Patrick Mikolaj
23. Indisches Filmfestival Stuttgart
Wie der indische Filmstar Amartya Ray in Stuttgart zum VfB-Fan geworden ist
27. Juli 2026
Stuttgart feiert einen neuen Stern des indischen Kinos: Für Amartya Ray, den Träger des ersten Shooting Star Awards, gibt’s vor der Premiere eine Überraschung in Rot-Weiß. „Der German Star of India“ geht an einen Film ganz ohne Bollywood-typischen Tanz
Amartya Ray ist jetzt VfB-Fan. Kurz vor der internationalen Premiere seines neuen Spielfilms „Nevermind“ beim 23. Indischen Filmfestival Stuttgart erhielt der indische Schauspieler eine besondere Überraschung: Ein Ehrengast überreichte ihm einen rot-weißen Fanschal des VfB Stuttgart.
Der Shooting-Star aus Mumbai freute sich sichtlich über das Geschenk. Besonders beeindruckt zeigte er sich von der Verbindung zwischen Fußball und Stuttgart: Ray staunte, dass gleich vier VfB-Spieler bei der Fußball-Weltmeisterschaft Teil der deutschen Nationalmannschaft waren.
Seine Mutter, die gefeierte bengalische Schauspielerin und Regisseurin Chaiti Ghoshal, teilte die Freude über die Stuttgarter Geste. Sie inszenierte „Nevermind“ und begleitet ihren Sohn stolz bei seinem internationalen Erfolg. Auch die „Times of India“ berichtete bereits mehrfach über die Ehrung in Stuttgart.
Denn Amartya Ray wurde beim 23. Indischen Filmfestival Stuttgart mit dem erstmals vergebenen „Shooting Star Award“ ausgezeichnet. Damit würdigte die Jury einen Künstler, der weit mehr ist als ein aufstrebender Schauspieler.
„Die Welt des Kinos ist die Heimat der großen Filmstars, die uns im Leben begleiten und Teil unserer Familien werden. Jede Karriere muss irgendwo beginnen – und es gibt keinen aufregenderen Moment, als wenn ein neuer Stern zu leuchten beginnt“, erklärte die Jury in ihrer Begründung.
Ein vielseitiger Künstler zwischen Film, Musik und Regie
Amartya Ray hat sich bereits in Hindi- und Bengali-Produktionen einen Namen gemacht. Zu seinen bisherigen Arbeiten zählen der Kinofilm „Maidaan“ (2024), in dem er an der Seite von Ajay Devgn spielt, sowie „22 Yards“ (2019) und sein bengalisches Debüt „Uronchondi“ (2018).
Auch hinter der Kamera ist Ray aktiv: Er arbeitet als Regisseur, Dokumentarfilmer und Singer-Songwriter. Seine Kurzfilme und Dokumentationen „Dhulo“, „Portraits: 2020“ und „Our Mountain Valley Home“ wurden auf Festivals gezeigt und ausgezeichnet. Für „Nevermind“ war er zudem als Co-Regisseur beteiligt.
„Nevermind“ zeigt die außergewöhnliche Schauspielkunst von Amartya Ray
Besonders überzeugt hat die Jury seine Darstellung der Hauptfigur Jude in „Nevermind“. Jude lebt in der Unterwelt von Kolkata, singt in einem Club und gerät durch seine Kontakte zu zwielichtigen Bekannten immer tiefer in Schwierigkeiten.
Amartya Ray macht aus dieser Figur weit mehr als einen einfachen Außenseiter. Er verleiht Jude Melancholie, Charme und eine besondere menschliche Tiefe. Die Jury beschreibt ihn als einen Charakter, der zwischen verschiedenen Möglichkeiten steht: Ist Jude ein einfacher Junge, ein geschickter Opportunist oder ein begabter Musiker?
Gerade diese Offenheit macht die Rolle so faszinierend. Jude sucht nach seinem Platz im Leben – nach etwas oder jemandem, zu dem er gehört. Ray bringt diesen inneren Konflikt mit großer Ausdruckskraft auf die Leinwand.
Stuttgart begrüßt einen neuen Stern des indischen Kinos
Mit dem ersten „Shooting Star Award“ setzt das Indische Filmfestival Stuttgart ein Zeichen für internationale Nachwuchstalente. Amartya Ray steht dabei für eine neue Generation indischer Künstler, die Schauspiel, Regie und Musik miteinander verbinden.
Nach seinem Besuch in Stuttgart nimmt der vielseitige Künstler nicht nur eine wichtige Auszeichnung mit nach Hause – sondern auch einen VfB-Schal und eine besondere Verbindung zur Fußball- und Kulturstadt Stuttgart.
Neben dem erstmals vergebenen Shooting Star Award für Amartya Ray wurden beim Finale des 23. Indischen Filmfestivals Stuttgart weitere herausragende Produktionen ausgezeichnet. Den Hauptpreis „German Star of India“ erhielt Regisseur Khanjan Kishore Nath für sein historisches Drama „Kangbo Aloti – The Lost Path“. Der erste Spielfilm in der Sprache Karbi erzählt die Geschichte eines jungen Extremisten im Nordosten Indiens, der durch einen pazifistischen Lehrer in einen tiefen moralischen Konflikt gerät. Die Jury würdigte das Werk als „beeindruckendes, ambitioniertes und höchstpersönliches Kino“ und als Plädoyer für Bildung statt Gewalt. Der Film verzichtet bewusst auf typische Bollywood-Elemente wieGesang und Tanz.
Der Preis für den besten Kurzfilm ging an Devansh Agarwals rasante Detektivkomödie „Detective Meter Down“, die klassische Krimi-Elemente mit Slapstick und modernem indischen Humor verbindet. Als bester Dokumentarfilm wurde „Even the Fire Knows“ von Dipanjali Khakhlary ausgezeichnet. Der 18-minütige Film porträtiert Tumpa Das, eine der wenigen Leichenverbrennerinnen Indiens, die sich in einem von Männern dominierten Beruf behauptet.
Den Director’s Vision Award erhielt Abhay Punjabi für sein berührendes Coming-of-Age-Drama „Pukam Pukai – To Fetch a Pail of Water“, während das Publikum den Spielfilm „Narivetta – Jackal Hunt“ von Anuraj Manohar zum Favoriten des Festivals wählte.
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