Echt Stuttgart
Stuttgarter Comedians ausgezeichnet
„Albaner bei der Polizei? Klingt lustig“ – Luan gewinnt Kleinkunstpreis
18. Juni 2026
„Glaub halt net!“ lautet das Motto von Luan. Mal ist er Polizist, mal Comedian – das eine ergänzt das andere ganz gut. Nun ist der albanische Schwabe auch noch Träger des Kleinkunstpreises Baden-Württemberg. Noch ein zweiter Stuttgarter wird ausgezeichnet – Jochen Prang, dem Humor lieber ist als Verzweiflung.
„Albaner bei der Polizei – das klingt schon lustig“, sagt Luan selbst über seine ungewöhnliche Biografie. Normalerweise sei’s „umgekehrt“. Als der Stuttgarter einst seinen Dienst antrat, hat sein Vorgesetzter gleich mal den ersten Witz gemacht: „Endlich sitzt mal ein Albaner vorne im Streifenwagen und nicht wie sonst hinten.“
Luan ist eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Comedy-Szene. Als Kind kam er in den 1990er-Jahren mit seiner Familie aus dem Kosovo nach Deutschland. Heute arbeitet er als Streifenbeamter, steht aber zugleich als Comedian auf großen Bühnen.
Sein Leben liefert dabei mehr als genug Stoff für seine Programme. Als Schwabe und Albaner, als Familienvater und Polizist bewegt er sich zwischen verschiedenen Welten – und genau daraus entstehen die Geschichten, die sein Publikum so liebt. Dafür bekommt er nun den Kleinkunstpreis 2026 von Baden-Württemberg, wie das Kunstmiinisterium am Donnerstag mitgeteilt hat.
Kuriose Begegnungen aus dem Polizeialltag liefern viel Stoff
In seiner „Luan Comedy Show“ erzählt der Stuttgarter von seiner Kindheit, seinem strengen albanischen Vater, kulturellen Eigenheiten und kuriosen Begegnungen aus dem Polizeialltag. Viele seiner Geschichten wirken so schräg, dass man sie kaum glauben möchte. Nicht umsonst lautet sein Motto: „Glaub halt net!“
Besonders lebendig werden seine Programme durch die Figuren Dirk, Ivica und Fatmir. Mit perfekt gesetzten Akzenten schlüpft Luan in die Rollen des Deutschen, des Kroaten und des Albaners und macht daraus pointierte Geschichten über Identität, Familie und das Zusammenleben verschiedener Kulturen. Humorvoll, ehrlich und immer mit einer großen Portion Selbstironie.
Die Jury lobt vor allem seine Fähigkeit, Alltagsbeobachtungen, kulturelle Reibungen und trockenen schwäbischen Humor zu einer modernen Form der Stand-up-Comedy zu verbinden. Dafür gibt’s einen von drei Hauptpreisen in diesem Jahr, die jeweils mit 5000 Euro dotiert sind.
Auch Jochen Prang, der zweite Stuttgarter Hauptpreisträger, kennt die großen und kleinen Herausforderungen des Alltags nur zu gut.
Arbeit, Freunde, Schule, Urlaub, Nachbarn, Dating, Rechnungen, Kinder, Hochzeit, Wetter, Alter – die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Denn eines ist sicher: „Immer is was!“
Humor ist immer besser als Verzweiflung
Seine Comedy funktioniert deshalb so gut, weil sie jeder kennt. Ob Elternzeit, Hochzeiten, Nachbarn oder der ganz normale Wahnsinn des Alltags – Prang nimmt die Themen, die uns alle beschäftigen, und verwandelt sie in pointierte Geschichten. Jochen freut sich aufs nächstes Klassentreffen. Denn sein Deutschlehrer habe ihm früher immer gesagt, mit dummen Sprüche habe noch nie jemand Geld verdient.
Heute gibt’s für Witze Kohle Sein Erfolgsrezept: Humor statt Verzweiflung. Denn wenn man ohnehin nie seine Ruhe hat, sollte man wenigstens darüber lachen können. Die Jury würdigt genau diesen Ansatz und bezeichnet Prang als „Comedian mit Haltung, der klug, wach und stets am Puls der Zeit agiert“.
Neben den beiden Stuttgarter Comedians wird auch der Artist Lukas Aue aus Bad Herrenalb mit einem Hauptpreis ausgezeichnet. Seit mehr als 20 Jahren steht er auf Bühnen zwischen Theater, Varieté und Oper. Ohne Worte erzählt er mit Akrobatik, Jonglage, Clownerie und Schauspiel poetische Geschichten, die das Publikum berühren und überraschen.
Die neue Staatssekretärin Neşe Erikli überreicht die Preise
Die Förderpreise in Höhe von jeweils 2000 Euro gehen an das Künstlerduo Riedel & Meister sowie die Liedermacherin Theresa Dold.
Verliehen wird der Kleinkunstpreis Baden-Württemberg am 19. Oktober im Theaterhaus Stuttgart. Dort werden Staatssekretärin Neşe Erikli und Lotto-BW-Geschäftsführer Paul Nemeth die Auszeichnungen überreichen. Zusätzlich wird an diesem Abend der mit 5000 Euro dotierte Lotto-BW-Ehrenpreis vergeben, dessen Empfänger traditionell erst bei der Veranstaltung bekannt gegeben wird.
Seit 1986 gilt der Kleinkunstpreis als wichtigste Auszeichnung seiner Art im Land und ist bis heute der einzige Landespreis für Kleinkunst in Deutschland. Zahlreiche frühere Preisträger nutzten ihn als Sprungbrett für eine bundesweite Karriere – und auch die diesjährigen Gewinner zeigen eindrucksvoll, wie lebendig und vielfältig die Kleinkunstszene im Südwesten ist.
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