Cannstatter Volksfest
„Jünger, schöner, geiler“ gibt’s jetzt auch als Lebkuchenherz. Stammt aus dem Hit „Layla“: DJ Robin verdient daran aber keinen Cent. Dafür verrät er EchtStuttgart, warum er den Wasen lieber mag als die Wiesn – und welcher Song dieses Jahr das Zeug zum Volksfesthit hat.
Früher war die Welt der Lebkuchenherzen noch übersichtlich. Da stand „Ich liebe dich“ drauf, „Für die beste Mama“ oder notfalls der Vorname der Person, die das süße Ding den restlichen Abend um den Hals tragen musste.
Aus Müncnen, wo das Oktoberfest bereits begonnen hat, wird gemeldet, dass ein Spruch in diesem Jahr besonders häufig auftaucht.„Jünger, schöner, geiler“ prangt neuerdings in Zuckerguss auf einem Lebkuchenherz.
Das ist nicht unbedingt eine besonders bescheidene Selbsteinschätzung für jemanden, der sich das Herz umhängt. Aber Bescheidenheit gehört auf dem Wasen ungefähr so sehr zur Grundausstattung wie Mineralwasser im Maßkrug.
Kommt Euch der Spruch bekannt vor?
Aber klar doch! Die drei Worte stammen aus „Layla“, jenem Lied von DJ Robin und Schürze, an dem vor einigen Jahren praktisch niemand vorbeikam – ganz egal, ob er wollte oder nicht. „Sie ist schöner, jünger, geiler“, heißt es darin. Und jetzt kann man sich die Botschaft also um den Hals hängen – oder verschenken an Menschen, auf die das zutrifft oder eben nicht.
Wer hat Angst vor der nackigen Frau? – Stuttgarter Zoff am Ballermann
EchtStuttgart wollte deshalb von DJ Robin wissen: Wenn auf der Wiesn Menschen mit seiner berühmten Zeile auf der Brust herumlaufen – klingelt dann wenigstens bei ihm die Kasse?
Die ernüchternde Antwort für alle, die vom großen Lebkuchen-Lizenzgeschäft träumen: „Ne, bekomme nichts für“, antwortet Robin. Die Zeile sei schließlich nicht geschützt. Geschützt sei lediglich der Titel „Layla“ in Zusammenhang mit dem Song.
Mit anderen Worten: Jünger, schöner, geiler ist frei. Zumindest als Zuckerguss. Und irgendwie passt das ja auch. Denn wenn man DJ Robin fragt, warum das Volksfest besser sei als das Oktoberfest. klingt seine Antwort beinahe so, als hätte jemand die drei Worte eigens für Stuttgart erfunden.
Viermal legt Robin diesmal im Wasenwirt-Zelt auf, jeweils dienstags und mittwochs. Und München? Nett, aber Stuttgart sei eben familiärer, sagt er. Weniger Touristen, die Zelte seien keine so großen „Trinkhallen“ und alles sei „viel schöner mit Liebe dekoriert“.
Und dann kommt noch ein Argument, gegen das wissenschaftlich vermutlich schwer anzukommen ist: „Wir Schwaben sind einfach die cooleren!“
Damit wäre das geklärt.
Cannstatter Wasen
Nur ausgerechnet „Layla“, könnte man meinen, müsste Robin bei seinen Volksfest-Auftritten inzwischen ungefähr so häufig spielen wie der Herr Kappelmeister „Ein Prosit“. Doch weit gefehlt. „Layla spiele ich nur einmal am Abend“, sagt der DJ. Überhaupt wiederhole er während seiner Set-Zeit keinen Titel. Das ist durchaus beruhigend. Manche Ohrwürmer sind schließlich wie Maultaschen: Eine Portion ist wunderbar. Bei der siebten wird es schwierig.
Und welcher Song wird dann der Volksfesthit 2026?
DJ Robin legt sich ziemlich eindeutig fest: „Mon Amour“.
Warum? Auf Mallorca sei das momentan „mit Abstand der lauteste Song“. Schon beim Stuttgarter Frühlingsfest habe das Lied hervorragend funktioniert, obwohl es damals noch längst nicht jeder kannte. Robins fachmännische Analyse: „Geile Melodie und perfekt zum Mitschreien“
Mehr muss ein Volksfesthit vermutlich auch gar nicht können..
Vielleicht hängt „Mon Amour“ also demnächst ebenfalls in Zuckerguss um Tausende Wasen-Hälse. Bis dahin wissen wir dank DJ Robin immerhin zweierlei: Die Münchner haben die größeren Trinkhallen. Und die Schwaben sind die Cooleren. Oder, wie man neuerdings via Lebkuchenherz sagen kann: Wir sind jünger, schöner, geiler.
Und dafür müssen wir nicht mal Tantiemen zahlen.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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