Uwe Bogen

Das Alte Schloss als Traumkulisse

Curtis Stigers und die SWR Big Band krönen die Jazz Open: Gänsehaut unter den Arkaden

4. Juli 2026

Wenn Curtis Stigers auf die SWR Big Band trifft, entsteht musikalische Magie – vor der Kulisse des Alten Schloss in einer Intensität, die nicht zu steigern ist. Dieser Abend wird zu einem der emotionalsten Höhepunkte der Jazz Open – samt überraschender Ankündigung für den Killesberg.

Curtis Stigers, der wohl beste lebende Jazzsänger der Welt. Foto: Klaus Schnaidt

Manche Künstler kommen zu einem Festival. Curtis Stigers kommt nach Hause, diesmal mit längeren Haaren, die fast auf die Schultern fallen. Kaum ein internationaler Star ist den Jazz Open so eng verbunden wie der US-Sänger. Und die Liebe beruht auf Gegenseitigkeit:

Stuttgart liebt Curtis Stigers – und Curtis Stigers liebt Stuttgart.

Sein Konzert mit der SWR Big Band im ausverkauften Alten Schloss ist einer der absoluten Höhepunkte des diesjährigen Ausnahmefestivals.

Die Schlosskulisse macht das Gänsehaut-Gefühl noch intensiver

Schon die Kulisse ist ein Traum. Die historischen Arkaden des Alten Schlosses sind stimmungsvoll beleuchtet, der Innenhof wirkt an diesem Sommerabend wie ein Freiluft-Konzertsaal von Weltrang. Kaum ein Veranstaltungsort verbindet Geschichte, Atmosphäre und Musik so eindrucksvoll wie dieses Herzstück des Festivals.

Millionen verkaufte Alben, Welthits wie „I Wonder Why“ aus dem Jahr 1991 und eine Karriere, die längst den schnellen Pop hinter sich gelassen hat: Der US-Sänger ist heute dort angekommen, wo seine Stimme ihre größte Wirkung entfaltet – im Jazz.

Wer ihn erlebt, versteht sofort, warum viele ihn zu den besten lebenden Jazzsängern zählen. Seine warme, rauchige, soulige Stimme erinnert in ihrer Eleganz und Erzählkraft an Frank Sinatra, ohne jemals wie eine Kopie zu wirken. Stigers besitzt längst seine ganz eigene Handschrift. Man würde ihn unter Tausenden von Stimmen sofort erkennen. 

Die traumhafte Kulisse des Alten Schlosses macht das ohnehin herausragende Konzerterlebnis noch viel intensiver. Foto: Klaus Schnaidt
Curtis Stigers greift immer wieder zum Saxofon. Foto: Klaus Schnaidt

Der Sänger, Songwriter und Saxofonist, der im vergangenen Herbst seinen 60. Geburtstag gefeiert hat, scheint mit jedem Jahr besser zu werden. Seine Stimme strahlt Lebenserfahrung aus – samtig und rau zugleich, voller Soul und Gefühl. Jeder Song erzählt eine Geschichte. Das Programm verbindet alte und neue Stücke, die mal ruhig, mal heftig sind. Curtis Stigers lebt die ganze Vielfalt sein Könnens aus.

Das gilt auch für sein jüngstes Album „Songs from my Kitchen Vol. 1“. Während der Corona-Pandemie nahm er die Lieder in seiner Küche auf – umgeben von vier Hunden und einer Whiskeyflasche. Hausmusik mit Herz. Genau diese intime Atmosphäre bringt er auch nach Stuttgart.

Als würde er nur für seine vier Hunde in der Küche singen

Zwei Stücke spielt er nach der Pause ganz allein. Fast wirkt es, als würde er tatsächlich zuhause in seiner Küche für seine Hunde spielen. Nur dass diesmal 1100 Besucherinnen und Besucher gebannt zuhören. Das Konzert ist  ausverkauft.

Die SWR Big Band, die in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag feiert, präsentiert sich in absoluter Bestform. Präzise, druckvoll, elegant und voller Spielfreude. Mal schiebt sie mächtig nach vorne, dann begleitet sie Stigers mit beeindruckender Sensibilität. Bombastisch, wenn es der Song verlangt. Gefühlvoll und filigran in den leisen Momenten.

Jeder Bläsersatz sitzt genial,, jede Nuance stimmt. Die 17 Musiker (es sind nur Männer, keine Frau ist dabei) verschmelzen mit Stigers zu einer Einheit. Dieses Konzert zeigt eindrucksvoll, warum die SWR Big Band zu den besten Big Bands Europas gehört. Sie ist an diesem Abend weit mehr als Begleitband – sie ist selbst in ihrer Einheit  ein Weltstar.

