Uwe-Bogen-Kolumne

Wer hat Angst vor der nackigen Frau? – Stuttgarter Zoff am Ballermann


Uwe Bogen ·18. August 2026 ·4 Min. Lesezeit News

Stuttgart und Mallorca trennen 1200 Kilometer. Und doch liegen dazwischen Welten - wegen der Entfernung und des Pegels. Eine nüchterne Betrachtung des Zoffs zweier Influencer aus Stuttgart. Andere streiten über Krieg, Krisen und Klima. Auf Malle streitet man über eine nackige Frau.

DJ Robin vs. Nina - erst singen sie zusammen, dann zoffen sie sich. Foto: Instagram/djrobin1966/von KI geniert

Über den Ballermann kann ich ganz locker schreiben. Denn ich war noch nie dort.

Das ist ein großer Vorteil. Ich kenne den Ballermann nur aus den Partysongs – also aus dem musikalischen Spektrum zwischen „Bumsbar“ und „Scheiß drauf… Mallorca ist nur einmal im Jahr“. Und ich kenne DJ Robin, schon seit Jahren. Ich mag Robin. Hab mit ihm mal das Kinderhospiz in Stuttgart besucht und ihn von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Er ist ein netter, aber durchaus tiefgründiger Kerl. Auch wenn ich nicht immer alles verstehe, was er singt.

Das ist wahrscheinlich die ideale Voraussetzung für eine  Kolumne über Malle: maximale Ahnungslosigkeit bei gleichzeitig maximaler Überzeugung.

Denn gerade gibt es Stoff, also Zoff. DJ Robin aus Gerlingen hat mit der Stuttgarter Influencerin Nina Anhan, Ehefrau von Haftbefehl, den Song „Die nackige Frau“ aufgenommen. Die Botschaft ist – sagen wir – unmissverständlich. Da steht eine nackige Frau am Ballermann, alle sind zum Ballern da und zum Saufen sowieso.

Man muss das erst einmal sacken lassen.

Nicht den Sangria. Den Text.

Wenn eine Frau mal ihre Meinung ändert

Robin war für die Aufnahme extra nach Mallorca gereist. Geld wurde investiert, ein Musikvideo gedreht, ein Song produziert. Und kurz nach der Veröffentlichung erklärte Nina Anhan, seine Duettpartnerin, der Song gefalle ihr nun doch nicht und solle nicht weiter verbreitet werden. „Dabei hat sie den Text vier Wochen vor der Aufnahme zum Lesen bekommen und fand ihn gut“, sagt Robin und langt sich an den Kopf.

Der 30-Jährige reagierte erbost und kündigte an, nie wieder mit einer Influencerin zusammenarbeiten zu wollen, die nur an schnelles Geld denke und nicht wisse, wie hart das musikalische Leben auf Mallorca in Wahrheit ist. Saufen und Sex sind wohl Themen, die einem Ballermann-Schreiber gar nicht so leicht aus der Hand fließen.

In seinem Video, in dem er ordentlich über Nina austeilt, spricht Robin mehrfach vom „Saufidol“.

Am Freitag erscheint Robins neuer Song

Bitte, ich will da nichts hineininterpretieren. Schließlich stehe ich für das echte Stuttgart und bin kein Ballermann-Detektiv. Aber wenn ein Mann mehrfach „Saufidol“ sagt, muss das nicht uneigennützig sein. Und siehe da: Am Freitag erscheint sein neuer Song. Wie heißt der wohl?  „Saufidol“. 

Gut, ich hab andere Idole und Ideale. Nina jetzt auch? Dabei verbindet die beiden doch etwas sehr Schönes: Sie haben gemeinsam einen Song aufgenommen, in dem es um das geht, von dem man offenbar am Ballermann am meisten versteht.

Saufen und  Rumsauen.

Wie gesagt, ich war noch nie dort. Deshalb kann ich auch völlig unbefangen dumm fragen: Ist das wirklich alles, was im Leben zählt? Was ist mit Klima, Krisen, Kriege?

Was fehlt uns zu Hause, wenn wir nach Mallorca fliegen, um dort Dinge zu tun, die wir theoretisch auch zu Hause tun könnten?

Wobei: Vielleicht nicht ganz.

Das Bier schmeckt in Stuttgart vermutlich genauso. Der Sex ist zu Hause möglicherweise sogar diskreter. Und eine nackige Frau kann einem theoretisch auch in einer Stuttgarter Sauna begegnen, ohne dass dafür ein Flugzeug nötig ist.

Aber am Ballermann wird daraus ein Lebensgefühl. Und das wird dann besungen.

Das ist überhaupt das Faszinierende an diesem Genre. Andere Länder schicken ihre Dichter, Schriftsteller und Komponisten in die Welt. Wir schicken DJ Robin. Ballermann ist  ein Paralleluniversum, in dem Urlaub nicht Erholung bedeutet, sondern Eskalation. Was sagt das über den Zustand von Deutschland aus? Da läuft wohl was verkehrt, und das nicht nur auf der Sonneninsel.

Bei den Songs muss ein Wort sitzen, am besten viermal

Und Robin ist ja wirklich nett. Das meine ich ernst. Ich mag ihn. Vielleicht gerade deshalb darf man sich über seine Musik ein bisschen lustig machen. Er singt Dinge, die ich nicht immer verstehe, aber vermutlich muss man auch nicht alles verstehen. Bei einem Ballermann-Song geht es schließlich weniger um Interpretation als um Wiederholung.

Ein Wort muss sitzen. Am besten viermal.

Saufen.

Noch einmal.

Saufen.

Dann ein Reim.

Und zum Schluss wird geballert.

Nackige Frau, sorry, aber ich hab Rücken

Für die Ballermann-Songschreiber wird es allerdings immer schwieriger, noch originelle Reime zu finden. Hat man die beiden großen Themen – Saufen und Sex – nicht längst in sämtlichen Varianten durchgenudelt?

Wie viele Songs braucht es noch über Männer, die am nächsten Morgen nicht mehr wissen, wo und mit wem sie waren und warum auf einmal eine Sonnenbrille im Kühlschrank liegt?

Ich hätte ein paar Vorschläge.

Wie wäre es mit „Nackige Frau, sorry, aber ich hab Rücken“?

Oder „Saufidol – gibt’s hier auch Milkshakes?“

Sehr zeitgemäß wäre auch „Bumsbar, aber meine Frau hat den Standort an“.

Für den gehobenen Ballermann vielleicht: „Sangria ist alle – und jetzt reden wir über Gefühle“.

Oder mein persönlicher Favorit:

„Wir fahren nach Mallorca und machen einfach mal Erholungsurlaub.“

Das wäre dann allerdings kein Ballermann-Song mehr. Das wäre Science-Fiction. Und bevor mir jetzt jemand vorwirft, ich hätte Probleme mit nackigen Frauen: Sorry für diese Kolumne. Ich mag den DJ Robin halt. Und trotz allem macht er einen verdammt guten Job. Robin, wir müssen aber auch noch die Welt retten! Versprich mir, dass du mitmachst.

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Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Wenn eine Frau mal ihre Meinung ändert
  2. Am Freitag erscheint Robins neuer Song
  3. Bei den Songs muss ein Wort sitzen, am besten viermal
  4. Nackige Frau, sorry, aber ich hab Rücken

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