu finden.
Am geflügelten Botschafter des Festivals selbst wird ebenfalls seit Längerem Feldforschung betrieben.
Das Wissenschaftsfestival macht deutlich, dass Stuttgart von Ideen, Forschung und Innovation lebt. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Veränderungen zeigt sich, wie wichtig Wissenschaft für die Zukunft des Standorts ist. Das Schreckgespenst, Stuttgart könne zu einem deutschen Detroit werden, spukt bereits intensiv im Kessel. Die Stärkung des Forschungsbereichs gilt daher für viele als Hoffnungsträger.
Ingo Zamperoni moderiert die Eröffnung
Am Freitag, dem 26. Juni, wird das Wissenschaftsfestival im Rathaus eröffnet – moderiert von Ingo Zamperoni. Grußworte sprechen Oberbürgermeister Frank Nopper sowie Petra Olschowski, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg.
Bis zum 5. Juli haben dann alle Interessierten die Möglichkeit, in die facettenreiche Welt der Wissenschaft einzutauchen. Das umfangreiche Veranstaltungsprogramm ist unter wifest.stuttgart.de abrufbar.
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