Zum Inhalt springen

House-Hochburg Stuttgart

Nach Vibrancy ist vor Stutyard: Zwei House-Festivals, zwei eigene Welten


Uwe Bogen ·21. September 2026 ·4 Min. Lesezeit News

Nach dem House-Festival ist vor dem House-Festival: Vibrancy-Veranstalter Dominik Seidenspinner zieht für EchtStuttgart eine äußerst positive Bilanz vom Schlossplatz. Im Dezember folgt Stutyard auf der Landesmesse mit einem anderen Ansatz. Warum es dort keine Premium-Tickets gibt und Handykameras zugeklebt werden.

Die Veranstalter der Vibrancy auf dem Schlossplatz ziehen eine äußerst positive Bilanz. Foto: Andreas Engelhard

Bestes Wetter, ein begeistertes Publikum und ein internationales Setup mitten in Stuttgart: Für Vibrancy-Veranstalter Dominik Seidenspinner ist der Festival-Samstag auf dem Schlossplatz aufgegangen. Im Gespräch mit EchtStuttgart zieht er eine überaus positive Bilanz – auch zum Umsatz. Der große Einsatz hat sich also demnach für ihn und sein Team auch finanziell gelohnt. Damit richtet sich der Blick bereits auf 2027. Vibrancy soll erneut auf dem Schlossplatz stattfinden – auf dem schönsten Platz der Stadt.  Geplant sind dann wieder zwei Festivaltage, wie schon bei der Premiere 2025.

In diesem Jahr blieb es bei einem Tag. Der Grund lag in der ursprünglichen Belegung des Schlossplatzes: Dort hätte das Historische Volksfest stattfinden sollen, das später aus finanziellen Gründen abgesagt wurde.

So viel Energie bei Vibrancy im Kessel – und schon liebt man Stuttgart noch ein bisschen mehr

Im Dezember zieht der Beat zur Messe

Stuttgart, die House-Hochburg. Der Perkins Park ist zum House-Club Park geworden, der Fans der elektronischen Musik aus dem ganzen Land anlocken soll. Und nach dem Open-Air im Herzen der Stadt wird im Dezember die nächste House-Stufe gezündet.  Am 12. und 18. Dezember steigt mit Stutyard das nächste große Festival für elektronische Musik – diesmal auf dem Gelände der Landesmesse Stuttgart am Flughafen

Die Stutyard (hier 2025) kehrt im Dezember an zwei Tagen auf die Landesmesse zurück. Foto: Uwe Bogen

Stutyard-Veranstalter Deniz Keser setzt dabei auf ein anderes Konzept. Die Musik ist härter, das Publikum jünger und der Auftritt bewusst subversiver. Statt Schlossplatz und Open-Air gibt es Messehalle und Techno-Atmosphäre.

Dazu gehört auch ein striktes Fotografierverbot. Handykameras werden abgeklebt. Die Aufmerksamkeit soll nicht auf dem nächsten Video für Instagram oder TikTok liegen, sondern auf Musik und Nacht.

Premium-Tickets gibt’s bei der Stutyard nicht

Besonders deutlich werden die Unterschiede beim Ticketkonzept. Ein Premium-Ticket gibt es bei Stutyard nicht. Der Einheitspreis liegt laut Keser bei ungefähr 60 Euro. Dafür können Besucher grundsätzlich auch auf die Bühne in den Bereich hinter dem DJ. Bei Vibrancy kostete das Premium-Ticket rund 140 Euro. Neben dem Bühnenzugang sind darin allerdings weitere Leistungen enthalten.

Manche Hardcore-Housefans lästern: Vibrancy sei Schicki-Micki statt Rave, Cocktail-Flair statt Underground. Dominik Seidenspinner  sieht das nicht so. „Ich denke, es sind andere Zielgruppen“, sagt er. „In der Messe wird sehr harter Techno gespielt. Deutlich jüngeres Publikum als bei uns.“

Auch der Preisunterschied lasse sich aus Seidenspinners Sicht nicht allein am Bühnenzugang festmachen. „Wir schaffen ja neben Bühnenzugang noch weitere Benefits: Lounges, separate Toiletten, separate Bars und eben ganz sicher die Möglichkeit, nah am DJ zu sein“, sagt der Vibrancy-Veranstalter.