Die SWR Big Band feiert in diesem Jahr den 75. Geburtstag. Foto: Klaus Schnaidt

Und dann  gibt es noch eine Überraschung. Bisher war es nicht angekündigt: Das Publikum  erfährt, dass Curtis Stigers auch beim großen 75-Jahre-Jubiläumskonzert der SWR Big Band am 29. Juli auf der Freilichtbühne Killesberg mit dabei sein wird. Die spontane Ankündigung löst begeisterten Applaus aus – ein weiteres Geschenk an die Fans.

Der US-Amerikaner braucht keine großen Showeffekte. Seine Präsenz lebt von Charme, musikalischer Reife und einer Stimme, die Soul, Jazz und amerikanisches Songwriting auf einzigartige Weise verbindet. Er erzählt zwischen den Liedern kleine Geschichten, greift immer wieder zum Saxofon und wirkt eher wie ein charismatischer Gentleman als wie ein Weltstar.

Auch optisch passt alles. Maßgeschneiderter Anzug,  weißes Einstecktuch, cool mit schwarzem T-Shirt unter der Jacke, das silbergraue Haar in neuer Länge  und ein sympathisches Lächeln – stilvoll, zeitlos und angenehm unprätentiös.

Promoter Jürgen Schlensog begrüßt das Publikum. Foto: Klaus Schnaidt

Fast genauso besonders wie das Konzert ist die Atmosphäre rundherum. Auf der VIP-Empore fühlt sich der Abend an wie ein großes Familientreffen der Jazz-Open-Familie. Man kennt sich seit Jahren, fällt sich zur Begrüßung in die Arme, tauscht Neuigkeiten aus und spricht natürlich schon über das nächste gemeinsame Abenteuer: die ersten Jazz Open in Modena, die unmittelbar nach dem Stuttgarter Festival stattfinden.

Viele Stammgäste fahren in diesem Jahr gemeinsam nach Modena

Wer fährt mit? Wer hat schon gebucht? Viele Stammgäste aus Stuttgart werden auch nach Italien reisen – ein Zeichen dafür, wie eng die Jazz-Open-Gemeinschaft inzwischen zusammengewachsen ist.

Zu den begeisterten Zuhörern zählen  unter anderem Sparda-Bank-Baden-Württemberg-Chef Martin Buch, Scharr-Chef Rainer Scharr, der Unternehmer und frühere Südwestbank-Chef Wolfgang Kuhn, Wittwer/Thalia-Geschäftsführer Rainer Bartle, Steffen Eifert vom Mr. Macs Partyteam sowie Dehoga-Kreisvorsitzender Dennis Shipley.

Shipley profitiert mit seiner Alten Kanzlei direkt gegenüber dem Alten Schloss ganz besonders von den Jazz Open. Nach Konzertende um 22.30 Uhr strömen viele Besucher noch auf seine Terrasse am Schillerplatz. Während der Festivalzeit bleibt sie deshalb bis Mitternacht geöffnet.

Sparda-Bank-Chef Martin Buch (links) und Promoter Jürgen Schlensog. Foto: Klaus Schnaidt
Dennis Shipley (links), der Vorsitzende des Dehoga Stuttgart, mit Rainer Bartle, dem Geschäftsführer von Wittwer/Thalia. Foto: Klaus Schnaidt
Gute Stimmung herrscht auch draußen auf den Liegen der Gastro-Stände. Auch dort hört man die Musik gut, Die Zaungäste werden zum Teil des besonderen Jazz-Open-Gefühls. Foto: Uwe Bogen

Zum besonderen Flair trägt auch Festival-Gastronom Milos Vujicic vom Plenum und Ratskeller bei. Vor dem Alten Schloss hat sein Team  Liegestühle aufgebaut. Selbst während des Konzerts sind sie bestens besetzt. Viele genießen dort den Sommerabend – und hören die Musik auch außerhalb des Innenhofs noch erstaunlich gut. Auch Zaungäste sind ein Teil des Jazz-Open-Gefühls. 

Curtis Stigers ist weit mehr als ein gern gesehener Gast in Stuttgart. Er ist ein musikalischer, aber auch persönlicher Freund des Festivals geworden, der in der ganzen Welt erzählt, warum es bei den Jazz Open so schön ist. Seine Auftritte sind jedes Mal eine Liebeserklärung an die Musik, aber auch an Stuttgart.

Und Stuttgart antwortet mit derselben Herzlichkeit.

Genau deshalb ist dieser Abend einer der schönsten, emotionalsten und musikalisch stärksten Momente der Jazz Open 2026. Doch es kommen noch viel mehr Höhepunkte! in den nächsten Tagen!

Mensch, Stuttgart, geht es dir gut!.

Das Publikum ist begeistert. Foto: Klaus Schnaidt
Jazz-Open-Chef Jürgen Schlensog mit unserem Autor Uwe Bogen (links) - seit vielen Jahren ein gutes Team. Foto: Klaus Schnaidt

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Illustration von Stuttgart
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