Uwe Bogen

Zum Tod von Andreas Markovic

Queere Community trauert um Mitgründer des Stuttgarter CSD

4. Mai 2026

Er war bekannt für legendäre Nilpartys und Neckarfahrten, in der Szene  nannte man ihn die „Bienenkönigin“: Andreas Markovic, eine prägende Figur des  Stuttgarter CSD seit den Anfängen, ist im Alter von  60 Jahren  überraschend gestorben. Die queere Community ist geschockt. 

Andreas Markovic ist im Alter von 60 Jahren überraschend gestorben. Foto: privat

Frl. Wommy Wonder alias Michael Panzer ringt um Worte. Der Travestie-Star hat in der vergangenen Woche noch anderthalb Stunden mit Andreas Markovic telefoniert. Man wollte sich in Kürze treffen, um eine Veranstaltung für die CSD-Kulturwochen in diesem Sommer vorzubereiten. „Wir wollten gemeinsam von den Anfängen des Stuttgarter CSD erzählen und mit dem Publikum in Erinnerungen schwelgen“, berichtet Wommy im Gespräch mit EchtStuttgart.

Am selben Abend hinterließ Markovic noch eine knapp dreiminütige Nachricht auf der Mailbox von Panzer  – mit spontanen Ideen und einem „freue mich riesig aufs Wiedersehen“ als Abschluss. In derselben Nacht träumte Wommy noch von ihm, erzählt sie: Andreas habe darin gesagt: „Schön war unsere Zeit beim CSD. Doch jetzt ist die nächste Generation dran.“

Im vergangenen November hatte er seinen 60. gefeiert 

Am Montag dann der Schock: Der Weggefährte über Jahrzehnte hinweg wurde tot in seiner Wohnung gefunden. Markovic, der im vergangenen November seinen 60. Geburtstag feierte, war eng mit der queeren Szene in Stuttgart verbunden und gehörte zu den prägenden Mitbegründern des CSD in der Stadt.

Mit großer Bestürzung nimmt die queere Community in Stuttgart Abschied von Andreas Markovic.  Er hat von Anfang an  mit dem CSD für Sichtbarkeit und Akzeptanz gekämpft – in einer Zeit, in der die Widerstände wesentlich größer waren als heute.

Vorstandsteam des CSD äußert „großen Respekt“

Mit ihm verliert die Stadt einen der prägenden Mitbegründer des Stuttgarter Christopher Street Day und einen Menschen, der die Anfänge der Bewegung entscheidend mitgestaltet hat. Markovic gehörte im Jahr 2001 zu den Gründungsmitgliedern der IG CSD Stuttgart und half dabei, den Grundstein für die heutige Pride zu legen.

„Für diese Leistung und den unermüdlichen Einsatz haben wir großen Respekt“, erklärt das Vorstandsteam der IG CSD. Besonders in einer Zeit deutlich schwierigerer gesellschaftlicher Rahmenbedingungen habe sein Engagement „eine enorme Bedeutung für die Sichtbarkeit und Akzeptanz queerer Menschen gehabt“.

Die frühen Jahre des CSD waren bestimmt von Improvisation, aber auch von Widerständen und Skepsis. Sichtbarkeit musste erst erkämpft werden, politische Unterstützung war keineswegs selbstverständlich. Gemeinsam mit Mitstreiter:innen wie der Travestie-Künstlerin Frl. Wommy Wonder und anderen gestaltete  Markovic diese Aufbauzeit entscheidend mit.

Aus diesen Anfängen entwickelte sich eine Bewegung, die heute zu den größten CSDs in Deutschland zählt. In den Anfangsjahren war es schwierig, Politikerinnen oder Politiker zu CSD-Empfängen zu bewegen. Wenn es doch gelang, verlangte ein Referent schon mal, man müsse dafür sorgen, das keine Fotos vom Chef  mit „Halbnackten“ gemacht werden, erinnert sich Wommy. Mit Andreas Markovic wollte sie  bei einer CSD-Veranstaltung im Sommer solche Anekdoten zum Besten geben. 

Engagiert auch in der Stuttgarter Aids-Hilfe

Eng verbunden war Marcovic auch mit der Arbeit der AIDS-Hilfe Stuttgart, deren Anliegen er über Jahrzehnte  unterstützte. Sein Engagement war dabei stets politisch und  solidarisch. Bei allem Engagement liebte er das Leben, organisierte Partys, unter anderem mit dem Stadtmagazin „Prinz“, die bis heute als legendär gelten.  Andreas nannte sich selbst die „kleine Bienenkönigin“, immer in Bewegung und darum bemüht, dass es allen gut geht. Die Szene nannte ihn „die Sumse“.

In einer persönlichen Erinnerung schreibt Dirk Wein, ein enger Wegbegleiter:

Lieber Andreas,
du warst die Bienenkönigin, deine legendären Nilpartys und Neckarausfahrten sind unvergessen.

Aber noch viel mehr bleibt mir in Erinnerung, was du für die queere Szene in Stuttgart getan und geleistet hast. Dir ist die heutige Stuttgart Pride, ‚dein CSD‘, zu verdanken. Du und deine Mitstreiter habt 2000 den Stuttgarter CSD als regelmäßige Veranstaltung auf die Straße gebracht, ein Jahr später wurde die IG CSD Stuttgart e.V. gegründet.

Ich war von Anfang an dabei und erinnere mich noch gut, als ich 2000 die Deko für die erste Eröffnungsgala ins Alte Feuerwehrhaus nach Heslach geschleppt habe. Wir haben improvisiert, aber eine großartige Deko und Gala auf die Beine gestellt, und die CSD-Parade war trotz viel Gegenwind ein voller Erfolg. Der Grundstein für etwas Großes wurde von dir gelegt.

Ich bin geschockt, sprachlos und unendlich traurig.

RIP Andreas. Vielleicht macht die ‚Sumse‘ ja jetzt da oben eine Bienenköniginnen-Party.

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