VIP-Treffen bei Sonja Merz
Ministerpräsident Cem Özdemir in langer Lederhose, Cacau im Kampf mit dem Bierfass und ein Hofbräu-Chef, der erst nach zahlreichen Anläufen trifft: Beim traditionellen Weißwurstfrühstück von Festwirtin Sonja Merz für die Stadtprominenz geht es hoch her - und ganz nebenbei wird kräftig für die VfB-Stiftung gesammelt.
Es gibt Fassanstiche, die vergisst man schnell – und manche, über die wird man noch sehr lange reden. Der beim traditionellen Weißwurstfrühstück von Festwirtin Sonja Merz, einem Benefiz-Event für die VfB-Stiftung, gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Erst versucht sich VfB-Legende Cacau am Fass, dann Hofbräu-Chef Martin Alber. Am Ende braucht es mindestens 25 Schläge, bis das Bier endlich fließt.
Doch der denkwürdige Fassanstich ist längst nicht das Einzige, was an diesem Sonntag für Gesprächsstoff sorgt. Ministerpräsident Cem Özdemir erscheint zünftig in langer Lederhose und Weste, Oberbürgermeister Frank Nopper bringt seinen Sohn mit, und mit VfB-Chef Alexander Wehrle sowie den VfB-Legenden Cacau und Hansi Müller ist auch der Brustring prominent vertreten.
Bevor Özdemir mit Ehefrau Flavia Zaka und seinem Sohn bei Sonja Merz einkehrt, hat er bereits eine ordentliche Wasen-Runde hinter sich. Gemeinsam mit seinem Sohn wagt er unter anderem eine Fahrt mit der Wilden Maus XXL.
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Danach will der Ministerpräsident noch das Landwirtschaftliche Hauptfest besuchen, das am Sonntag mit mehr als 160.000 Besuchern endet. Im Gespräch mit EchtStuttgart bestätigt Özdemir zudem, dass er in die Dienstvilla beim Schloss Solitude ziehen will. Der Termine dafür stehe aber noch nicht fest. Momentan läuft der Umbau.
Hofbräu-Chef Alber erinnert Özdemir derweil daran, dass dieser seinen Tombola-Gewinn vom vergangenen Jahr noch immer nicht eingelöst hat: eine Fahrt mit dem Hofbräu-Heißluftballon. Kein Problem, meint Alber. Der Preis gelte schließlich lebenslang. Und Özdemir werde sowieso nicht älter, scherzt er – er sehe seit Jahren gleich jung aus.
Dann kommt der Fassanstich. Cacau darf als Erster ran. Ein Schlag, zwei Schläge, drei Schläge – doch das Bier will nicht fließen.
„Ich komme aus Brasilien, da haben wir so etwas nicht üben können“, entschuldigt sich der frühere VfB-Torjäger. Als Fußballer hat er jedenfalls besser getroffen.
Also übernimmt Hofbräu-Chef Alber. Doch auch der Profi kämpft mit dem Fass. Der Zapfhahn fliegt heraus, Bier zischt hervor, und irgendwann lassen sich die Schläge kaum noch zählen.
„Bier macht schön“, kommentiert Moderator und Sänger Herzbube die Bierdusche. Und weil das Fass nicht mitspielen will, fragt er provokant, ob es mit einem Dinkelacker-Fass vielleicht besser geklappt hätte.
Nach mindestens 25 Schlägen ist es schließlich geschafft: Das Bier fließt.
Bei aller Gaudi geht es auch um eine gute Sache. Ein Tombola-Los kostet 20 Euro, zu gewinnen gibt es wertvolle Preise – darunter einen Aufenthalt in einem Ferienhaus auf Sylt für sechs Personen.
Der komplette Erlös geht an die VfB-Stiftung „Brustring der Herzen“. Sie fördert Projekte in den Bereichen Bildung und Erziehung, Inklusion, Gesundheit, Wohlfahrtspflege, Umwelt- und Klimaschutz sowie bürgerschaftliches Engagement für Demokratie, erklärt VfB-Chef Alexander Wehrle. Seit der Gründung vor drei Jahren seien bereits rund 850.000 Euro zusammengekommen.