Entscheidend ist für ihn das Versprechen, diesen Zugang tatsächlich nutzen zu können. Wenn bei einem Festival grundsätzlich alle auf die Bühne dürfen, heißt das schließlich nicht, dass dort Tausende gleichzeitig Platz finden.

„Wenn jeder Zugang hätte, kommen 7000 trotzdem nicht in den Genuss, da es dann ein First-Come-first-serve-Prinzip ist“, sagt Seidenspinner.

Und Schickimicki? Auch diesen Begriff weist er zurück: „Schickimicki würde ich es nicht nennen, sondern Personen, denen diese Benefits etwas wert sind.“

Bei der Vibrancy vor dem Neuen Schloss hat alles gestimmt. Foto: Andreas Engelhard

Mehr bezahlen für mehr Freiraum

Dabei geht es vielen Fans elektronischer Musik beim Premium-Ticket offenbar gar nicht in erster Linie um Exklusivität. Sie wollen schlicht mehr Platz, weniger Gedränge und die Freiheit, sich entspannter bewegen zu können. Dafür zahlen sie bewusst mehr. Manche würden, so die Erfahrung der Veranstalter, ohne diese Möglichkeit gar nicht erst kommen.

Eine Besonderheit der elektronischen Musik ist zudem die Nähe zum Künstler. Das Publikum tanzt teilweise direkt hinter dem DJ – eine Vorstellung, die etwa bei einem Konzert der Jazzopen kaum denkbar wäre. Für viele DJs gehört genau diese Nähe jedoch zum Erlebnis. Sie stehen nicht entrückt auf einer Bühne vor dem Publikum, sondern wollen mitten in der Menge sein – einer von allen.

Zwei Festivalwelten in einer Stadt

So stehen Vibrancy und Stutyard weniger für ein Gegeneinander als für zwei unterschiedliche Spielarten elektronischer Großveranstaltungen. Auf dem Schlossplatz treffen Open-Air-Kulisse, Komfortangebote und Premiumbereiche aufeinander. In der Messe geht es härter und reduzierter zu, mit Fotoverbot und einem einheitlichen Ticketmodell.

Deniz Keser und Dominik Seidenspinner sprechen damit unterschiedliche Zielgruppen an – und zeigen zugleich, wie breit die elektronische Festival-Szene in Stuttgart inzwischen aufgestellt ist.

Dass elektronische Musik derzeit einen solchen Lauf hat, überrascht Seidenspinner nicht. „House wird immer mehr zum Mainstream“, sagt er. Dies zeigt sich auch an anderer Stelle in Stuttgart. Die Betreiber des legendären Perkins Park, der nun Park heißt. setzen deshalb mit dem neuen Konzept  – natürlich auch auf House. 

Gefällt mir
Artikel teilen
Link kopiert
Uwe Bogen

Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

Alle Artikel von Uwe Bogen →

Mehr von Uwe Bogen

Mehr aus News

Inhaltsverzeichnis
  1. Im Dezember zieht der Beat zur Messe
  2. Premium-Tickets gibt’s bei der Stutyard nicht
  3. Mehr bezahlen für mehr Freiraum
  4. Zwei Festivalwelten in einer Stadt

Anzeige

Face of Germany – Halbfinale, 18.10.2026, MALO Stuttgart – jetzt bewerben
Newsletter

Bleib auf dem Laufenden

Wöchentliche Highlights, Events und Insides aus Stuttgart – kostenlos, jederzeit abmeldbar.

Echt Stuttgart Spezial Unsere großen Geschichten Alle Spezial-Seiten mit Hintergründen, Updates und Live-Daten an einem Ort. Zu den Specials →