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NewsletterDas Wichtigste aus Stuttgart, kostenlosGroße Feier im Theaterhaus Stuttgart
Vom Comedy-Polizisten über einen Ex-Punk mit Kehrwoche bis zum wortlosen Artisten: Im Theaterhaus wird am Montagabend der Kleinkunstpreis Baden-Württemberg verliehen. Gleich zwei Hauptpreise gehen an Künstler mit Stuttgart-Bezug. Das Publikum feiert die Vielfalt der Szene.
Es ist ein bisschen wie bei einem großen Familientreffen am Montagabend im Theaterhaus Stuttgart. Frühere Preisträger treffen auf neue Talente, alte Bekannte auf hoffnungsvolle Nachwuchskünstler. Manche haben den Kleinkunstpreis bereits zu Hause stehen, andere träumen noch davon. Denn die Auszeichnung gilt als Sprungbrett für eine größere Karriere und ist zudem ordentlich dotiert.
Zum 40-Jahr-Jubiläum zeigt sich die Kleinkunstszene im Südwesten ausgesprochen vielseitig. Die drei mit jeweils 5000 Euro dotierten Hauptpreise gehen an den Artisten Lukas Aue aus Bad Herrenalb sowie die Comedians Jochen Prang und Luan, die beide eng mit Stuttgart verbunden sind.
Sitzt ein Albaner im Streifenwagen – er trägt Uniform und ist nicht festgenommen. . Der 1988 im Kosovo geborene und in Stuttgart aufgewachsene Comedian Luan hat gleich zwei Berufe: Er ist Polizist und Stand-up-Comedian. Als schwäbisch-albanischer „Comedy-Cop“ verarbeitet er Begegnungen aus seinem Polizeialltag, kulturelle Missverständnisse und schwäbische Eigenheiten. Trocken, direkt und mit reichlich Selbstironie.
Heute arbeitet Luan auch in der polizeilichen Prävention und besucht Schulen. Die Jury würdigt besonders seine Authentizität und die Nähe zum Publikum. Er verbinde kulturelle Reibung und schwäbischen Humor zu einem modernen Stand-up-Stil, der nie konstruiert wirke.
Dass ein ehemaliger Punk einmal über Elternzeit und schwäbische Ordnungsliebe Witze macht, ist für Jochen Prang längst Alltag. In seinem Programm „Punk is Dad – Anarchie und Elternzeit“ erzählt der Wahl-Stuttgarter vom Leben zwischen einstiger Rebellion und heutiger Familienrealität. Sein Fazit: „Früher war ich Punk, jetzt habe ich Kehrwoche!“
Ob gebrauchte Teebeutel, Elternstress oder ein Kirchenchor als kostenlose Kinderbetreuung: Prang entdeckt die Komik in den kleinen Absurditäten des Alltags. Statt pausenloser Pointen setzt er auf Geschichten, Selbstironie und genaue Beobachtungen. Für die Jury ist er ein „Comedian mit Haltung: klug, wach und immer nah am Puls der Zeit“.
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Der dritte Hauptpreisträger beweist, dass man auf der Bühne nicht sprechen muss, um etwas zu sagen. Lukas Aue aus Bad Herrenalb verbindet Akrobatik, Jonglage, Clownerie und Schauspiel zu poetischen Geschichten. Ausgezeichnet wird er für „Entglitten“, sein erstes Soloprogramm. Darin beschäftigt er sich mit der täglichen Flut negativer Nachrichten und der Frage, wie man sich daraus befreien kann.
„Es ist ein sehr politisches Stück“, sagt Aue. Zugleich will er Hoffnung vermitteln. Die Entwicklung des Programms hat für ihn selbst eine therapeutische Wirkung.
Die Idee entsteht in einer schwierigen Zeit: Während der Corona-Pandemie brechen ihm innerhalb einer Woche sämtliche Einnahmen weg. Gemeinsam mit seiner Partnerin zog er nach Bad Herrenalb. Heute erhält er für das daraus entstandene Programm eine der wichtigsten Kleinkunstauszeichnungen des Landes.
Wer Gogol & Mäx erlebt, weiß: Hier bleibt kein Flügel lange einfach nur ein Flügel. Seit mehr als drei Jahrzehnten verbinden Christoph Schelb und Max-Albert Müller klassische Musik mit Slapstick, Artistik und herrlich absurdem Humor.
Das Anfang der 1990er-Jahre in Freiburg gegründete Duo begeistert mit seinen Programmen europaweit. Bereits 2011 erhielten die beiden den Kleinkunstpreis, nun folgt der mit 5000 Euro dotierte Lotto BW-Ehrenpreis.
Die Jury schwärmt von „zwei Virtuosen in excelsis – quietschkomisch, albern, atemberaubend und einfach großartig!“
Die mit jeweils 2.000 Euro dotierten Förderpreise gehen an das Duo Riedel & Meister und die Liederpoetin Theresa Dold.
Susanne M. Riedel und Lukas Meister stehen seit 2024 gemeinsam auf der Bühne und verbinden humorvolle Kurzgeschichten mit Liedern. Theresa Dold wiederum schlägt musikalisch eine Brücke zwischen Schwarzwald und Hamburg. In ihren Liedern über Heimat, Fernweh und Aufbruch wechselt sie zwischen Alemannisch und Hochdeutsch.
„40 Jahre Kleinkunstpreis, das sind vier Jahrzehnte Staunen, Lachen und Nachdenken made in Baden-Württemberg“, sagt Kunststaatssekretärin Neşe Erikli bei der Verleihung. Kleinkunst halte der Gesellschaft den Spiegel vor und bringe Menschen zusammen, die sonst vielleicht nie gemeinsam lachen würden.
Gemeinsam mit Dorothee Lang-Mandel von Lotto Baden-Württemberg überreicht Erikli die Preise. Durch den Abend führt Charlotte Hübsch vom Satire-Kollektiv Luksan Wunder.
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Seit 1986 werden mit dem Kleinkunstpreis herausragende Künstlerinnen und Künstler aus dem Südwesten ausgezeichnet. Er ist der einzige Landespreis für Kleinkunst in Deutschland. Zu den bisherigen Gewinnern zählen unter anderem Bülent Ceylan, Florian Schroeder, Christoph Sieber, Serdar Karibik, Eure Mütter, Bernd Kohlhepp und Topas.
Vielleicht liegt gerade darin die große Stärke der Kleinkunst: Sie braucht keine riesigen Hallen, aufwendigen Kulissen oder millionenschweren Produktionen, um etwas zu bewegen. Oft reichen eine Bühne, ein Mikrofon und eine gute Idee. Sie darf unbequem sein, politisch, albern, poetisch und manchmal alles gleichzeitig. Sie bringt Kultur auch dorthin, wo der große Showbetrieb nicht hinkommt, in kleine Theater, Kulturzentren und auf Dorf- und Kleinstadtbühnen. Und sie sorgt dafür, dass Baden-Württemberg nicht nur ein Land der Tüftler und Denker bleibt, sondern auch eines der Querdenker, Wortakrobaten und Spaßmacher. Die braucht es mindestens genauso dringend.
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