VfB Stuttgart
Ihr Name reimt sich auf Herz, und draußen am Zelt hängt ein überdimensionales tiefrotes Herz als Selfiekulisse. Aber nicht nur deshalb geht es bei Festwirtin Sonja Merz herzlich zu.
Merz hat sich in einem traditionell von Männern dominierten Geschäft durchgesetzt. Nach Josefine Maier von Göckelesmaier ist sie die zweite Frau, die ein großes Zelt auf dem Cannstatter Volksfest führt. Seit 1981 ist sie in unterschiedlichen Bereichen auf dem Wasen tätig.
Ihre Nachfolgerin steht längst bereit: Tochter Katharina Renz ist bereits gleichberechtigte Chefin. Die Mutter will aber noch eine ganze Weile bleiben. Erstmals ist Renz in dieser Saison auch großformatig auf Werbemotiven quer durch die Stadt zu sehen. Dazu habe man sie erst überreden müssen, erzählt sie.
Neu im Merz-Zelt ist die Almrausch-Bar, eine Skibar mit Kunstschnee und großer LED-Wand hinter der Theke. Längst etabliert und beliebt ist die VfB-Loge auf der Empore, die regelmäßig bekannte Gesichter des Vereins anzieht.
VfB-Chef Alexander Wehrle begrüßt die VIP-Gäste beim Weißwurstfrühstück – für Vegetarier Özdemir gibt es natürlich auch fleischlose Alternativen – mit einer gehörigen Portion Selbstironie: Er spreche hier als Vertreter des „aktuell Fünfzehnten der Bundesliga“. Es werde höchste Zeit, dass nach der Länderspielpause wieder gespielt werde, sagt Wehrle. Schließlich solle der VfB möglichst schnell wieder in der Tabelle nach oben klettern.
Dass der VfB nach der Länderspielpause wieder nach oben klettert, davon sind die vielen VIP-Gäste von Sonja Merz und Katharina Renz überzeugt. In der Loge trifft sich an diesem Sonntag ohnehin ein veritables Who’s who der Stuttgarter Stadtgesellschaft.
Kabarettist Christoph Sonntag ist ebenso dabei wie der frühere Südwestbank-Chef Wolfgang Kuhn, Ex-Kultusministerin Susanne Eisenmann, Margit Mayer-Vorfelder, Witwe des früheren DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder, der frühere Nationalspieler Kevin Kuranji, Wasenpirsch-Organisator Frederic Reinicke, Christina Semrau vom Kinderhospiz, Möbelwagen-Präsident Thomas Klingenberg, Winzer Thomas Diehl und Kunsthändler Frank Zimmermann.
Für einen besonders persönlichen Moment sorgt Christoph Sonntag. Seine Frau Lena hat Geburtstag – und kurzerhand stimmt der Kabarettist mit Hilfe des „Herzbuben“ und allen geladenen Gästen ein „Happy Birthday“ für sie an.
So endet das Weißwurstfrühstück mit viel Stuttgarter Prominenz, bester Wasenstimmung und einer Hoffnung, die zumindest die VfB-Fraktion im Zelt eint: Wenn schon der Fassanstich an diesem Vormittag mehr als 25 Anläufe braucht, darf es mit dem nächsten Höhenflug des VfB gern etwas schneller gehen.
Und wann Özdemir mit seinem Heißluftballon-Gewinn abhebt? „Ich werde ihn einlösen“, versichert er beim Rausgehen. Angst habe er keine – nur einen ziemlich vollen Terminkalender. An mangelndem Mut dürfte es jedenfalls nicht scheitern: Die Wilde Maus XXL hat er mit seinem Sohn schon bezwungen. Jetzt muss der Ministerpräsident nur noch in die Luft gehen.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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